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Ida B. Wells — US-amerikanische Journalistin und Aktivistin. | Bild: Sarah Huß

Politik&Aktion Journalismus
Kampf um die Wahrheit

Ida B. Wells — US-amerikanische Journalistin und Aktivistin. | Bild: Sarah Huß

18 May 2021

Die USA im späten 19. Jahrhundert. Rassismus und Sexismus sind tief in der Gesellschaft verankert. Eine, die dagegen ankämpft: Ida B. Wells. Ihre Lebensgeschichte zeigt, wie eng Journalismus und Aktivismus verbunden sein können.

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1892 — Memphis. Es ist früher Abend, als sich ein wütender Mob aus weißen Männern in Bewegung setzt. Ihr Ziel: Die Redaktion der Zeitung Free Speech and Headlight. Dort arbeitet die 29-jährige Journalistin Ida B. Wells. Wegen ihrer mutigen Berichterstattung über Lynchmorde an Schwarzen wurde ihr großer Widerstand aus Teilen der weißen Bevölkerung entgegengebracht. Morddrohungen, Hassparolen und Verwüstung — Von den Büros der Journalist*innen sind nur noch Schutt und Trümmer übrig.

„The way to right wrong things is to turn the light of truth upon them.“ – Ida B. Wells-Barnett

Die Bedeutung der Pressefreiheit

Szenen wie diese sind hierzulande unvorstellbar. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist mittlerweile in vielen Staaten per Gesetz geschützt. So ist sie in Deutschland durch Artikel 5 im Grundgesetz verankert. Der Weg dahin war lang und schwer. Weltweit brauchte es mutige Kämpfer*innen die sich für eine freie und wahrheitsgetreue Presse einsetzten. Und sie braucht es auch heute noch.
 

Infografik Pressefreiheit 2021 In vielen Ländern weltweit ist die Pressefreiheit eingeschränkt. Stand: 17.05.2021 | Bild: Lisa Pham / Daten von RSF

Ida Wells machte es sich zum Ziel, die Wahrheit aufzudecken. Sie prangerte die rassistische Gewalt und auch die Diskriminierung der Frauen an. „Um das Ungerechte richtig zu stellen, muss man es mit der Wahrheit beleuchten.” Nach dem Angriff auf ihre Zeitung verließ sie Memphis endgültig und kämpfte ihr Leben lang für Gerechtigkeit. Im Zuge dessen schloss sie sich der Suffragetten-Bewegung an. 

Die Suffragetten (englisch/französisch suffrage für Wahlrecht) waren organisierte Frauenrechtler*innen des frühen 20. Jahrhunderts in Großbritannien und später auch in den Vereinigten Staaten, die im In- und Ausland viel Aufsehen erregten. Ihr Ziel war ein allgemeines Frauenwahlrecht. Durch militantes Vorgehen und Hungerstreiks machten sie auf sich aufmerksam. Aufgrund rassistischer Züge innerhalb der Suffragetten-Bewegung gründete Ida B. Wells den Alpha Suffrage Club, der sich sowohl für Frauenrechte als auch für Rechte von Schwarzen engagierte.

1913 — Washington. Zielstrebig marschieren hunderte Verbände weißer Frauen über die Pennsylvania Avenue. Tausende Schaulustige stehen am Straßenrand und schauen sich das Spektakel an. Insgesamt eine Viertel Millionen Menschen. Parolen und Pappschilder untermauern die Rufe nach Freiheit und Gleichberechtigung. Die National American Woman Suffrage Association führt den Protest an. Auch Ida ist mit ihrer Delegation von Illinois nach Washington gefahren. Sie steht am Rand des Zuges: Es hieße, schwarze Frauen müssen am Ende laufen — getrennt von den Weißen. Doch davon lässt sie sich nicht einschüchtern. Gemeinsam mit zwei weiteren Suffragetten schließt sie sich den weißen Mitkämpferinnen aus ihrem Bundesstaat an und sorgt für verwunderte Blicke. Das Bild von ihr inmitten der weißen Suffragetten kursiert kurz darauf in den Medien.

Grafik 1: Idas Netzwerk - hier sieht man u.a., in wie vielen Clubs sie sich engagiert. | Bild: Niclas Reichelt / eigene Datenerhebung

In ihrem Kampf für mehr Rechte von Frauen und Schwarzen, wurde Ida zu einer nahmhaften Größe. Neben Vertretern aus Politik, Kirche und Wirtschaft vernetzte sie sich mit zahlreichen Journalist*innen und Aktivist*innen. Als Vorstand des Alpha Suffrage Club wurde sie zu Veranstaltungen der verschiedensten Bürgerrechtsorganisationen in den USA und Großbritannien geladen und vergrößerte so stetig ihr Netzwerk. Das journalistische Tätigkeiten mit Aktivismus einhergingen war dabei keineswegs die Ausnahme (siehe Grafik 1).
Ihr Netzwerk zu Journalist*innen zeigt zudem, dass über die Hälfte ihrere Redakteurs-Kolleg*innen sich aktivstisch engagierten. Von den Frauen sogar jede Einzelne (siehe Grafik 2). Um ihre Ziele zu erreichen brauchten sie den Journalismus. Doch geht das in dieser Form auch heutzutage noch?

Grafik 2: Das Journalist*innen-Netzwerk rund um Ida. Die Faust steht für Journalist*innen, die sich aktivistisch eingesetzt haben. | Bild: Niclas Reichelt / eigene Datenerhebung

Journalismus und Aktivismus

Objektiv und neutral — so sollte Journalismus sein. Er sollte gesellschaftlich Relevantes thematisieren, dabei aber keine Wertung enthalten. Nah am Geschehen berichten, sich aber nicht auf eine Seite schlagen. Heutzutage haben alle Menschen die Möglichkeit ihre eigene Meinung zu verbreiten. Längst sind die etablierten Medien nicht mehr die einzigen Meinungsführer der Gesellschaft. Facebook, Twitter und Instagram nehmen enormen Einfluss. Aktivist*innen sind nicht mehr von der Berichterstattung der Presse abhängig.

Aktivismus und objektiver Journalismus? Das lässt sich heute nur schwer vereinen. Journalismus liefert Informationen und trägt zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Aktivismus hingegen nutzt Informationen, um eine politische Agenda zu verbreiten. Das Eine bedingt das Andere. Oder wie Ida Wells es sagt: „Die Leute brauchen Wissen, bevor sie handeln können und es gibt keinen vergleichbaren Lehrer wie die Presse.”

„The people must know before they can act, and there is no educator to compare with the press.“ – Ida B. Wells-Barnett

Es bedarf mutiger Menschen mit dem Willen die Wahrheit über Misstände zu verbreiten. Und es bedarf der nötigen Handlung diese zu beheben. So sah es auch die Bürgerrechtlerin Ida Barnett Wells. Bei der Pulitzer-Preis-Verleihung letztes Jahr brachte es ihre Ur-Enkelin auf den Punkt:
„The only thing she really had was the truth.“

Wells’ Leben und ihr politisches Engagement wurden im Rahmen einer Netzwerkanalyse betrachtet und ihre Netzwerkstrukturen miteinander verglichen. Dabei lag der Fokus auf Ida selbst sowie auf ihren geschäftlichen und freundschaftlichen Beziehungen, die sie in ihrer Autobiographie Crusade for Justice erläutert. Dazu wurden unter anderem Teilnetzwerke zu den wichtigsten Berufsgruppen in ihrem Umfeld erstellt – Journalist*innen und Aktivist*innen. Im Vergleich erkennt man, dass diese oft Hand in Hand gingen. 
Alle erhobenen Daten findet man hier.