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Wie können Reporter besser geschützt werden? | Bild: Korie Cull

Politik&Aktion Journalismus
Mehr Schutz - weniger Schlagzeilen

Wie können Reporter besser geschützt werden? | Bild: Korie Cull

27 Jun 2020

Der Angriff auf den Satiriker Abdelkarim und ein Kamera-Team der „heute-show" war ein heiß diskutiertes Thema im Mai. Was können wir aus dem Vorfall lernen und wie sollten wir in Zukunft auf solche Ereignisse reagieren? Ein Kommentar.

Am 1. Mai wurden ein Kamera-Team und der Satiriker Abdelkarim von mindestens 15 Menschen angegriffen. Der Angriff ereignete sich bei einem Dreh für die „heute-show". Dabei wurden mehrere Mitglieder des Fernseh-Teams so stark verletzt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Am selben Tag hat eine Kameraassistentin von einem Polizisten einen Schlag abbekommen, kurz darauf trat ein Demonstrant nach einem Tontechniker der ARD. Ist es für Journalist*innen als Vermittler*innen zwischen Gesellschaft und Politik immer schwerer, dieser Rolle gerecht zu werden?

Warum haben die Angreifer*innen eine solche Abneigung gegenüber Journalist*innen? Wenn wir dieses Problem auf sachlicher Ebene betrachten, gibt es laut Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft, mehrere Anhaltspunkte. Einerseits wird oft ein Qualitätsverlust bemängelt. Da jeder im Internet publizieren kann, sieht sich der Journalismus mit einem Abgrenzungsproblem konfrontiert. Das kann dazu führen, dass schlechte Berichterstattung dem Journalismus beigerechnet wird, obwohl die Berichte oder Meinungen gar nicht von Journalist*innen kommen. Andererseits sieht sich der Journalismus einem wachsenden ökonomischen Druck ausgesetzt. Viele Stellen werden abgebaut und Medienunternehmen investieren lieber außerhalb des Journalismus, was ebenfalls zu einem Qualitätsverlust führen kann. Es ergeben sich also genügend Argumente für Kritik an der Medienlandschaft.

Und wenn Medienkritik geäußert wird, trifft sie oft auf offene Ohren, denn „noch nie war die Sensibilität für Fehler so groß“, so Neuberger. Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein Grundrecht. Wenn Kritik geäußert wird, muss das aber unter der Einhaltung bestimmter Anstandsregeln passieren. Diese Regeln haben die Angreifer*innen verletzt und die Angriffe waren nur noch stumpfe Gewalt – oder wie kann man Tritte ins Gesicht inhaltlich interpretieren?

Dass Gewalt eine Diskussion nicht fördert, ist soweit nichts Neues, aber angesichts der Brutalität des Angriffs und der steigenden Zahlen der Übergriffe ist das dennoch erwähnenswert. Laut dem European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) konnte im Jahr 2019 zwar ein Rückgang der gewaltsamen Übergriffe verbucht werden, jedoch sind die Zahlen im Jahr 2020 allein in den ersten Monaten deutlich gestiegen. Allein im Januar gab es fünf Übergriffe auf Berichterstatter*innen und der Trend hat sich im Laufe der Demonstrationen im Mai fortgesetzt. Der Bericht des ECPMF zeigt auch, dass die Übergriffe und Bedrohungen aus allen politischen Lagern kommen.

Dieser Anstieg der Pressefeindlichkeit und die Brutalität des Angriffs auf das „heute-show“-Team sollte daher besonders für die Medien als solche ein Warnsignal sein. Anstatt sich zu sehr mit der politischen Ausrichtung der Angreifer*innen zu beschäftigen, muss zunächst die Sicherheit der Berichterstatter*innen sichergestellt werden. Erst dann können Reporter*innen, Tontechniker*innen und Kamera-Assistent*innen ohne Angst zur Arbeit gehen und unversehrt wieder nach Hause kommen.