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Coronavirus
Letze Chance Impfung

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Nach monatelangen Einschränkungen ist jetzt die Lösung näher denn je. | Bild: Penelope Hoeth

Coronavirus Letze Chance Impfung

Nach monatelangen Einschränkungen ist jetzt die Lösung näher denn je. | Bild: Penelope Hoeth
 

11 Dec 2020

Vor ungefähr einem Jahr hat sich unser Alltag von Grund auf geändert. Der größte Wunsch: wieder zur Normalität zurückzukehren. Die größte Hoffnung: ein Impfstoff gegen das Coronavirus. Warum wollen sich trotzdem so viele nicht impfen lassen?

Penelope Hoeth

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2019
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Kaum ein Thema wird im Moment heißer diskutiert als die Impfung gegen Covid-19. Eine allgemeine Impfpflicht hat die Bundesregierung ausgeschlossen. Doch die Impfbereitschaft der Deutschen lässt, jetzt wo es ernst wird, leider zu wünschen übrig. Nur knapp die Hälfe, etwa 53 Prozent, wollen sich nach einer Umfrage der Krankenkasse Barmer impfen lassen. Dabei ist es in der aktuellen Lage nicht nur Eigenschutz, sich impfen zu lassen, sondern auch ein wichtiger Akt der Solidarität gegenüber der gesamten Gesellschaft. Denn: Mindestens zwei Drittel der Deutschen müssten geimpft sein, um sogenannte Herdenimmunität zu erreichen.

Impfungen haben in der Vergangenheit oft tödliche Krankheiten ausgerottet. Bis 1976 gab es in Deutschland eine Pockenimpfflicht. Heute gelten die Pocken als besiegt. Auch andere Infektionskrankheiten wie Tetanus oder Polio konnten eingedämmt werden. Könnten wie mit einer hohen Impfbereitschaft heute ähnliches erreichen?

Moderne Impfstoffe sind sicher

Pauschal betrachtet bieten Impfungen viele Vorteile. Der Wichtigste: Schutz vor Krankheiten, oder gar Immunität. Epidemien sind heutzutage kaum mehr möglich. Mit flächendeckenden Impfungen erreichen wir Herdenimmunität und können die Allgemeinheit schützen. Die heute gängigen Impfungen haben eine hohe Verträglichkeit. „Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ (2003-2006) des Robert Koch-Instituts hat bei 16.000 Impflingen lediglich eine Unverträglichkeit von 1,8 Prozent festgestellt.Beim Impfstoff gegen Covid-19 musste aufgrund der heiklen Situation die Testphase verkürzt werden. Klar ist nicht, wie es sich mit dem Impfstoff in der Zukunft verhält – zumindest in Sachen Langzeitwirkung.

Impfbereitschaft SARS-CoV-2 | Bild: Penelope Hoeth

Impfgegner widerlegt

Argumente, die Impfgegner anbringen, können großteils nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Bei dem Vorwurf, verschiedene Krankheiten würden durch Impfungen begünstigt, handelt es sich um einen Mythos. Die Ergebnisse vielfältiger Studien sprechen gegen einen Zusammenhang von Impfungen und Krankheiten wie Diabetes oder Multiple Sklerose. Natürlich kann es zu Beschwerden nach einer Impfung kommen, über Fieber oder Übelkeit gehen diese aber nur in sehr seltenen Fällen hinaus.

Klar muss man sehen: Der Impfstoff, der nun als erster zugelassen wurde, ist in einem neuen Verfahren hergestellt. Experten halten dieses für sicher, aber selbstverständlich kommt es auch zu Irrtümern in Medizin und Pharmaindustrie. Das „harmlose“ Schlafmittel Contergan ist hier das beste Beispiel. Kinder der Patienten wurden mit Fehlbildungen an Extremitäten und Nervenschäden geboren. Dem gegenüber stehen aber verschiedene positive Beispiele. Zu Beginn der 1960er-Jahre wurden verschiedene Impfstoffe gegen Masern hergestellt. Einer dieser Stoffe erwies sich als besonders verträglich und schützt bei zweifacher Impfung lebenslang. Die Zahl der Erkrankungen konnte von 1980 bis 2013 um 95 Prozent reduziert werden. 

Auf Eigenverantwortung bauen

Zunächst muss berücksichtigt werden, dass wir uns in einem absoluten Ausnahmezustand befinden. Eine Impfung gegen Covid-19 könnte Millionen von Menschen retten und schlimmem Langzeitschäden vorbeugen. Man kann diese Impfung deshalb nicht mit einer herkömmlichen Impfung vergleichen. Bei einem Virus, das die gesamte Welt lahmlegt, muss der Nutzen dem Schaden gegenübergestellt werden. Es ist allbekannt, dass die Impfung in vergleichsweise kurzer Zeit entwickelt wurde. In der Vergangenheit musste man dieses Risiko öfter in Kauf nehmen, um heute ohne schlimme Epidemien zu leben. Ist es besser, dieses Risiko einzugehen oder täglich gefüllte Intensivbetten und Tode zu vermelden? Viel Leid könnte erspart werden. Die Menschen tragen mit ihrem momentanen Verhalten eine hohe Verantwortung. Dennoch gibt es immer noch sogenannte Superspreader, die die Mühen der restlichen Bevölkerung zunichte machen.

In der Impffrage werden auch nicht alle verantwortlich handeln. Viele werden ihre persönlichen Bedenken über den Nutzen für die Allgemeinheit stellen. Deshalb ist es umso wichtiger, sich jetzt impfen zu lassen.

Wie funktioniert die Impfung? | Bild: Penelope Hoeth
In Impfzentren kann in den nächsten Wochen flächendeckend geimpft werden. | Bild: Penelope Hoeth