Umwelt & Wirtschaft

Digital Work
Von aller Welt am Arbeitsplatz

Die Welt bereisen, neue Kulturen und Menschen kennenlernen und dabei Geld verdienen. | Bild: Eliza Gervalla

Digital Work Von aller Welt am Arbeitsplatz

Die Welt bereisen, neue Kulturen und Menschen kennenlernen und dabei Geld verdienen. | Bild: Eliza Gervalla
 

16 May 2023

Seit der Corona-Pandemie wollen immer mehr Menschen selbstbestimmter und freier leben und währenddessen reisen. Doch wie kann ein Mensch in einem anderen Land arbeiten, welche Hindernisse können auftauchen und was muss genau beachtet werden?

Eliza Gervalla

Medienwirtschaft
seit Sommersemester 2020
DigitalisierungKunstKultur

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Sonne, Strand und Meer und nebenher Geld verdienen? Das ist die Traumvorstellung vieler digitaler Nomad*innen. Digitale Nomad*innen sind Personen, welche als Angestellte oder Selbstständige einer digitalen Arbeit nachgeht. Digitale Nomad*innen arbeiten überwiegend ortsunabhängig und können dadurch sehr frei und selbstbestimmt reisen.

Weltweit gibt es etwa 35 Millionen digitale Nomad*innen – mit der Tendenz nach oben. Auch Alex von "Vollzeitreisen" ist ein digitaler Nomade, der die Welt bereist. Zusammen mit seiner Frau hat er "Vollzeitreisen" gegründet und unterstützt als Coach andere Menschen dabei, den Wunsch vom digitalen Nomadentum zu verwirklichen.

Doch nicht jede*r digitale*r Nomad*in gibt gleich seine Wohnung auf und reist mit seinem Laptop durch die Welt. Manche haben ihre Heimat beispielsweise in Deutschland, verbringen den Sommer dort und reisen, sobald es kälter wird, für einige Monate in ein anderes Land, um dort zu arbeiten. Oftmals sind digitale Nomad*innen wie Alex selbstständig. Diese Selbstständigkeit ermöglicht es, eine Arbeit auszuüben, die Spaß in einem Bereich bereitet, in dem sich die Person gut auskennt. Es ist möglich, selbst zu bestimmen, wo und wie oft man arbeiten möchte.

Alex ist als digitaler Nomade nicht alleine. Laut einer Statistik von Gitnux im Jahr 2023 hat sich seit dem Ausbruch der Pandemie die Anzahl der digitalen Nomad*innen mit traditionellen Jobs mehr als verdreifacht. Hier sind die Flexibilität bei der Zeiteinteilung (67 %) und der freie Arbeitsort (62 %) die Hauptvorteile. Um bürokratische Aufwände zu reduzieren und die Ansiedlung von digitalen Nomad*innen zu erleichtern, wurden in über 45 Ländern Visa und andere Programme eingeführt.

Die Macht der Ungebundenheit

Die Vorteile digitaler Nomad*innen sind meist offensichtlich.

Alex hat sich für das digitale Nomadentum entschieden, weil er die Freiheit haben will, seinen eigenen Lebensweg zu gestalten und selbstbestimmter zu leben. Dabei kann er von jedem Ort der Welt arbeiten und leben.

Die Arbeit kann ein* digitale*r Nomad*in flexibel gestalten und hat somit die Freiheit, die Zeit so einzuteilen, wie es zu dem Lebensstil passt. Außerdem sind digitale Nomad*innen oft sehr selbstständig und diszipliniert, da sie fähig sein müssen, ihre Arbeit auch ohne den sozialen Druck eines Büros, einer festen Arbeitsumgebung oder eines Chefs oder einer Chefin zu erledigen.

Als digitale*r Nomad*in fällt es einem oft leichter, eine gesunde Work-Life-Balance zu erreichen. Da sie ihre Arbeit und ihr Leben in Einklang bringen können, bietet sich die Möglichkeit, die Arbeitsbelastung so zu planen, dass ausreichend Zeit für andere wichtige Sachen entsteht.

Es können viele neue Orte erkundigt werden, man kommt in Kontakt mit vielen neuen Menschen und Kulturen – durch diese Vielfalt bleibt das Leben spannend und die persönliche Weiterentwicklung kommt voran.

Gut gerüstet für die Hürden

Obwohl der digitale Nomadentum viele Vorteile bietet, gibt es auch Herausforderungen, auf die man als digitale*r Nomad*in vorbereitet sein muss. 

Laut Alex von Vollzeitreisen könnte die Ungewissheit, dass du selbst für dein Geld sorgen musst, eine große Herausforderung für viele Menschen sein.

„Die Ungewissheit, dass du selbst für dein Geld sorgen musst“   – Alex, Vollzeitreisen

Als digitale*r Nomad*in muss man sich bewusst sein, dass man oft mehr Verantwortung trägt, härter und manchmal für weniger Geld als im traditionellen Bürojob arbeiten muss. Man ist meistens auf sich allein gestellt und muss alleine klarkommen.

Sein gewohntes Umfeld, Freund*innen und Familie oder den normalen Alltag zu verlassen, kann auch auf die mentale Gesundheit gehen. Man sollte sich bewusst sein, dass ein ganz neuer Lebensabschnitt betreten wird. Die eigenen Freund*innen und Familie kann man nicht mehr so oft sehen, wie man es sonst gewohnt ist. Oftmals kommt man in ein neues Land, in dem kein*e Bekannte*r oder Verwandte*r wohnt, es müssen erst neue Kontakte geknüpft werden und ein soziales Umfeld aufgebaut werden. Man sollte sich bewusst sein, wie man mit dieser Situation umgeht.

Die Suche nach einer neuen Unterkunft kann auch mal stressig werden. Es ist ratsam, sich frühzeitig über die Möglichkeiten im Land zu informieren, in das man reist. Es kann vorkommen, dass die Unterkünfte nicht gut eingerichtet sind, zum Beispiel kein Schreibtisch vorhanden ist oder die Unterkunft an einer lauten Straße liegt. Plattformen wie Facebook bieten eine gute Möglichkeit, um nach passenden Unterkünften zu suchen.

Es ist wichtig, auch nach einer passenden Krankenversicherung zu suchen, wenn man ins Ausland reist. Wenn man im Ausland zum Arzt muss und keine passende Versicherung abgeschlossen hat, kann es sehr teuer werden. Es gibt Möglichkeiten wie eine internationale Krankenversicherung, die den Ansprüchen gerecht wird. Es ist ratsam, sich über die verschiedenen Optionen zu informieren, um die beste Versicherung für die eigenen Bedürfnisse zu finden.

Ebenfalls ist es wichtig, das Budget für die Reise gut zu planen. Wenn man weiß, dass man in den nächsten Monaten in ein teures Land reisen möchte, sollte man den Monat davor mehr arbeiten, um genug Geld zu sparen. Wenn man jedoch in ein billigeres Land reist, kann auch weniger gearbeitet und die Zeit genossen werden. Die Verantwortung liegt bei einem selbst, das Budget für Unterkunft, Verpflegung und andere Ausgaben gut zu planen. Es ist ratsam, sich im Voraus über die Kosten im Reiseland zu informieren, um das Budget besser planen zu können.

Die perfekte Wahl

Digitale Nomad*innen haben eine breit gefächerte Auswahl an Berufen und Branchen, in welchen gearbeitet werden kann.

Beliebte Jobs für digitale Nomad*innen | Bild: Eliza Gervalla

Alex arbeitet unter anderem als Coach und begleitet Menschen auf ihren Weg zum digitalen Nomadentum. Schritt für Schritt hilft er den Menschen, ihrem Ziel näherzukommen. Als Online-Lehrer, Trainer oder Coach hat ein digitaler Nomade die Möglichkeit, Kenntnisse in verschiedenen Themenbereichen zu vermitteln.

Berufe in der IT und Softwareentwicklung eignen sich ebenfalls, da diese Berufe eine gute Work-Life-Balance und eine flexible Arbeitsweise anbieten. Gleich ist das mit der Marketingbranche. Hier bietet sich beispielsweise die Möglichkeit, als Online-Marketing-Spezialist*in oder Social-Media-Manager*in zu arbeiten, da diese Berufe oftmals von überall ausgeübt werden können und einen hohen Grad an Flexibilität bieten.

In Design- und Kreativberufen können digitale Nomad*innen als Grafikdesigner*in, Webdesigner*in oder Fotograf*innen arbeiten, da diese Berufe oft auf projektbasierten Arbeiten beruhen, die ortsunabhängig erledigt werden können.

Diese Liste ist keinesfalls vollständig, es gibt viele weitere Möglichkeiten, als digitale*r Nomad*in zu arbeiten. Je nach Interesse, Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen gibt es meist für jeden Menschen eine passende Beschäftigung.

Alles in allem bietet das digitale Nomadentum eine Möglichkeit, Arbeit und Freiheit miteinander zu verbinden und die Welt zu erkunden, erfordert aber auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit und Vorbereitung, um die Herausforderungen zu meistern und das Beste aus der Erfahrung herauszuholen.

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