Kühl bleiben im Kessel: Fünf Orte im Hitze-Check
Hinweis
Dieser Beitrag ist Teil eines Dossiers zum Thema „Die Sommer werden immer heißer - wie gut ist Stuttgart vorbereitet?"
Zum Dossier gehören außerdem folgende Beiträge:
- „Im Kessel kocht's: Hitzeschutz für Obdachlose" - Ein Feature über Hitze als gesundheitliches Risiko für Obdachlose und die Arbeit von Anlaufstellen.
- „Sommer, Sonne, Hitzestress: Ein Blick in Stuttgarts Zukunft" - Ein Podcast darüber, wie das Stuttgarter Stadtklima im Jahr 2050 aussehen könnte.
Anfang Juli. Es sind über 30 Grad, die Sonne prasselt herunter und man wünscht sich nichts sehnlicher als etwas Abkühlung. Doch im Park ist kein schattiges Plätzchen zu finden. Auch von Trinkwasser fehlt jede Spur.
Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeperioden werden öffentliche Schattenplätze immer wichtiger. Wir haben uns mithilfe der städtischen Map für kühle Orte fünf Plätze in Stuttgart genauer angesehen. Diese haben wir ausgewählt, weil sie zentral und gut erreichbar sind oder im Umfeld von Veranstaltungen liegen.
Bürger*innen können zudem kühle Orte vorschlagen, die die Stadt prüft und in die interaktive Karte aufnimmt. Wie Holger Wemmer vom Gesundheitsamt erklärt, handelt es sich bei den Plätzen aber um kühle Orte, die nicht extra so gestaltet wurden. „Wir prüfen deswegen nicht, ob sie gut angenommen werden.” Grund sei, dass es sich um ein Informationsangebot für bestehende Orte handelt. Persönlich schätzt er es aber so ein, dass alle fünf Plätze gut genutzt werden.
1. Schatten im Herzen Stuttgarts
Im Zentrum treffen viele verschiedene Zielgruppen aufeinander: Sei es beim Shoppen auf der Königsstraße oder beim Entspannen im Schlossgarten. Kühle Abwechslung bieten hier der Eckensee und der Akademiegarten.
Rund um die Johanneskirche gibt es viele Bänke im Schatten. Direkt am See schützt aber nichts mehr vor der Sonne. Laut Map soll es auch ein Trinkwasserangebot geben, das jedoch schwer zu finden ist. Wie Wemmer erklärt, gibt es einen Brunnen, um den Tische und Stühle einer Gastronomie stehen, wodurch es so aussieht, als würde er zu diesem Restaurant gehören. „Dennoch ist er städtisch und daher öffentlich.” Die Stadt definiert Trinkwasserzugang nicht nur über Trinkbrunnen, sondern auch über Alternativen, wie Wasserspender oder Refill-Anlagen.
Unweit des Feuersees zeigt das Rossbollengässle, wie Stuttgart öffentliche Plätze hitzefester machen will. Hierbei handelt es sich um einen Innenhof auf dem Dach einer Tiefgarage, der 2012 durch Begrünung zu einem Treffpunkt für Bürger*innen wurde. Maßnahmen wie die Begrünung und Beschattung öffentlicher Plätze sind im Hitzeaktionsplan festgelegt.
Was ist eigentlich ein Hitzeaktionsplan?
Ein Hitzeaktionsplan bündelt Maßnahmen, mit denen Städte ihre Bürger*innen vor der Hitze schützen wollen. Durch den Klimawandel nehmen Hitzeperioden zu, wodurch auch die Gesundheitsrisiken steigen. Gerade für Risikogruppen wie ältere Menschen, Pflegebedürftige und chronisch Kranke.
Umso wichtiger ist ein kommunal entwickeltes Konzept, um die Bevölkerung zu informieren und hitzeresilient zu werden. Der Hitzeaktionsplan der Stadt Stuttgart wurde im Juni 2025 vorgestellt und umfasst rund 50 Maßnahmen. Eine davon ist die Erfassung kühler Orte mithilfe der städtischen Map, die in diesem Artikel im Vordergrund steht.
Quelle: Stadt Stuttgart
In Punkt C5 hat die Stadt Leitlinien für Hitzeschutz bei öffentlichen Veranstaltungen entwickelt. Wir haben die BOSS OPEN begleitet und das Event auf das Hitzeschutzkonzept untersucht.
3. Innovativer Sonnenschutz
Abgesehen von vereinzelten Sitzmöglichkeiten unter Bäumen gibt es auf dem Marienplatz selbst so gut wie keinen Schatten. Hier kommen die zwei „Ecotriis” ins Spiel. Das sind sonnenschirmartige Konstruktionen, an denen Kletterpflanzen entlang wachsen und die in Zukunft für Schatten sorgen sollen.
Auf Nachfrage bestätigt Wemmer, dass es am Killesberg keinen Trinkbrunnen gibt. Die Map kann auch nach Brunnen- und Wasserstellen gefiltert werden und an manchen Stellen war das für unseren Check hilfreich. Teilweise hat es jedoch für Verwirrung gesorgt, wenn es entgegen der Angaben doch kein Trinkwasserangebot gab.
Wenn heute schon an manchen Orten Schatten und Wasser fehlen, stellt sich die Frage, wie Stuttgart weiter mit Hitze umgehen will. Unsere Podcastfolge „Stuttgart in 2050: Wie heiß wird es wirklich?” behandelt die Frage, wie die Stadt in Zukunft aussehen wird.
Bei unserem Besuch am Cannstatter Eingang und auch am Aussichtspunkt Sankt-Helens-Steg gab es, anders als die Map angibt, kaum nutzbaren Schatten. Dafür befindet sich nicht weit vom Cannstatter Eingang ein Rückzugsort neben einem Restaurant.
5. Spazieren im Schatten, sitzen in der Sonne
Im Oberen Kurpark in Bad Cannstatt gibt es Bänke im Schatten und in der Sonne. Im Frühjahr ist das sicher sinnvoll, derzeit bleiben die sonnigen Plätze aber leer. Beim Spaziergang lässt sich meistens trotzdem ein schattiger Platz finden.
Sinnvoll, aber ausbaufähig
In Stuttgart ist es an vielen Orten möglich, sich vor der Hitze zu schützen. Bei unserem Check wurden mehrere Angebote sichtbar genutzt. Vereinzelt gibt es Verbesserungspotenzial wie mehr Trinkwasserangebote. Die Map für kühle Orte ist hilfreich, jedoch an manchen Stellen etwas ungenau. Bei unserem Besuch stimmten einzelne Angaben nicht oder waren vor Ort schwer nachvollziehbar.