Wenn Geld grün wird: Die nachhaltige Dimension der Finanzwelt
Allein im Jahr 2024 investierten die weltweit 65 größten Banken rund 869 Milliarden US-Dollar in Unternehmen, die im Bereich der fossilen Brennstoffe tätig sind – ein Anstieg von 162 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Dies geht aus dem Bankenbericht „Banking on Climate Chaos“ hervor. Viele Großbanken leisten somit einen substanziellen Beitrag zur Verschärfung des Klimawandels und stehen deswegen häufig in der Kritik. Aus dieser Kritik heraus entstanden in den 1960er Jahren die ersten nachhaltigen Banken mit dem Ziel, Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt jeglicher Geschäftsentscheidung zu stellen.
Ein Auge für die Moral
Grundsätzlich existiert keine einheitliche Definition für den Begriff „Nachhaltiges Banking“. Stattdessen gibt es bestimmte Kriterien, anhand derer man Banken mit nachhaltigen Geschäftsmethoden erkennen kann. Diese formulieren dazu häufig sogenannte Ausschluss- sowie Positivkriterien, die innerhalb des Unternehmens als Entscheidungsgrundlage für Investments und Finanzierungen gelten.
Generell ausgeschlossen werden Investments in Unternehmen aus der Waffen-, Kohle- und Atomkraft-Industrie. Zudem finanzieren nachhaltige Banken keine Unternehmen oder Staaten, die sich Arbeits- bzw. Menschenrechtsverletzungen sowie Kinderarbeit haben zuschulden kommen lassen. Im Gegenzug fokussieren sich die Banken auf Projekte, die positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. Dazu gehört unter anderem die Förderung erneuerbarer Energien, bezahlbaren Wohnraums oder eine aktive Unterstützung des Kampfes gegen den Klimawandel. Große Bedeutung besitzen außerdem Werte wie Transparenz und Ehrlichkeit gegenüber dem Kunden. Finanzierte Projekte oder Unternehmen werden hierfür vollständig offengelegt und sind häufig bereits auf der Webseite der jeweiligen Bank einsehbar.
Nachhaltigkeit messen
Die Nachhaltigkeit von Unternehmen im Finanzbereich wird anhand der sogenannten ESG-Kriterien gemessen und von diversen Ratingorganisationen im Auftrag von Investoren überprüft und bewertet. Zudem besteht seit 2017 für eine Vielzahl der an der Börse gehandelten europäischen Unternehmen eine Berichtspflicht. Dadurch sind diese dazu verpflichtet, über Nachhaltigkeitsfaktoren ihrer Geschäftstätigkeit zu berichten, um somit für mehr Transparenz zu sorgen. Die Buchstaben E, S und G stehen für die drei Säulen der Nachhaltigkeit E (Environment), S (Social) und G (Governance).
E: Umweltschutz, Klimaschutz-Strategien, Emissionsreduktion
S: Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Arbeitsrechte
G: Anti-Korruption, Risikomanagement, ethisch handelnde Unternehmensführung
Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon
Insbesondere bei jungen Menschen ist das Thema Nachhaltigkeit beim Banking von Bedeutung. 39 Prozent der Befragten einer Studie des Beratungsinstituts „BearingPoint“ geben an, dass ihnen Nachhaltigkeit bei ihrer Bank wichtig oder sehr wichtig sei. Dennoch sind Aspekte wie Sicherheit oder finanzieller Ertrag bei einem Großteil der Bankkunden immer noch entscheidender, wenn es darum geht, sich für eine Bank zu entscheiden. Und nur vier Prozent der Befragten wären tatsächlich dazu bereit, sofort von ihrer aktuellen Bank zu einer nachhaltigeren Bank zu wechseln.
Wirtschaftlicher Erfolg bleibt fraglich
Denn es stellt sich auch die Frage, ob nachhaltige Banken mit klassischen Banken finanziell überhaupt mithalten können. Betrachtet man hierfür den kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg nachhaltiger Banken, lassen sich durchaus gewisse Schwächen erkennen. „Wenn eine nachhaltige Bank von einem Unternehmen, das sich nicht nachhaltig verhält, im Zuge einer Kreditvergabe einen Preisaufschlag verlangt, kann es natürlich sein, dass das Unternehmen dann einfach zur nächstbesten Bank geht und sich dort einen günstigeren Kredit abholt“, erklärt Fynn Ackenhausen, Projektreferent beim Institut für Nachhaltiges Banking. Langfristig betrachtet sähe die Situation allerdings anders aus. Denn Banken seien mittlerweile wegen zunehmender Risiken durch ökologische Veränderungen darauf angewiesen, Themen wie den Klimawandel auch verstärkt in ihrem Risikomanagement zu berücksichtigen. Insofern lasse sich ökonomischer Erfolg auf lange Sicht nur noch ermöglichen, wenn Banken das Thema Nachhaltigkeit systematisch in ihre Geschäfts- und Risikostrategie integrieren.
Fairness-Ranking deutscher Banken
Untersucht wurde die Fairness und Nachhaltigkeit deutscher Banken im Fair Finance Guide 2025. Dazu ermittelte der Guide, zu wie viel Prozent die untersuchten Banken die aufgestellten Bewertungskriterien erfüllten. Zu den Bewertungskriterien gehörten unter anderem der Umgang der Banken mit Themen wie Klimawandel, Menschen- und Arbeitsrechte, Steuern, Korruption und Gleichberechtigung.
Am besten schnitt die GLS Bank mit 98 Prozent ab, gefolgt von der Tomorrow Bank und der EthikBank, mit jeweils 91 beziehungsweise 90 Prozent. Die Großbanken „Deutsche Bank“ und „Commerzbank“ erreichten mit 42 sowie 41 Prozent vergleichsweise eher schwache Resultate.
Quelle: Fair Finance Guide 2025
Nicht alles, was glänzt, ist Gold
Jedoch handeln nicht immer alle Banken, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben, auch wirklich nachhaltig. Immer wieder kommt es zu Fällen von sogenanntem Greenwashing. Dieses bezeichnet den Vorgang, bei dem Unternehmen ihr eigenes Geschäftsmodell, Handlungen oder Produkte als nachhaltiger darstellen, als sie in Wirklichkeit überhaupt sind – mit dem Ziel, eine umweltbewusste Unternehmensführung zu suggerieren. Dazu gehören beispielsweise fälschliche Verwendungen von Labels wie „grün“ oder „ökologisch“. Häufig werden auch Investments in umweltschädliche Firmen oder Projekte verschleiert und stattdessen kleine, vergleichsweise unbedeutende Finanzierungen nachhaltiger Projekte bewusst hervorgehoben.
Innerhalb der EU ist im Verlauf der Jahre ein klarer Anstieg an Greenwashing-Fällen im Banken- sowie Finanzsektor zu erkennen. Dies zeigt ein Report der Europäischen Bankaufsichtsbehörde (EBA). Im Jahr 2023 lagen laut Untersuchung 234 Fälle von mutmaßlichem Greenwashing vor – eine Steigerung von 13,6 Prozent zum Vorjahr. Vergleicht man die Zahlen aus dem Jahr 2023 mit den Zahlen von 2018, zeigt sich hier ein Wachstum von 585 Prozent.
Ein prominenter Fall von Greenwashing spielte sich bei der DWS Group, Tochtergesellschaft der Deutschen Bank ab. Gegen das Unternehmen für Vermögensverwaltung wurde im Jahr 2025 eine Strafzahlung von 25 Millionen Euro verhängt, nachdem die Frankfurter Staatsanwaltschaft Vorwürfen des Greenwashings nachgegangen war. Dabei stellte sich heraus, dass sich die DWS Group fälschlicherweise als „Leader“ bei ESG-Kriterien bezeichnete und somit Investoren mit falschen Nachhaltigkeitsversprechen irregeführt hatte.
Die Ursachen für die Zunahme von Greenwashing im Finanzsektor sind vielseitig. Ein wichtiger Aspekt ist die zunehmende Bereitschaft der Kunden, mehr Geld für nachhaltige Produkte zu zahlen. Aus einer Studie des IT-Dienstleistungsunternehmens Adesso geht hervor, dass 60 Prozent der Befragten dazu bereit sind, für nachhaltige Finanzprodukte angepasste Preise in Kauf zu nehmen. Zusätzlich ist fast jede zweite Person der Überzeugung, dass nachhaltige Banken sympathischer sind. Somit ergeben sich für Unternehmen völlig neue Möglichkeiten, mit dem Thema Nachhaltigkeit Profit zu erzielen. Häufig sind diese allerdings noch nicht in der Lage, die gesellschaftlichen Erwartungen an eine nachhaltige Unternehmensführung konkret umzusetzen. Und genau da setzt laut Ackenhausen Greenwashing an: „Bei Greenwashing versucht man, so zu tun, als wenn, muss aber gleichzeitig nicht den Aufwand betreiben, den tatsächlich nachhaltiges Handeln nach sich ziehen würde."
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Faktencheck als Mittel gegen Greenwashing
Aufgrund der uneinheitlichen Regularien zum Thema Greenwashing ist es für Verbraucher*innen beim Banking schwer, dieses eindeutig zu erkennen. Dennoch gibt es einige Kriterien, die auf irreführende Nachhaltigkeitsversprechen hinweisen können. Finanzinstitute, die Greenwashing begehen, fallen beispielsweise häufig durch fehlende Transparenz auf. Hierbei wird in der öffentlichen Kommunikation auffällig oft mit nachhaltigen Inhalten geworben, ohne diese mit Kennzahlen oder Statistiken zu belegen. Dieses Vorgehen ließ sich im Zuge des Greenwashing-Skandals auch bei der DWS Group beobachten. Das Unternehmen hatte in seiner Werbung gezielt damit geworben, positiven Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt auszuüben und seinen Kunden versprochen, davon finanziell profitieren zu können. Trotz dieser Behauptungen besaß die DWS keine öffentlich einsehbaren Investitionsrichtlinien zu Nachhaltigkeitsthemen. Und auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hatte bezüglich der Werbeaussagen der DWS bereits zuvor mangelnde Transparenz beklagt – insbesondere angegebene Nachhaltigkeitswerte des Unternehmens seien rechnerisch nicht nachzuvollziehen gewesen.
Ein weiterer Hinweis auf Greenwashing liegt vor, wenn Unternehmen Nachhaltigkeitsmaßnahmen vorstellen, die nichts mit dem eigentlichen Kerngeschäft der Bank zu tun haben. „Das deutet darauf hin, dass die Bank versucht, sich durch Themen außerhalb ihres Kerngeschäfts als nachhaltig darzustellen, obwohl sie es möglicherweise nicht ist“, erläutert Ackenhausen. Wichtig sei dabei jedoch, zu überprüfen, wie das jeweilige Unternehmen mit den vorgestellten Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgehe. Denn wenn diese tatsächlich Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie seien, müsse es sich nicht zwingend um Greenwashing handeln. Könne man jedoch keine systematische Integration von Nachhaltigkeit in das Kerngeschäft erkennen, sei definitiv Vorsicht geboten. Eine selbstständige Überprüfung der Fakten sowie eine intensive Auseinandersetzung mit dem Geschäftsmodell einer Bank sind also essenziell, wenn es darum geht, Banken mit einem zweifelhaften Nachhaltigkeitsprofil zu meiden.