Robotik gegen Einsamkeit: Wie CORA mentale Gesundheit unterstützt
Einsamkeit ist laut der Bundeszentrale für politische Bildung längst kein Randphänomen mehr, sondern zieht sich mittlerweile durch die ganze Gesellschaft. Das hat Auswirkungen sowohl auf die psychische als auch die körperliche Gesundheit.
Hier kommt CORA ins Spiel. CORA ist als Begleit-Roboter für den Alltag gedacht, um in genau diesen Momenten Unterstützung zu bieten. Der Roboter mit weiblichem Erscheinungsbild möchte aufheitern, ohne, dass auf das typische Dopamin-Scrolling auf TikTok oder Instagram zurückgegriffen wird. Die Interaktion mit CORA erfolgt vollständig über eine App. Dort können Fotos und Texte hinterlegt werden, die der Roboter später zufällig auf seinem Bildschirm anzeigt, um positive Erinnerungen zu reaktivieren. Ergänzend dazu verfügt er über einen Modus, der Spaziergänge begleitet.
Drei Freundinnen mit einer Vision
Entwickelt wurde CORA von den Medieninformatik-Studentinnen Emily Benz, Johanna Menges und Marla Walczak, die das Roboter-Projekt auf der kommenden MediaNight der Hochschule der Medien vorstellen. Im Modul „Software-Projekt“ des Studiengangs ist die Umsetzung eines IT-Projekts eine verpflichtende Prüfungsleistung mit frei wählbarem Thema. Aufgrund ihrer Leidenschaft für alles, was mit Hardware und Informatik zusammenhängt, war dem Trio schnell klar, in welche Richtung ihr Projekt gehen sollte. Bereits im Vorjahr haben sie sich mit der Entwicklung eines digitalen Kleiderschranks beschäftigt, wollten bei CORA aber noch einen Schritt weiter gehen: „Der Plan war, dieses Mal etwas zu machen, das noch mehr auf Interaktion ausgelegt ist“, erklärt Emily.
Aktuell befindet sich die Entwicklung der App in ihren finalen Zügen, anschließend erfolgen die letzten Feinschliffe am eigentlichen Robotermodell. Dieses wird demnächst mit seinem Gesicht ausgestattet. Dass man bei solch einer technisch komplexen Umsetzung auf Hürden stößt, merkten die Studentinnen schnell. „Das Ganze hat uns doch mehr Zeit gekostet als ursprünglich geplant“, gibt Marla zu – auch der Umgang mit dem Roboter-Bausatz der Hochschule sei schwierig gewesen. Dennoch kommt der Spaß während des Projekts nicht zu kurz. Laut eigener Aussage begeistere die jungen Frauen das tägliche Ausprobieren neuer Ideen, und die gute Gruppendynamik habe auch die Freundschaft zwischen den dreien weiter ausgeprägt.
In Deutschland ist Einsamkeit seit der Corona-Pandemie ein immer häufiger auftretendes Problem, das zunehmend auch junge Erwachsene betrifft. 16 Prozent der deutschen Bevölkerung geben an, sich häufig einsam zu fühlen – eine Quote, die etwa 12,2 Millionen Menschen entspricht. (Quelle: Sozialbericht 2024 der Bundeszentrale für politische Bildung)
CORA richtet sich hauptsächlich an Menschen, die an Einsamkeit leiden und deswegen Aufmunterung benötigen. Dieses Konzept ist nicht neu – in den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Apps auf den Markt gebracht, die sich auf die Fahne schreiben, psychische Probleme von heute auf morgen beseitigen zu können.
Im Vergleich zum bereits vorhandenen Angebot an Mental-Health-Software soll CORA jedoch vor allem mit ihren vielen interaktiven Elementen glänzen. „Anders als die klassischen Apps befindet sich CORA eben nicht nur auf deinem Handy, sondern kann sich in der physischen Welt bewegen und mit dir interagieren“, erklärt Johanna stolz. Zudem steckt hinter dem Projekt auch kein milliardenschweres Unternehmen mit kommerziellen Absichten, sondern drei engagierte Studentinnen aus Stuttgart-Vaihingen. Somit kommt CORA vollständig ohne Werbung aus und muss sich keiner manipulativen Tricks bedienen, um potenzielle Nutzer möglichst lange in der App zu halten.
Wie es mit CORA weitergeht
Für die Zeit nach der MediaNight ist keine Weiterentwicklung der Hardware vorgesehen. Denn die Studentinnen haben für den Bau ein Kit der Hochschule verwendet, das im Anschluss an die Präsentation zurückgegeben werden muss. Denkbar wäre jedoch eine Umstrukturierung des Projekts mit Fokus auf die App, sodass CORA als eine Art digitales Haustier auf dem Handy fungiert.
Inwiefern das passiert, wird sich zeigen, aber sicher ist: CORA ist ein neuer Ansatz, Einsamkeit anzugehen und Robotik in den Alltag zu integrieren.
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