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Politik&Aktion

Pulitzer-Preis
Der Oscar der Journalist*innen

Für den Investigativjournalismus ist viel Recherche notwendig. | Bild: Franziska Anson

Pulitzer-Preis Der Oscar der Journalist*innen

Für den Investigativjournalismus ist viel Recherche notwendig. | Bild: Franziska Anson
 

23 Nov 2020

Den Pulitzer-Preis zu gewinnen ist der wohl größte Erfolg für Journalist*innen und Medienhäuser. Doch wer schafft es in diesen Kreis und welche Faktoren spielen entscheidende Rollen dabei?

Franziska Anson

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18 Monate Untersuchungszeit, 200 Seiten Steuererklärungen und 10.000 Seiten Finanzdokumente der Familie von Donald Trump: Das alles haben Russ Buettner und sein Team für die New York Times untersucht. Der mächtigste Mann der Welt soll in den Achtzigern ein Vermögen von insgesamt 413 Millionen US-Dollar von seinem Vater geerbt haben, präsentiert sich jedoch als Self-Made-Millionär. Dazu kommt noch der Vorwurf auf Steuerhinterziehung, welchen Trump ebenso bestreitet.

Genau für diese Enthüllung hat der amerikanische Investigativjournalist gemeinsam mit seinen Kollegen David Barstow und Susanne Craig von der New York Times 2019 den Pulitzer-Preis in der Kategorie “explanatory reporting” erhalten.

Buettner ist längst nicht der einzige Journalist, welcher sich Themen wie Steuerhinterziehung, Machtmissbrauch und Korruption in der Politik zuwendet. Nicht selten wird vor allem investigative Recherche mit einem Pulitzer-Preis honoriert. Es handelt sich um den wohl renommiertesten und bekanntesten Medien-und Journalistenpreis weltweit, der die Karrieren von Journalist*innen bedeutend beeinflussen kann. Der Preis ist nicht nur wegen des Preisgeldes in Höhe von circa 15.000 Dollar so begehrt, sondern vor allem, weil er einem Ritterschlag in der Welt der Journalist*innen gleichkommt. 

Doch wie sieht der typische Pulitzer-Preisträger aus und wie wichtig ist dessen Vernetzung innerhalb der Branche, um den Oscar der Journalist*innen zu gewinnen? Denn seit Jahren erfährt der Preis auch viel Kritik: Zu wenig Diversität und ein fragwürdiger Ursprung. Die Jury, bestehend aus US-amerikanischen Verleger*innen und Journalist*innen, beweise nicht genug Transparenz und gehe nicht mit der Zeit. Seit 1917 wird der Preis vergeben, doch erst im Jahr 2010 wurde die erste Online-Publikation honoriert. 

Untersucht wurden im Zeitraum 2014 bis 2019 108 Pulitzer-Gewinner*innen, bestehend aus Personen und Institutionen. Die sozialen Beziehungen untereinander wurden untersucht und in drei Kategorien aufgeteilt: 

1.   Twitter Kontakt

2.   Kooperationen

3.   Kollegen

Zudem wurden verschiedene Attribute untersucht, wie beispielsweise Alter, Ausbildung, Geschlecht, Anzahl gewonnener Preise und Nationalität. So entstand ein Netzwerk mit 1150 Beziehungen zwischen 85 Personen und 23 Institutionen. Der vollständige Datensatz inklusive eines Forschungsberichtes ist hier zu finden.

Der typische Pulitzer-Preisträger der untersuchten Jahre 2014 bis 2019 ist männlich, US-amerikanisch und zwischen 50 und 59 Jahren alt. Er hat ein abgeschlossenes Studium im Bereich Journalismus oder Sprachwissenschaften und nutzt Twitter für berufliche Zwecke, was sich bei Buettner daran zeigt, dass er hauptsächlich anderen Journalist*innen folgt. Denn über Twitter lassen sich Beziehungen nicht nur knüpfen, sondern auch pflegen. Allerdings entsprechen nur 6,5 Prozent der untersuchten Gewinner*innen diesem Profil, das sind sieben Personen: Buettner ist eine davon. 

Etwa acht Prozent der untersuchten Journalist*innen haben keinen Twitter-Account und sind auch schlechter vernetzt. Ihre Informationswege sind länger und sie befinden sich in größerer Abhängigkeit von den Kontakten, die sie haben. Eine vermutete technische Hürde lässt sich hier jedoch nicht bestätigen. Unter den zehn Gewinner*innen, welche keinen Twitter-Account haben, sind Personen zwischen 38 und 72 Jahren zu finden.  

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Der typische Pulitzer-Preisgewinner ist nicht nur männlich, sondern sehr deutlich männlich: 75 Prozent der Gewinner*innen der letzten sechs Jahre sind Männer, eine deutliche Tendenz. Dies lässt darauf schließen, dass Frauen in Führungspositionen im Journalismus immer noch unterrepräsentiert sind, auch wenn die Anzahl von Journalist*innen nahezu ausgeglichen ist. 

Schaut man sich dazu die Ausbildung der Gewinner*innen an, stellt man fest, dass fast die Hälfte von ihnen bereits früh ein entsprechendes Interesse zeigte und einen Studiengang in Richtung Journalismus, Sprachwissenschaften oder Literatur absolvierte. 

Russ Buettner ist in journalistischen Kreisen gut vernetzt. | Bild: Eigene Datenerhebung

Auch Buettner hat ein Journalismus-Studium absolviert und neben seiner Arbeit für die New York Times, mit welcher er auch den Pulitzer-Preis gewann, zuvor mit der New York Daily News zusammengearbeitet. Seit 2016 fokussiert er sich vor allem auf Donald Trump und dessen finanzielle Situation. Hier zeigt sich wieder einmal: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und wenn eine Rezeptur Erfolg verspricht, dann wird diese auch beibehalten. So arbeitet Buettner seitdem häufig mit Susanne Craig zusammen. In seinem Ego-Netzwerk ist sie direkt neben ihm zu erkennen, beide in der Nähe der New York Times, für die sie arbeiten. Eine Kombination, die erfolgsversprechend scheint, denn zusammen gewannen sie auch den Pulitzer-Preis im Jahr 2019. Zu diesem Zeitpunkt war er 57 Jahre alt und bestens auf Twitter vernetzt. Ein Profil, das wohl auch in Zukunft häufig auf dem Podium zu finden sein wird.