Hilfe für den Handel: Rettet Förderung kleine Läden?
Kleine, inhabergeführte Läden stehen unter Druck, denn der Onlinehandel wächst, Kosten steigen und das Kaufverhalten der Kundschaft ändert sich. Auch in Stuttgart bleiben diese Entwicklungen nicht ohne Folgen. Geschäfte schließen und Läden stehen leer. Als Reaktion auf diese Entwicklungen führte die Stadt Stuttgart im Jahr 2018 das Förderprogramm „Revitalisierung von Ladenlokalen“ ein. Das Programm richtet sich an Eigentümer*innen und Pächter*innen von Ladenlokalen in ausgewählten Stadtteilzentren. Ziel ist es, Leerstände zu reduzieren und bestehende Geschäftsstraßen zu stärken. Wie die Situation eines kleinen Ladens aussehen kann, zeigt ein Spielzeuggeschäft in Stuttgart.
Doch der Spielzeugladen ist kein Einzelfall. Viele kleine Geschäfte stehen vor ähnlichen Herausforderungen.
Viele Ursachen, ein Problem
Die Herausforderungen kleiner Geschäfte sind nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Vielmehr treffen mehrere Entwicklungen gleichzeitig aufeinander. Eine zentrale Rolle spielt der wachsende Onlinehandel, der das Einkaufsverhalten vieler Kund*innen verändert hat. Produkte sind rund um die Uhr verfügbar und lassen sich bequem von zu Hause aus bestellen. Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) hat sich der Online-Umsatz zwischen 2017 und 2026 nahezu verdoppelt und soll 2026 rund 96,3 Milliarden Euro erreichen. Hierzu kommt eine wirtschaftlich angespannte Situation. „Kunden sind weniger loyal, stärker preisorientiert und bevorzugen bequeme Einkaufsmöglichkeiten", so Jürgen Leinwand. Er ist stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) und Leiter der Stabstelle #NetzwerkStadtStuttgart.
Die Folgen zeigen sich in ganz Deutschland. Einige Geschäfte schließen, andere finden keine Nachfolger*innen. Laut Leinwand liegt das nicht immer an wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sondern oft daran, dass sich niemand findet, der den Betrieb übernimmt. Insgesamt schrumpft die Zahl der Geschäfte seit Jahren kontinuierlich.
Das Förderprogramm in Stuttgart unterstützt bauliche Maßnahmen, die Mängel in Ladenlokalen beseitigen oder eine neue Nutzung ermöglichen sollen. Dabei werden bis zu 35 Prozent der Kosten, maximal 50.000 Euro pro Projekt, übernommen. Interessierte können einen Förderantrag stellen, wie Marita Bitzer vom Amt für Stadtplanung und Wohnen in Stuttgart erklärt. Sie betreut das Förderprogramm. Anschließend prüfen Mitarbeitende der Stadt gemeinsam mit externen Baubetreuenden das Vorhaben. Über die Förderung entscheidet schließlich ein Beratungsgremium, dem neben Vertreter*innen der Stadtverwaltung auch die jeweiligen Handels- und Gewerbevereine angehören. Laut Bitzer wurden seit Einführung des Programms rund 40 Ladenlokale gefördert. 2021 erweiterte die Stadt die Förderrichtlinie auf weitere Gebiete. Hintergrund sei gewesen, dass das Programm angenommen wurde und weitere Stadtteile Interesse an einer Aufnahme geäußert hätten. Gefördert werden aber nicht nur bauliche Maßnahmen zur Modernisierung bestehender Läden, sondern auch neue Nutzungskonzepte. Als Beispiel nennt Bitzer eine Metzgerei in Weilimdorf, die einen 24/7-Automatenladen eingerichtet hat, um ihr Angebot auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten anbieten zu können.
Hilfe mit Grenzen
Aus Bitzers Sicht leistet das Programm einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Stadtteilzentren. Bitzer verweist darauf, dass durch die Förderung bereits Leerstände beseitigt und neue Nutzungskonzepte ermöglicht werden konnten. Gleichzeitig betont sie jedoch die Grenzen kommunaler Unterstützung. „Wir können finanziell Unterstützung leisten. Aber wir können keine Ladenlokale betreiben oder jemanden dazu bringen, ein Ladenlokal zu eröffnen", verdeutlicht Bitzer. Auch Leinwand sieht die Förderung als sinnvolle Unterstützung, bezeichnet sie aber gleichzeitig nicht als Allheilmittel. Die grundlegenden Herausforderungen des Einzelhandels könnten durch kommunale Maßnahmen allein nicht gelöst werden. Förderprogramme seien eine Möglichkeit, die Rahmenbedingungen zu verbessern und Leerstände zu reduzieren, könnten die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Geschäfte aber nicht garantieren. Hinzu kommt, dass nicht jeder Leerstand auf fehlende Unterstützung zurückzuführen ist.
Nach Angaben von Bitzer spielen unter anderem Eigentumsverhältnisse oder die Frage, ob sich überhaupt jemand findet, der ein Geschäft eröffnen möchte, eine Rolle. Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit sei die Bereitschaft, einen Laden zu übernehmen oder neu zu eröffnen, vielerorts zurückhaltend. Zudem steigen für viele Händler*innen die Kosten für Miete, Energie und Personal. Welche versteckten Kosten neben den offensichtlichen Ausgaben beim Betreiben eines Ladens anfallen, erläutert der Podcast.
Dass sich der Einzelhandel verändert, bedeutet nach Einschätzung Leinwands nicht, dass kleine Geschäfte zukünftig keine Rolle mehr spielen. Aber ihre Funktion werde sich verändern. Chancen sieht Leinwand insbesondere für Betriebe, die auf persönliche Beratung, individuelle Angebote und eine starke lokale Verankerung setzen. Gleichzeitig gewinnen digitale Angebote an Bedeutung. Erfolgreiche Konzepte verbinden häufig stationären Handel und Online-Präsenz miteinander. Dabei müsse nicht jedes Geschäft einen eigenen Onlineshop betreiben. Entscheidend sei oft bereits, dass Kund*innen Informationen online finden und mit dem Geschäft in Kontakt treten können. Auch die Rolle der Stadtteilzentren verändert sich. Nach Leinwands Einschätzung entwickeln sie sich zunehmend von reinen Einkaufsorten zu multifunktionalen Treffpunkten.
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Neben dem Einzelhandel gewinnen Gastronomie, Dienstleistungen und kulturelle Angebote an Bedeutung. Veranstaltungen und gemeinsame Aktionen können dazu beitragen, die Attraktivität der Standorte zu stärken und Besucher*innen anzuziehen. Langfristig wird der stationäre Einzelhandel daher voraussichtlich nicht verschwinden. Seine Rolle dürfte jedoch spezialisierter werden und Teil vielfältigerer Stadtteilzentren sein.
Ansätze für die Zukunft kleiner Läden
- Persönliche Beratung und individuelle Angebote
- Eine gute Online-Präsenz
- Die Verbindung von stationärem und digitalem Handel
- Kooperationen, Veranstaltungen und gemeinsame Aktionen im Stadtteil
- Neue Konzepte, die über den reinen Verkauf hinausgehen
Quelle: Jürgen Leinwand, stellvertretender Geschäftsführer, IHK Region Stuttgart
Förderprogramme können unterstützen und neue Entwicklungen anstoßen. Ob kleine Läden langfristig bestehen können, hängt letztlich davon ab, ob sie sich an die neuen Bedingungen anpassen.