Frühlingsfest 4 Minuten

Döner statt Geggele – Umsatzboom in Stuttgart

In der Mitte des Bilds ist eine Frau in einem Dirndl vor einem Dönerladen zu sehen, die einen Döner in ihren Händen hält. Auf der rechten Seite des Bilds sieht man eine Warteschlange. Auf der linken Seite nimmt gerade eine Frau einen Döner entgegen. Alles Personen auf dem Bild sind mit Dirndl oder Lederhose gekleidet.
Nach dem Besuch auf dem Frühlingsfest einen Döner essen – das schmeckt! | Quelle: Ellen Haertel
21. Mai 2026

Volle Bahnsteige, überfüllte Züge und ausgelassene Stimmung. Zur Zeit des Stuttgarter Frühlingsfestes ist das der Alltag am Bahnhof Bad Cannstatt. Das traditionsreiche Fest lockt Jahr für Jahr viele Menschen nach Stuttgart. Doch inwiefern profitieren umliegende Gewerbe und die Stadt selbst von dem Fest? 

Mitten im Getümmel in der Bahnhofsunterführung von Bad Cannstatt bildet sich eine lange Schlange vor dem dort gelegenen Dönerladen. Wer mit der S-Bahn auf Gleis Eins die Heimreise antritt, kann diesen kaum verfehlen. Dort geht ein Döner nach dem anderen über die Theke. Die Mitarbeitenden des Ladens arbeiten auf Hochtouren, um die leeren Mägen der Frühlingsfestbesuchenden schnellstmöglich zu füllen. Wer einen Döner bekommen hat, lässt sich diesen genüsslich schmecken. Sei es vor dem Laden selbst oder auf dem Weg zum Gleis. 

Wirtschaftsmotor Frühlingsfest

Über eine Million Besuchende kommen jährlich zum Stuttgarter Frühlingsfest. Damit hat das Fest einen großen Einfluss auf die Wirtschaft von Stuttgart. Das gilt insbesondere für den Handel und den Tourismus, bestätigt der Geschäftsführer der in.Stuttgart, Guido von Vacano. 

Was ist die in.Stuttgart?

Die in.Stuttgart ist die Veranstaltungsgesellschaft des Stuttgarter Frühlingsfestes. Die Gesellschaft hat sich vor etwa 20 Jahren gebildet, um alle städtischen Großveranstaltungen und Veranstaltungsflächen zu vereinen. Der Sitz der in.Stuttgart ist auf dem Festgelände „Cannstatter Wasen“ zu finden. 

Quelle: in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG

Grundsätzlich dürfe man laut der Leiterin der Stuttgart-Marketing GmbH, Andrea Gehrlach, den Wirtschaftsfaktor Tourismus nicht unterschätzen: „Wir haben in der Region Stuttgart im Jahr 2025 einen Gesamtbruttoumsatz von knapp 6,5 Milliarden Euro im Tourismusbereich gehabt.“ Stuttgart sei stark veranstaltungsgetrieben, weshalb Veranstaltungen wie das Frühlingsfest essenziell sind, um diesen Wirtschaftsfaktor zu erreichen. Davon profitieren das Gastgewerbe, die Gastronomie, der Einzelhandel und auch Dienstleistungen, wie zum Beispiel der ÖPNV.

„Wir haben in der Region Stuttgart im Jahr 2025 einen Gesamtbruttoumsatz von knapp 6,5 Milliarden Euro im Tourismusbereich gehabt.“
Andrea Gehrlach, Leiterin der Stuttgart-Marketing GmbH

Insbesondere die Hotellerie kann sich zum Zeitpunkt von Großveranstaltungen in Stuttgart über erhöhte Übernachtungszahlen freuen. Von Vacano erläutert, dass die in.Stuttgart gezielt große Fachmessen in den Zeitraum des Stuttgarter Frühlingsfestes plant. Diese Strategie biete vor allem für internationale Gäste ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. 

Große Veranstaltungen locken Übernachtungsgäste nach Stuttgart. | Quelle: Stuttgart-Marketing GmbH | Grafik: Ellen Haertel

Bei einer Umfrage der Stuttgart-Marketing GmbH zur Übernachtungswirkung von freizeittouristischen Veranstaltungen haben 39 Prozent der befragten Gastgewerbe die Wirkung als hoch eingestuft. Damit liegt das Stuttgarter Frühlingsfest hinter dem Cannstatter Volksfest auf Platz zwei. Dennoch kann man nicht konkret zuordnen, wie viele Übernachtungsgäste nur für das Frühlingsfest anreisen, klärt Gehrlach auf. 

Umsatztreiber Frühlingsfest

Während der Zeit des Frühlingsfestes weist die Jugendherberge Neckarpark, die nahe dem Festgelände liegt, eine hohe Auslastung auf. Der Leiter der Jugendherberge, Helge Dörr, berichtet, dass zu der Zeit auch der Umsatz steigt. Die Jugendherberge erhöht zwar nicht die Zimmerpreise, aber das Drumherum-Geschäft boomt. 

Die Übernachtungsgäste genehmigen sich vor dem Gang auf das Frühlingsfest Getränke an der hauseigenen Bar oder danach ein Wasser oder Sandwich. Durchschnittlich bleiben die Gäste in der Jugendherberge für zwei Nächte. Vor allem am Wochenende ist diese Besuchslänge beliebt. 

Das Frühlingsfest bringt für die Jugendherberge aber auch Herausforderungen mit sich. Zum Beispiel wird zu dieser Zeit ein Sicherheitsdienst eingestellt, um die Mitarbeitenden der Jugendherberge zu entlasten. Außerdem buchen während der Frühlingsfestzeit vermehrt Einzelpersonen beziehungsweise Kleingruppen eine Übernachtungsmöglichkeit. Das bedeutet für die Mitarbeitenden an der Rezeption, dass sie mehr Check-ins haben als sonst. Deshalb wird an Tagen, an denen die Jugendherberge einen Ansturm erwartet, die Rezeption doppelt besetzt. Die dadurch verursachten erhöhten Personal- und Sicherheitskosten zahlen sich laut Dörr jedoch wieder aus. 

„Vor allem die Wochenenden sind immer ein Jahr vorher ausgebucht.“
Helge Dörr, Leiter der Jugendherberge Neckarpark

Es steigt nicht nur der Umsatz, sondern die Übernachtungen in diesem Zeitraum sind auch sicher und planbar. Dörr erklärt: „Vor allem die Wochenenden sind immer ein Jahr vorher ausgebucht.“ Die Jugendherberge Neckarpark müsse also für die entsprechende Zeit kaum Marketing betreiben. 

Die Jugendherberge finanziert sich außerhalb der Frühlingsfestzeit durch Klassenfahrten. An verlängerten Wochenenden geht es in der Jugendherberge also normalerweise ruhig zu, weil an diesen keine schulischen Veranstaltungen sind. Wenn jedoch ein Feiertag in den Zeitraum des Frühlingsfestes fällt, zum Beispiel der „Tag der Arbeit“ am ersten Mai, profitiert die Jugendherberge. Statt mit Schulklassen ist sie dann mit Frühlingsfestgästen gefüllt und kann dementsprechend, trotz Feiertag, Umsatz generieren. 

Tourismusmagnet Frühlingsfest

Über 4,2 Milliarden Euro des Gesamtbruttoumsatzes im Tourismusbereich wurden 2025 durch Tagestourismus generiert. „Ein Tagesgast in der Region Stuttgart gibt grundsätzlich statistisch um die 40 Euro aus“, sagt Gehrlach. Die in.Stuttgart rechnet bei den Gästen des Frühlingsfestes mit einem höheren Tagessatz. Genaue Zahlen ließen sich diesbezüglich aber nicht nennen. 

Die umliegenden Gewerbe profitieren sowohl von den Übernachtungsgästen als auch von den Tagestouristen. Der Abteilungsleiter der Bereiche „Eigenveranstaltungen und Feste“ bei der in.Stuttgart, Christian Eisenhardt, erläutert, dass der Konsum der meisten Gäste über die üblichen zwei Maß auf dem Frühlingsfest hinaus gehe. Es wäre möglich, dass die Gäste davor in der Innenstadt shoppen oder sich etwas am Bahnhof kaufen. Darüber hinaus reisen die meisten Frühlingsfestbesuchenden mit dem ÖPNV zum Festgelände. Davon profitiere dann die Stuttgarter Straßenbahn AG. 

Das Frühlingsfest wird im Gegensatz zum Cannstatter Volksfest im Herbst eher regional vermarktet. „Das Fest steht als Fest und gilt eigenständig als Reise- oder Besuchsanlass“, erklärt Gehrlach. Der Tagestourismus überwiegt dementsprechend.

Mit dem Strategieplan der Stuttgart-Marketing GmbH für das Jahr 2027 wird das Ziel gesetzt, den Freizeittourismus weiter auszubauen. Darin wird das Frühlingsfest eingeschlossen. Auch wirtschaftlich gesehen besteht ein Interesse der in.Stuttgart und der Stadt selbst daran, das Frühlingsfest größer zu vermarkten. Um sich gegenseitig zu stärken, solle dafür eine gemeinsame Kommunikationsstrategie entwickelt werden. Auch ein zeitgleicher Vermarktungsstart und eine einheitliche Vermarktungsplattform wären laut Von Vacano von Vorteil. Jedoch sei ein groß aufgerolltes Branding aktuell aus Budgetgründen nicht möglich. 

Vorteilnehmer Kleingewerbe

Metin Celebi ist der Besitzer des Dönerladens Miko in der Cannstatter Bahnhofsunterführung. Auch er merkt während der Zeit des Frühlingsfestes eine Steigerung des Umsatzes. Celebi erzählt: „Am Wochenende machen wir dreimal so viel Umsatz“. Unter der Woche verdopple sich der Umsatz. Sobald Celebi von einer großen Veranstaltung in Bad Cannstatt erfährt, bereitet er den Laden auf einen Ansturm vor. Beispielsweise bestellt er einen größeren Dönerspieß und mehr Salat, um für die zahlreichen Kunden nach den Frühlingsfestbesuchen gewappnet zu sein. 

Die Schlange vor dem Dönerladen wird kürzer, die Bahnhofsunterführung leert sich und die letzten Döner gehen über die Theke. Ein weiterer umsatzreicher Tag endet für die Mitarbeitenden des Ladens. Am nächsten Tag müssen sie um elf Uhr wieder hinter der Theke stehen und die Lieferung entgegennehmen. Trotz der stressigen Arbeitszeit freuen sie sich auf die folgenden Tage und die vielen Frühlingsfestbesuchenden, die sich nach ausgiebigem Feiern einen Döner bei ihnen gönnen.