Kultur&Gesellschaft

Freiwilligenarbeit
Internationales Ehrenamt in Deutschland

Samantha Nürnberg engagiert sich ehrenamtlich als Deutschlehrerin für geflüchtete Frauen. | Bild: Marie Starzmann

Freiwilligenarbeit Internationales Ehrenamt in Deutschland

Samantha Nürnberg engagiert sich ehrenamtlich als Deutschlehrerin für geflüchtete Frauen. | Bild: Marie Starzmann
 

29 Nov 2022

Gegen Brände, in der Pflege oder für Integration: Rund fünfzehn Millionen Deutsche engagieren sich derzeit für das Gemeinwohl – ohne Bezahlung. Trotz staatlicher und privater Unterstützung werden mehr Freiwillige im In- und Ausland gebraucht.

Marie Starzmann

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Im Jahr 1985 haben die Vereinten Nationen den „Internationalen Tag des Ehrenamtes“ beschlossen. Zu diesem Anlass wird jährlich am 5. Dezember das Engagement von Helfer*innen geehrt. Ehrenämtler*innen helfen in teilweise lebenswichtigen Situationen und entlasten im Alltag das soziale System. Dadurch nimmt die Freiwilligenarbeit weltweit einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft ein.

Der „Internationale Tag des Ehrenamtes“ wirft auch die Fragen auf: Wer fördert (inter)nationales Ehrenamt? Und wie wird es über Ländergrenzen hinweg gesichert? Auf staatlicher Ebene unterstützt die deutsche Regierung ehrenamtliche Projekte im In- und Ausland. Die Maßnahmen reichen von Informationskampagnen bis hin zu Preisverleihungen.

Außerdem ehrt der Bundespräsident jährlich das Engagement von freiwilligen Helfer*innen mit einer Rede inklusive Ordensverleihung.

„Der Tag des Ehrenamtes gehört für mich zu den Anlässen, die mir besonders am Herzen liegen.“ – Frank-Walter Steinmeier bei der Ordensverleihung für Ehrenämtler*innen 2021

Auf internationaler Ebene hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Projekt „weltwärts“ entwickelt. Über das Programm können junge Menschen einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Ausland absolvieren, beispielsweise bei einer Klinik in Gambia als Krankenpfleger*in.

Nicht nur der Staat unterstützt ehrenamtliche Initiativen. Auch politisch unabhängige Vereine bieten Einsatzmöglichkeiten für engagierte Helfer*innen auf Landesebene und an Standorten weltweit. Einer dieser Vereine sind die Malteser. Die Hilfsorganisation agiert an deutschen Standorten als Malteser Hilfsdienst e.V. und auf globaler Ebene als Malteser International (MI). Ein Ehrenamt bei Malteser übt auch Samantha Nürnberg aus. Sie engagiert sich, neben ihrem Hauptberuf, als Deutschlehrerin für geflüchtete Frauen.

Ehrenamt und Hauptberuf: Wie funktioniert das?

Die Aufgaben der Freiwilligen erweisen sich vor allem in Krisenregionen als anspruchsvoll. Oliver Hochedez von der Nothilfeabteilung (MI) erklärt, dass für Auslandseinsätze ein Pool von Ehrenämtler*innen bereitstehe. Sie seien speziell für die Arbeit in Schadensgebieten geschult. So haben etwa ehrenamtliche Helfer*innen bei der Explosion in Beirut schnell vor Ort Lebensmittel und Hilfsgüter verteilen können. 

Egal ob privat oder staatlich: Die Organisationen sind sich einig, dass das Ehrenamt einen essenziellen Bestandteil für die humanitäre Hilfe weltweit darstellt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betont auf seiner Website: „Die öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, sowie die privaten Hilfsorganisationen bedürfen dieses ehrenamtlichen Engagements, um ihren Auftrag in der Gesellschaft erfüllen zu können.”

Auch Betroffene bei globalen Konflikten benötigen Unterstützung. Naturkatastrophen zwingen sie beispielweise zur Flucht aus ihrer Heimat. „Überall dort ist Hilfe für die Menschen notwendig und das kann nur durch ein funktionierendes Ehrenamt von einer Gesellschaft getragen werden,“ sagt Oliver Hochedez.

Arbeiten für das Gemeinwohl ist somit keine rein nationale Angelegenheit. Allein in Europa übernehmen etwa einhundert Millionen Menschen ein Ehrenamt. Rund fünfzehn Prozent davon sind deutsche Ehrenämtler*innen, nach einer Befragung der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse 2022. Dabei gibt der Deutsche Freiwilligensurvey 2019 an, dass ehrenamtliche Tätigkeiten weiterhin gefragt sind. In Deutschland sei die Freiwilligenquote in den letzten 20 Jahren konstant angestiegen. Beliebt ist vor allem die Arbeit in den Bereichen Sport und Kultur.

Der „Internationale Tag des Ehrenamtes“ – hinter diesem Tag steckt die Arbeit von vielen Freiwilligen in staatlichen und privaten Hilfsorganisationen, welche weltweit vernetzt arbeiten. Obwohl sich immer mehr Menschen ehrenamtlich engagieren, sei der Bedarf an freiwilligen Helfer*innen unvermindert hoch, betont Oliver Hochedez. Damit die Ansprüche gedeckt werden, benötigt die Freiwilligenarbeit auch in Zukunft die Förderung von öffentlich-rechtlichen und unabhängigen Instanzen.             

Dieser Beitrag ist Teil des Dossiers Internationaler Tag des Ehrenamtes. Der Artikel „Ehrenamt – ein schweres Amt“ beinhaltet, ergänzend zu diesem Beitrag, interessante Fakten zum Ehrenamt und einen Podcast darüber, wie sich Interessierte engagieren können.