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Eine unerwartete Reise ins moderne Frauenbild

In dem Buch "der kleine Hobbit" und den dazugehörigen Kinofilmen gibt es einige Unterschiede, der auffälligste sind die weiblichen Charaktere. | Bild: Jasmin Setz

Bestseller Eine unerwartete Reise ins moderne Frauenbild

In dem Buch "der kleine Hobbit" und den dazugehörigen Kinofilmen gibt es einige Unterschiede, der auffälligste sind die weiblichen Charaktere. | Bild: Jasmin Setz
 

17 Dec 2020

John Ronald Reuel Tolkiens Werke sind weltbekannt in der Fantasy-Literatur. Charakteristische Frauenfiguren, die wesentliches zur Handlung beitragen können, sucht man in seinen Büchern allerdings vergebens.

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„In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit.“ 
Dies war der sagenhafte Beginn des 310 Seitigen Klassikers „der kleine Hobbit“, der mittlerweile zu den zehn meistverkauften Romanen aller Zeiten gehört. J.R.R. Tolkien schrieb das Buch ursprünglich als Kindergeschichte für seine Söhne. Dieses wurde dann 1937 veröffentlicht. Tolkien erweitere die ursprüngliche Geschichte vor der Veröffentlichung nochmal etwas, allerdings nicht um seine aktiven weiblichen Rollen. Denn wusstest du, dass in dem Buch von J.R.R. Tolkien gar keine sprechenden Frauen vorkamen, sondern diese erst von dem Regisseur Peter Jackson nachträglich hinzugefügt wurden? Die schon raren weiblichen Charaktere, die im Buch genannt werden, erfüllen einzig und allein den Zweck, die Hauptfiguren und die Vorgänger der Geschichte miteinander zu verbinden. Aus der heutigen Zeit betrachtet, steht es an dieser Stelle schlecht um die Gleichberechtigung und gar die Frauenquote. Bei der Tatsache, wenige aktive weibliche Charaktere zu involvieren, spiegelt sich auch die Frauenrolle der dreißiger Jahre wieder. Denn dieses Jahrzehnt war ein großer Rückschritt in emanzipatorischer Hinsicht, da Frauen hier wieder eine altmodische und traditionelle Rolle einnehmen sollten. Dadurch, dass der Nachwuchs ausblieb und die Gesellschaft sich immer weiter in Richtung Diktatur bewegt hat, wurden der Frauenbewegung so Steine in den Weg gelegt. Man darf also hinsichtlich der Frauenrolle auch nicht vergessen, dass das Werk von einem leicht angestaubten Englischprofessor verfasst wurde, der klassische Ansichten vertrat. Ob das aber wirklich Tolkiens Gesellschaftsverhältnis widerspiegelt oder er nur eine mittelalterlich anmutende Welt darstellt ist an dieser Stelle fraglich.

Sagen, Mythen und eine Schöpfungsgeschichte

Dafür aber erdachte sich Tolkien eine außergewöhnliche Schöpfungsgeschichte, in dem er eine ganze Welt erschuf und Kontinente, Gebirge, Ozeane sowie Siedler dafür benannte. Somit war es dann „schon” geschehen und er läutete die Geburtsstunde von Mittelerde ein. Allmächtige Götter, spitzohrige Elben, verschlagene Menschen und streitlustige Zwerge – das alles sind Völker und Lebewesen der Mythenwelt Mittelerdes. Aber auch die langsamen Baumwesen, garstigen Orks, feurigen Drachen, mächtigen Zauberer machen die Schöpfungsgeschichte perfekt.

Nicht zu vergessen sind natürlich jene Figuren, die dem Autor Tolkien am liebsten waren und die Geschichte vervollständigen: die Hobbits. Denn Tolkien beschrieb sich in allem, bis auf die Größe, selbst als Hobbit und hatte so gewisse charakteristische Merkmale mit ihnen gemeinsam. So galt er auch als naturverbundener, genussvoller Pfeifenraucher, der auch gerne dekorative Westen trug. Das Buch handelt von dem Hobbit Bilbo Beutlin, der von dem Zauberer Gandalf aus seinem idyllischen Leben gerissen wird und mit 13 Zwergen einige Abenteuer erlebt, die sie durch die Landschaften Mittelerdes führen und auf unterschiedliche Kreaturen und Völker wie Trolle, Elben und Orks, antreffen lassen. Das Ziel der Zwerge ist es, den Drachen Smaug aus ihrem Land zu vertreiben und so ihre Heimat Erebor wieder zurück zu erobern.

In diesem Netzwerk wird deutlich, welche Charaktere untereinander verbündet sind. Insgesamt gibt es 516 Verbindungen mit 48 Akteuren. Den Großteil der Allianzen bilden Bilbo und seine Gefährten, während die Feinde nur einen kleinen Teil ausmachen.
Hier lässt sich erkennen, wie die Akteure miteinander befreundet sind. Es ist nicht zu übersehen, dass Bilbo und die Zwerge die größte Clique bilden. Dennoch haben sich zusätzlich weitere kleine Gruppierungen gebildet.

Die Einöde der Männer

So ein kurzes Buch in ca. acht Stunden Filmmaterial packen? Klingt unmöglich. Aber nicht für den Herrn der Dinge, Peter Jackson. Denn der Drehbuchautor und Regisseur verwandelte das relativ schmale Buch, in den uns nun allzu gut bekannten Dreiteiler. Dafür hatte Jackson zudem die Anhänge zur Verfügung, die Tolkien später niedergeschrieben hat, sodass unter anderem eine bessere Verbindung zwischen dem Hobbit und dem Herr der Ringe hergestellt werden konnte. Um aus dem Bestseller nun auch einen wahren Kinohit zu machen, fügte der Drehbuchautor Jackson neue Charaktere, sowie weitere Nebengeschichten hinzu. Ihm war es dabei aber immer wichtig, die Fantasie so real wie möglich darzustellen. Das führte dazu, dass Charaktere mit Beziehungen und Konflikten in den Film integriert wurden und dementsprechend auch weibliche Charaktere. So entwickelte sich auch die publikumswirksame Liebesgeschichte zwischen dem Zwerg Kili und der Waldelbin Tauriel. Die Elbin aus dem Düsterwald existiert nämlich gar nicht in dem literarischen Original. Das hat aber folgenden Vorteil: Der Zuschauer wird automatisch tiefer, also auch emotional, in die Handlung eingebunden. So bietet der Film das perfekte Kontrastprogramm: Eine Prise Angst und Spannung, gemischt mit Romantik. Zudem werden abstoßende Kreaturen wie die Orks durch die Liebe zwischen Tauriel und Kili direkt wieder wett gemacht. Funfact: Auch wenn ein paar Frauen in den Filmen zu sehen sind, gibt es kaum eine Szene, in der eine Frau mit einer anderen spricht. Lediglich die menschliche Familie von Bard zeigt eine Verbindung untereinander und mit Tauriel an.

In dieser Abbildung sieht man, wie die Geschlechterverteilung in einem Netzwerk dargestellt aussehen kann. Wir haben uns in diesem Fall auf die Verhältnisse aus den Filmen bezogen.

Vom Bestseller zum Kinohit

Zunächst hatte der Regisseur Peter Jackson im Sinn das Buch in zwei Hälften zu teilen, aber während den Dreharbeiten kam er schnell zu dem Entschluss: aus Zwei, mach Drei!

„It has been an unexpected journey indeed, and in the words of Professor Tolkien himself, "a tale that grew in the telling." – Peter Jackson

Somit eroberte der Bestseller gleichzeitig einen wahren Spitzenplatz der Kinocharts. Der erste Teil der Trilogie „eine unerwartete Reise“, der 2012 veröffentlichten wurde, befindet sich immer noch auf Platz 46 der erfolgreichsten Filme weltweit. Er überholte sogar an den Kinokassen die Herr der Ringe Filme "Die Gefährten” und „Die zwei Türme”. Die Hobbit-Trilogie spielte insgesamt über 2,465 Milliarden Euro ein. 

Auch wenn einem heutzutage die Frauenrolle in dem über 80 Jahre alten Buch zu denken gibt, hat sich „der kleine Hobbit” als Buch und Film zum wahren Klassiker und Goldschatz etabliert.

Basierend auf einer Netzwerkanalyse von:

Adriano Nocolosi, Alessia Guerrieri, Leonie Bacher, Katharina Becer, Jasmin Setz, Dilara Inceosman

Durchgeführt mit RStudio.

Daten einsehbar unter folgendem Link:

https://github.com/adrianonicolosi/hobbit_netzwerk