Anstößige Nachrichten gehören mittlerweile zur Tagesordnung auf Dating-Plattformen und Social Media. | Bild: Symbolbild Jasmin Setz

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How to NOT slide into someones DMs

Anstößige Nachrichten gehören mittlerweile zur Tagesordnung auf Dating-Plattformen und Social Media. | Bild: Symbolbild Jasmin Setz

22 Jan 2020

Tinder und Lovoo sind die bekanntesten Dating-Plattformen. Doch mittlerweile sind auch Instagram oder Snapchat zu solchen mutiert. Gerade anstößige Nachrichten kommen auf den Plattformen immer häufiger vor. Kim und Caro wollen mit ihrem Instagram-Account „antiflirting“ auf diese Problematik aufmerksam machen. Ich habe mit Kim gesprochen.

Jasmin Setz

Crossmedia-Redaktion
seit Sommersemester 2018

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Auf antiflirting werden Screenshots von anstößigen Nachrichten, die ihr von den Followern erhalten habt, gepostet. Wie kam die Idee zu antiflirting?

Die Idee habe ich zusammen mit einer Freundin entwickelt. Wir haben uns über Instagram kennengelernt und uns öfter über Themen wie Sexismus und Feminismus ausgetauscht. Irgendwann dachten wir dann, dass wir aktiv werden müssen. Wir haben uns über Screenshots und übergriffige Nachrichten auf Social-Media unterhalten und ob man diese posten könne.  

Wie viele Nachrichten bekommt ihr von den Nutzern?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal sind es zwei, manchmal 200 Nachrichten am Tag. Das ist sehr zeitaufwendig und es ist sehr nervenaufreibend, weil es ein krasses Thema ist, mit dem man täglich selber konfrontiert ist. 

Warum, denkst du, schreiben Männer anstößige Nachrichten?

Ich denke, einerseits aus Unwissen, denn viele Männer wissen nicht, ab wann sie bestimmte Grenzen überschreiten. Andererseits, weil sie einfach eine gewisse Macht ausnutzen wollen. Sie wollen die Macht über die Person haben, mit der sie gerade schreiben. Wenn man ein Bild von seinem Penis schickt, zwingt man die andere Person dazu, sich das anzuschauen. Der Rest, der so was verschickt, sind einfach Arschlöcher. 

Kann man rechtlich gegen anstößige Nachrichten vorgehen?

In Deutschland sind „Dickpics" strafbar. Nachrichten sind insofern nur strafbar, wenn sie gewaltandrohend sind. Sonst kann man die Nachrichten melden und den Absender blockieren. Aber das löst das Problem nur in dem Moment, jedoch nicht längerfristig. Denn selbst wenn die Person, die so was schreibt, gemeldet wird, kann sie sich ja trotzdem noch einen neuen Account erstellen.

Wie gehst du persönlich mit solchen Nachrichten um?

Bei mir kommt das immer ganz auf die Tagesform an. Manchmal blockiere ich die Leute nach der ersten Nachricht, manchmal diskutiere ich noch ewig mit ihnen und erkläre, was scheiße daran ist. Oder ich ignoriere die Nachrichten direkt. Ich habe aus dem Internet noch nie jemanden angezeigt, aber ich habe über antiflirting jemanden dazu ermutigt. 

Kim setzt sich für Frauenrechte und gegen Sexismus ein. | Bild: Valentin Schaaf

Was rätst du den Leuten, wie sie mit den Nachrichten umgehen sollen?

Ich will nicht pauschal sagen, was man machen soll. Es kommt immer auf die Nachricht an. Wenn diese gewaltandrohend ist, dann sollte man auf jeden Fall darüber nachdenken, das zur Anzeige zu bringen. Jedenfalls sollte man sich solche Nachrichten nicht gefallen lassen. Mit Freunden drüber zu reden, hilft auch. Einfach nicht allein damit bleiben.

Bekommt ihr auch Nachrichten von Männern, dass Frauen so was schreiben?

Ja, aber es sind tatsächlich wenige. Ich glaube, wir haben bisher vier Screenshots von den Nachrichten gepostet. Aber ich denke, das liegt nicht daran, dass Frauen so was nicht schreiben. Sondern ich glaube, das Problem ist, dass Männer so sozialisiert sind, dass sie es als cool und sexy empfinden müssen, wenn eine Frau so etwas schreibt. 

Welches Feedback bekommt ihr von den Followern?

Sehr viele haben uns schon geschrieben, dass sie noch nie über solche Nachrichten geredet haben und nur durch unsere Seite dazu animiert wurden. Dadurch haben sie gemerkt, dass sie nicht allein damit sind und sich deswegen nicht unwohl fühlen müssen. Bei so einem Feedback hat man dann schon das Gefühl, dass man was ändern kann. Zwar nicht im großen Kreis, aber bei einzelnen Individuen. 

Wie geht es mit antiflirting weiter?

Unser Kanal wurde schon zum zweiten Mal von Instagram gesperrt, weil er angeblich gegen die Richtlinien verstoßen hat. Seit ca. 3 Wochen bzw. einem Monat haben wir keinen Zugriff mehr auf den Kanal. Wir sind momentan relativ ausweglos, irgendwie bewegt sich gerade gar nichts. In kommender Zeit stehen noch einige Projekte an. Aber da müssen wir mal abwarten. Wir wissen aktuell auch nicht, ob die Seite irgendwann gelöscht wird. Aber wir überlegen uns gerade schon Alternativen, so haben wir zum Beispiel den Zweitkanal antiflirting2 eröffnet.

Was würdest du den Männern gerne sagen, die solche Nachrichten verfassen?

Würdet ihr so angesprochen werden wollen? Würdet ihr wollen, dass eure Freunde, eure Familie so angeschrieben, angesprochen und behandelt werden würden? Diese Menschen haben Gefühle und die dürft ihr nicht einfach zu eurem Vorteil ausnutzen, nur weil ihr gerade „horny“ seid. Das kann echt nachhaltig Menschen negativ beeinflussen.

Das verschicken von Dickpics ist laut §184 StGB strafbar. | Bild: Instagram: Antiflirting
Auch gegen Beleidigung kann man laut §185 StGB strafrechtlich vorgehen. | Bild: Instagram: Antiflirting
Direkte Fragen und Behauptungen als Gesprächseinstieg. | Bild: Instagram: Antiflirting

Wenn du wissen willst, wie es für Kim und Caro mit antiflirting weiter geht, dann kannst du dich auf dem Zweitkanal antiflirting2 informieren.