Andrés Mantra: "Early sleep, early rise, work your ass off, advertise!" | Bild: André Moll

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Andrés Mantra: "Early sleep, early rise, work your ass off, advertise!" | Bild: André Moll

08 Dec 2019

Was bringt einen Menschen dazu, sich gleich zweimal derselben Herausforderung zu stellen? André Moll ist Ende 20, als sein erstes Start-up scheiterte. Ein Interview über ungedeckte Kreditkarten und Karmakonten mit einem Stehaufmännchen, der eine Vita mit Höhen und Tiefen vorweisen kann.

Katharina Becer

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2019

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Wie kam es dazu, dass du dein erstes Start-up verlassen hast?

Wir waren zu dritt und es gab unterschiedliche Ideen. Als ich gemerkt habe, dass ich die anderen nicht überzeugen kann, habe ich meine Anteile abgegeben und bin ausgestiegen.

Wie hast du dich dabei gefühlt, als du das Handtuch geworfen hast?

Huiuiui. Die Firma war mein Baby. Als ich mich dazu entschied, zu gehen, musste ich an den Anfang zurückdenken. Ich habe drei Jahre meines Lebens von morgens bis abends die Firma nach vorne gebracht. Es war schon eine Wahl zwischen: treff ich jetzt die beste Entscheidung für mich oder soll ich auch berücksichtigen, was aus den anderen wird? Man fühlt sich, als lasse man die anderen im Stich. Um meine Gedanken zu sortieren und Abstand zu gewinnen, hab ich meinen Rucksack geschnappt und bin mit meiner Frau nach Zentralamerika, ansonsten bist du da zu stark emotional involviert. Das war alles sehr schwierig für mich.

 

"Ihr vergleicht euch nur mit einem, und das ist der, der ihr in zehn Jahren sein wollt." – André Moll, Gründer und Geschäftsführer von utry.me

Rückblick: André studierte VWL und absolvierte seinen Master in Entrepreneurship. Nach dem Studium war er von 2014 - 2017 Mitgründer von "Mycouchbox", einer Überraschungssnackbox.

Heute ist er seit 2018 Gründer und Geschäftsführer von www.utryme.com, dem ersten Online-Supermarkt ohne Preise.

Hattest du Existenzängste?

Nein. Ich wusste, dass eine existenzielle Bedrohung dann erst herrscht, wenn ich zu lange an der Firma festhalte. Während der Reise hatte ich dann einen Hallo-Wach-Moment. Wir wollten von Costa Rica nach Hause fliegen und der Flug ist ausgefallen. Ich habe auf meine Gehälter verzichtet, um der Firma nicht noch mehr zu schaden und war so tief im Minus, dass ich mir keinen Rückflug leisten konnte. Ich habe zu der Zeit schon entschieden, MyCouchbox zu verlassen und musste dringend nach Hause für ein Bewerbungsgespräch. Nachdem ich mit der Opodo Service-Hotline telefoniert habe, meinte der Mitarbeiter: "Herr Moll, Ihre Kreditkarte ist nicht mehr gedeckt. Ich kann diesen Flug nicht für Sie buchen." Ich habe dem netten Herrn meine Situation erklärt und ihm versprochen, dass ich das Geld zurückbezahlen werde. Letzten Endes hat er mir tatsächlich den Flug gebucht und ich habe mein Wort gehalten. Lieber Opodo-Mitarbeiter, wenn du das liest: DANKE! Wenn man nicht mal mehr in sein eigenes Land zurückfliegen kann, ist das schon krass.

"Am meisten Angst habe ich davor, dass ich mein Leben mit etwas verbringe, das mir keinen Spaß macht." | Bild: Katharina Becer

Wie ging es danach für dich weiter?

Um mein Karmakonto wieder aufzubessern, habe ich ein Jahr lang bei Greenpeace gearbeitet. Zu dieser Zeit habe ich ebenfalls an der Idee meines neuen Start-ups gebastelt.

Niemand scheitert gern. Trotzdem gehört das im Leben dazu. Aber warum gehen manche Menschen besser mit Niederlagen um, als andere? Henning Beck, Hirnforscher, hat die Antwort:

Hattest du Angst, das zweite Start-up zu gründen?

Am meisten Angst habe ich davor, dass ich mein Leben mit etwas verbringe, das mir keinen Spaß macht. Ein neues Start-up zu gründen, war in meinen Augen genau das Gegenteil davon.

Hast du dich in dieser schwierigen Zeit mit anderen verglichen?

Der Vergleich ist des Glückes Tod. Alle, die das hier lesen: Bitte vergleicht euch nicht mit anderen. Ihr vergleicht euch nur mit einem, und das ist der, der ihr in zehn Jahren sein wollt. Jedes Leben ist anders und das ist ein großer Fehler in der westlichen Welt. Ich glaube, das bringt sehr viel Unzufriedenheit.

Hast du dir jemals gewünscht, einen anderen Weg eingeschlagen zu haben?

Nein. Überhaupt nicht. In meiner Familie hieß es oft: "André, wir haben hier so tolle Firmen in der Umgebung. Geh doch dahin." Ich bin heute sehr zufrieden und ich weiß genau, wenn ich nicht durch diese harten Zeiten durchgegangen wäre, dann wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Welche drei Tipps kannst du Erfindergeistern mitgeben?

Erstmal: machen. Wenn's schief geht, dann macht man's nochmal, und zwar anders.
Zweitens: scheißegal, was passiert, niemals aufgeben! Schon gar nicht sich selbst.
Drittens: hab Spaß! Das ist dein Leben. Stell dir vor, du wachst morgens auf und bist gesund. Das ist ein Geschenk und du bist dazu verpflichtet, das Beste draus zu machen!

Kann man aber das Gehirn austricksen, um Niederlagen besser wegstecken zu können? Henning Beck erklärt: