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Wie gehen die Gen X und die Gen Z mit dem Thema Klimaschutz um? | Bild: Sina Kuonath

Kunst&Kultur Vergleich
Ist Klimaschutz Generationssache?

Wie gehen die Gen X und die Gen Z mit dem Thema Klimaschutz um? | Bild: Sina Kuonath

28 Jan 2021

Zwei Generationen, zwei Ansichten, zwei Lebensweisen. Ein Eindruck, der sich über die Jahre gefestigt hat. Ist er berechtigt? Ein Blick hinter die Klischees und Vorurteile der Generationen X und Z, mit dem Schwerpunkt Klimaschutz.

Luisa Käppele

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
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David Schober


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Von den Babyboomern erzogen und zwischen 1965 und 1979 geboren, das ist die Generation X. Das angebliche Gegenstück – die Generation Z. Zwischen 1995 und 2010 geboren und von Medien geprägt. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Besonders beim Klimaschutz wirft die Gen Z der Gen X einen ineffizienten Umgang mit dem Thema vor. Ein Blick in die verschiedenen Alltagsbereiche der Generationen soll Klarheit bringen.

Mobilität

Mobilität ist ein Bereich, der viel Kohlenstoffdioxid verursacht. Unterschiede zwischen den Generationen entstehen bei der täglichen Verkehrsmittelnutzung. Mit steigendem Alter nimmt auch die Nutzung von Autos zu. Die Männer der Gen X sind durchschnittlich 47 Kilometer am Tag mit dem Auto unterwegs. Alle Verkehrsmittel eingeschlossen legen sie eine Strecke von 63 Kilometern am Tag zurück. 49 Kilometer legen die männlichen Vertreter der Gen Z am Tag zurück. Davon fahren sie 31 Kilometer mit dem Auto. Im Vergleich zu den Männern sind Frauen in der Regel nicht so mobil. Die Abweichungen zwischen den Altersgruppen lassen sich einfach erklären. Mit zunehmendem Alter ist es immer wahrscheinlicher eine gut bezahlte Führungsposition zu haben. Denn knapp die Hälfte der zurückgelegten Strecke hat mit der Berufsausübung zu tun. Gerade Personen mit Dienstwagen legen bis zu 91 Kilometer am Tag zurück. 

Die Autonutzung steigt mit zunehmendem Alter. Mit dem Eintritt in das Rentenalter sinkt die Autonutzung. | Bild: David Schober

Ein Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Demografie. In Deutschland leben mehr ältere Menschen als jüngere. Etwas mehr als 21 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge sind ein SUV. Wenn 21 Prozent der Generation Z und 21 Prozent der Generation X einen SUV fahren, ist die Menge an älteren SUV Fahrern höher. Daher kann der Eindruck entstehen, dass sich ältere Menschen weniger Gedanken um die Umwelt machen.

Seit 1950 ist der Anteil der Personen unter 40 in Deutschland um etwa zehn Prozentpunkte gesunken. Die deutsche Bevölkerung altert also deutlich. | Bild: David Schober

Aktivismus

Egoismus, Interessenlosigkeit, ausgeprägtes Konsumverhalten: Diese Eigenschaften werden der Gen X oft von der politisch interessierten Jugend vorgeworfen. Laut Shell Jugendstudie 2019 sehen drei von vier Jugendlichen die Umweltverschmutzung als eines der größten Probleme unserer Zeit an. Bei vielen steigt der Frust, dass die Gen X diese Ansicht angeblich nicht teilt und über „Fridays for Future“-Demonstrationen den Kopf schüttelt. Viele vergessen dabei, dass die 41- bis 56-Jährigen in der Vergangenheit für andere politische Ziele auf die Straße gegangen sind. Zum Beispiel den Mauerfall. Und schaut man genauer hin, erkennt man, dass die Gen X doch nicht so uninteressiert am Klimawandel ist. Laut Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach sind 19,3 Prozent der aktiven Umweltschützer*innen in Deutschland 50 bis 59 Jahre alt – die größte Altersgruppe. Unter „aktiven Umweltschützer*innen“ werden Leute gezählt, die sich für den Umweltschutz einsetzen und besonders daran interessiert sind. Die 14- bis 19-Jährigen machen 6,1 Prozent der Umweltschützer*innen aus, die 20- bis 29-Jährigen schon 13 Prozent. 

Konsumverhalten

Eng verbunden mit dem Umweltschutz ist das Konsumverhalten. Tierfrei, plastikfrei, bewusst und regional –  so würden wohl viele der Gen Z ihr Einkaufsverhalten beschreiben. Tatsächlich klaffen Wunsch und Wirklichkeit doch weiter auseinander. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultans. In Deutschland nahmen 1.024 Proband*innen teil. Von den jungen unter ihnen versucht nur ein kleiner Teil (11 Prozent) den Plastikverbrauch zu reduzieren – ein eindeutiger Widerspruch. Ähnlich sieht es bei der Reduzierung des Mülls aus. Nur 16 Prozent versuchen das Abfallaufkommen zu reduzieren. Grund dafür ist allerdings, dass die Gen Z inzwischen andere Konsumstandards und Auffassungen hat. Während die Gen X den Verzicht auf Einwegbecher noch als Teil der Lösung bezeichnen würden, ist das für die Gen Z schon längst zur Gewohnheit geworden.

Wunsch und Wirklichkeit – das Konsumverhalten der Gen Z. | Bild: Sina Kuonath

Einige Ansichten teilen Gen Z und Gen X jedoch: Sie legen beim Einkaufen Wert auf die Qualität und Regionalität eines Produkts. Dabei spielt weniger der Preis eine Rolle, sondern die Herkunft der Produkte. In beiden Generationen lässt sich ein Hang zu Fair Trade und regionalen Produkten erkennen. Außerdem spielen die Ethik und Wertschöpfung eine große Rolle. 

Wohnen

Wohnen ist neben der Mobilität und der Ernährung der Konsumbereich, der der Umwelt am meisten schadet. 2019 verursachte das Wohnen in Deutschland weit mehr als 100 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Das entspricht ungefähr 12,5 Prozent des Gesamtausstoßes 2019. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt die Wohnfläche privater Haushalte im Jahr 2018. Im Durchschnitt liegt sie bei 93 Quadratmetern. Unterschiede ergeben sich mit dem Alter. Haupteinkommenspersonen unter 25 Jahren lebten auf durchschnittlich weniger Wohnfläche als diejenigen von 45 bis 65 Jahren. Als Haupteinkommenspersonen zählen diejenigen ab 18 Jahren, die den höchsten Beitrag zum Haushaltsnetto­einkommen leisten. Das bedeutet, dass Kinder oder Volljährige, die im Elternhaus wohnen, selten als Haupteinkommensperson zählen. Möglich ist, dass Wohngemeinschaften die durchschnittliche Wohnfläche der unter 25-Jährigen vergrößern. Die größere Wohnfläche der Personen von 25 bis 65 Jahren ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Kinder mit im Haushalt wohnen. Die Wohnfläche hängt jedoch nicht nur vom Alter, sondern auch vom monatlichen Haushaltsnettoeinkommen ab. Personen mit einem monatlichem Haushaltsnettoeinkommen von unter 900 Euro leben auf halb so großer Wohnfläche wie diejenigen mit 3.200 bis 4.500 Euro. Je höher das Einkommen, desto größer die Wohnfläche. Wohnen ist also nicht nur vom Alter, sondern auch vom Einkommen abhängig. Und das ist in vielen Fällen altersabhängig.

So viel Wohnfläche steht je nach Altersgruppe zur Verfügung. | Bild: David Schober

Die Unterschiede zwischen der Gen X und der Gen Z sind also nicht immer so groß wie vermutet. In beiden Gruppen gibt es Personen, die sich für ein bewusstes Leben einsetzen, und solche, die es nicht tun. Ein Teil der Unterschiede geht darauf zurück, dass ältere Menschen in der Regel mehr Geld verdienen und daher einen anderen Lebensstil pflegen. Durch die größere Präsenz der älteren Generation im Alltag fallen negative Unterschiede zwischen den Generationen schneller auf und das klimaschädliche Verhalten der Gen X fällt stärker ins Gewicht. Deshalb haben vermutlich beide Generationen auch in Zukunft weiterhin mit Vorurteilen zu kämpfen, aber oftmals lohnt sich auch ein Blick dahinter.

Noch mehr spannende Beiträge rund um die Gen Z, sowie unser Video zum Umgang der Generationen mit dem Klimaschutz, findest du auf der Instagramseite „explaning generation Z“.

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