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Podcast-Boom
Das Geheimnis der erfolgreichsten Podcaster*innen

Jede*r hat die Möglichkeit, Podcasts auf Streamingplattformen zu publizieren. | Bild: Lola Schiel

Podcast-Boom Das Geheimnis der erfolgreichsten Podcaster*innen

Jede*r hat die Möglichkeit, Podcasts auf Streamingplattformen zu publizieren. | Bild: Lola Schiel
 

22 Nov 2021

„Und welchen Podcast hörst du?“ Eine Frage, auf die viele von uns eine Antwort parat haben. Schließlich gibt es heute zu jedem Thema das passende Format. Trotzdem schaffen nur wenige den großen Durchbruch. Aber wer steckt eigentlich hinter den Top-Podcaster*innen?“

Alisa Rathke

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Ganz egal, ob während einer Bahnfahrt, dem Kochen oder Duschen, eine Studie von YouGov zeigt: Menschen aus aller Welt können dabei stundenlang anderen zuhören, und zwar über sogenannte Podcasts. Tendenz steigend –  2018 gaben ein knappes Viertel der Befragten einer forsa-Studie an, ab und zu Podcasts zu hören, heute sind es schon 38 Prozent. Auf die aktuelle Einwohnerzahl Deutschlands gerechnet entspräche das etwa 50 Millionen Menschen.

Während Millionen von Hörer*innen täglich auf Play drücken, versuchen andere selbst in der Podcast-Branche durchzustarten. Doch wer sind eigentlich die Big-Player unter den Quasselstrippen? Sieht man sich die Top Zehn Podcasts des Monats Juli 2021 genauer an, fällt auf, dass sich an der Spitze fast ausschließlich aus dem TV bekannte Persönlichkeiten tummeln. Ganz oben mit dabei sind die Podcasts „Gemischtes Hack“ von Tommi Schmitt und Felix Lobrecht, „Baywatch Berlin“ von Klaas Heufer-Umlauf, Jakob Lundt und Thomas Schmitt und das Duo Paulina Krasa und Laura Wohlers mit „Mordlust“. Welche Qualitäten braucht ein*e zukünftige*r Podcaster*in sonst noch, um einen Fuß in die Tür zum Erfolg zu bekommen? Um das Geheimnis hinter den erfolgreichsten Podcaster*innen zu lüften, haben wir in einer Netzwerkanalyse die Moderator*innen der Top Zehn Podcasts des Monats Juli 2021 genauer unter die Lupe genommen.

Gib mir Mord oder Comedy und ich hör dir zu!

Die Top-Zehn-Liste verrät: Entweder Comedians und Comediennes quatschen uns das Ohr ab oder ein Mord wird aufgeklärt. Sieben der untersuchten Podcasts werden von  Comedy-Größen aus TV-Shows oder YouTube-Stars mit Millionen von Abonnenten moderiert, wie etwa Rezo. Zudem ist die Comedyszene nicht nur innerhalb der Podcast-Charts eher frauenarm. So scheint es kein Wunder zu sein, dass die Unterhaltungsbranche auch im Medium Podcast von erfolgreichen Comedians dominiert wird. „True Crime“-Podcasts hingegen hören wir am liebsten von Frauen. Drei der zehn meistgehörten Podcasts handeln von echten Verbrechen – und fünf der sechs Moderator*innen dieser sind weiblich.

Traumberuf Podcaster*in

Nach dem Matthäus-Effekt verschafft die durch frühere Erfolge gewonnene Aufmerksamkeit Vorsprünge in neuen Metiers. Dieser Effekt lässt sich auch in der Podcast-Szene beobachten. Einige Moderator*innen waren bereits vor ihrem ersten Podcast berühmt und haben daher von Beginn der ersten Folge an eine große Fangemeinschaft von potentiellen Hörer*innen.

Erfolgreiche Personen bleiben erfolgreich – das kann doch nicht alles sein? Mit einem Blick auf die berufliche Ausbildung der Moderator*innen wird deutlich: Eine Ausbildung im Bereich Journalismus ist ebenfalls kein Garant für Erfolg. Denn unter den untersuchten Top Zehn Podcasts sind die Hälfte der Moderator*innen Quereinsteiger*innen.  Klaas Heufer-Umlauf startete seine Berufskarriere beispielsweise als Friseur und Özcan Cosar, Moderator von „1 Live Bratwurst“, wollte einst Zahnarzthelfer werden. Vor allem die Frauen unter den Top-Moderator*innen sind es, die vor dem Podcasting bereits ein Studium oder eine Ausbildung im Medienbereich absolviert haben. Dazu gehören beispielsweise die Moderatorinnen von „Mordlust“, Laura Wohlers und Paulina Krasa. Unter den öffentlich-rechtlich finanzierten Podcasts gibt es außerdem deutlich weniger Quereinsteiger*innen als bei den privat finanzierten.

Selbst nach intensiver Analyse des jeweiligen Werdegangs der Akteur*innen kommt man zu dem Schluss: Das beste Sprungbrett zum Traumberuf Podcaster*in ist eine bereits vorhandene Karriere als Comedian oder Comedienne, TV-Moderator*in oder Autor*in. Besonders das Format YouTube sticht hierbei hevor, da einige bekannte YouTuber*innen inziwschen erfolgreiche Podcaster*innen sind. Das beweist auch der Podcast von Bianca und Julian Claßen. Beide produzieren seit Jahren YouTube-Videos und haben inzwischen knapp sechs Millionen Abonnent*innen auf der Plattform. Sie verdanken ihre Position in den untersuchten Top Zehn Podcasts also vermutlich keinem Studium, sondern eher ihrer Berühmtheit.

Das Fernsehen als Vermittler

Auch die Vernetzung der Podcaster*innen mit Produktionsfirmen oder Verlagen wirkt sich auf die Anzahl der Hörer*innen aus. Eine starke, vermittelnde Rolle nimmt hierbei das Fernsehen ein. Podcaster wie Tommi Schmitt oder Klaas Heufer-Umlauf produzieren beispielsweise ihre eigene Fernsehshow und haben dort regelmäßig andere Podcast-Größen zu Gast. Ein Austausch unter den Podcaster*innen findet jedoch nicht nur im TV statt, sondern auch im Podcast selbst. Die Moderator*innen von „Mordlust“ waren zum Beispiel mehrmals bei anderen Formaten zu Gast, unter anderem bei „World Wide Wohnzimmer“. Sie führen aber auch Interviews mit Betroffenen der Mordfälle, die in den Folgen vorgespielt oder zitiert werden. So profitiert der*die Gastgeber*in von der Bekanntheit des Gastes und andersherum, wie in einer Art Aufmerksamkeits-Symbiose.

Der Erfolgreichste unter den Erfolgreichen

Doch gibt es auch einen Big-Player der Podcast-Szene? Jemanden, der so stark vernetzt in der Branche ist, dass er einen Newcomer an die Spitze katapultieren könnte? Unsere Untersuchungen zeigen: Klaas Heufer-Umlauf hat die stärksten Beziehungen zu anderen Podcast-Größen im Gesamtnetzwerk. Dies liegt vor allem an seinen vielen Fernsehauftritten und den Gastauftritten bei seiner Fernsehshow „Late Night Berlin“. Der TV-Sender mit den meisten Beziehungen zur Podcast-Szene ist ProSieben. Bekannte Formate wie „Das ist ja Claße(n)“ und „Baywatch Berlin“ werden von dem Privatsender mitproduziert.

Für viele scheint nun vielleicht der Traum vom erfolgreichen eigenen Podcast zu platzen. Dabei bestätigen Ausnahmen bekanntlich die Regel. Unsere Untersuchung basiert auf einer Momentaufnahme von Daten aus dem Juli 2021 und gilt nicht als repräsentativ für die gesamte Podcast-Szene. Wer also weder die erfolgreiche Comedy-Karriere in der Tasche hat noch gerne über Mord und Totschlag spricht, hat vielleicht trotzdem die eine Podcast-Idee bei der Tausende Hörer*innen auf Play drücken.

Dieser Artikel bezieht sich auf die Netzwerkanalyse der beruflichen Hintergründe der erfolgreichsten Podcast-Moderator*innen in Deutschland. Im Zuge dessen wurden die meistgehörten zehn Podcasts (Stand Juli 2021) und ihre Moderator*innen untersucht. Dazu wurden die Verbindungen zwischen den Akteur*innen untereinander  sowie deren Arbeitsbeziehungen und Auftritte in diversen Fernsehsendungen und anderen Medienformaten erforscht.

Alle erhobenen Daten sind auf Github hinterlegt.