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Sein karibisches Flair macht ihn besonders "instagramable": der Eibsee. | Bild: Alisa Rathke

#stopgeotagging Bitte nicht nachmachen!

Sein karibisches Flair macht ihn besonders "instagramable": der Eibsee. | Bild: Alisa Rathke
 

12 May 2021

Königssee, Eibsee, Schrecksee - "Bali-Feeling" in Deutschland. Das ist einen Tagesausflug wert. Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Immer dabei: das Handy. Angelockt durch Ortsmarkierungen von reiselustigen Influencer*innen geht es auf die Suche nach dem perfekten Fotospot.

Alisa Rathke

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020
CRSport und Gesundheit

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Vor allem junge Menschen nehmen ihr Smartphone überall mit hin. Ganz nach dem Motto: „Pics or it didn’t happen!“. Gibt's kein Bild, ist es nicht passiert. Vorbild dafür: Influencer*innen. Sie machen es vor und ihre Follower*innen? Die folgen natürlich. Das Ergebnis: überlaufene und vermüllte Naturgebiete, Wildcamping und Lärm.

Besonders Travelblogger*innen finden viele Nachahmer*innen. Aber es ist eben auch deren Job, schöne Orte zu zeigen und ihren Follower*innen diese schmackhaft zu machen, oder? Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn nicht die Natur darunter leiden müsste. Ein Opfer ist der Königssee in Bayern. Im Juni 2020 postete eine Bloggerin ein Drohnenfoto von einem Naturpool dort, was nicht ohne Folgen blieb. Abgesehen davon, dass Drohnen im Nationalpark Berchtesgaden verboten sind und das Schwimmen in der „Gumpe“ lebensgefährlich ist, machte sie den Park zum Hotspot. Für den Königssee bedeutete das, totgetrampelte Vegetation, Müll-Hinterlassenschaften und sogar illegale Lagerfeuer. Früher war der sogenannte Infinitiy-Pool nur über einen einzigen kleinen Weg erreichbar, heute sind es unzählige Trampelpfade. Um das in Zukunft zu verhindern und die Natur zu schonen, gibt es ab sofort ein Betretungsverbot rund um den Naturpool für vorerst fünf Jahre.

Wenn Geotags die Natur zerstören

Der Auslöser und damit das Hauptproblem ist das sogenannte „Geo-Tagging“. Oder auf Deutsch: Standortmarkierung. Naja, die könnte man in Zukunft ja einfach weglassen und schon wäre das Problem gelöst. Aber erklär das mal den Influencer*innen. Die machen das nämlich nicht ohne Grund. Laut einer Studie von Simply Measured ist die Interaktionsrate bei Beiträgen mit einem Geo-Tag um 79 Prozent höher als ohne. Sie bieten neben Hashtags einen weiteren Weg, Inhalte zu finden. Je größer die Reichweite des Beitrags, umso mehr Follower*innen generiert ein Account und desto mehr verdient ein "Content-Creator". Die Strategie dahinter ist laut des Videoproducers Marcin Zabinski, das Thema möglichst populistisch zu gestalten. Anders gesagt: der eigene Gewinn auf Kosten der Natur.

Aber wie stoppt man das? Es kann wohl schlecht am Eingang eines Naturparks jede*r Influencer*in aussortiert werden. So würden ihnen zwar die Mittel genommen, gleichzeitig aber auch ein großer Teil ihrer Freiheitsrechte. Ein richtiger und wichtiger Schritt wäre, einige Standorte als Geo-Tags zu sperren. Natürlich besteht auch weiterhin die Gefahr, dass die Orte in den Kommentaren preisgegeben werden. Das Ausmaß wäre aber wesentlich geringer, da die Location nicht direkt auf den ersten Blick ersichtlich ist.
Auch ein Fotoverbot in Naturparks einzurichten, ist eine Möglichkeit. Selbst wenn einige Menschen verbotenerweise fotografieren, sinken Anzahl und Reichweite der Bilder dennoch deutlich. Influencer*innen werden kaum in die Parks fahren, wenn mit dem Verbot der Grund ihres Trips wegfällt. Und mit einem Verstoß schneiden sie sich ja nur ins eigene Fleisch. Denn verbotene Fotos zu posten, bewirkt wohl eher das Gegenteil des erwünschten Effekts. Anstatt Likes, Reichweite und Followern gibt es Kritik, Unfollows oder sogar Bußgelder.

Die Vorbildfunktion nutzen!

Jede*r hat einen Einfluss auf die Umwelt, ob negativ oder positiv. Gerade deshalb sollte jede*r das eigene Verhalten in der Natur reflektieren. Auch Influencer*innen. Es ist positiv, dass ihr selbst und viel mehr Menschen durch eure Posts einen Blick für die Natur bekommen. Ihr könnt auch weiterhin schöne Orte entdecken, aber seid euch bitte eurer Vorbildfunktion bewusst und übertreibt es nicht mit den Standortmarkierungen.

Zu guter Letzt sei noch gesagt: auch wenn die Orte häufig „nur“ als Fotolocation dienen, zeigt das vor allem, dass es wunderschöne Orte in Deutschland gibt. Und bei den hohen Bildschirmzeiten heutzutage ist ein Ausflug in die Natur definitiv gesund. Frische Luft, weg von den Bildschirmen. Einfach mal offline bleiben, das Handy ausschalten und mit den Augen die Natur vor der Haustüre genießen. Damit die nicht mehr ganz so unberührte Natur wenigstens teilweise in ihrem Ursprung erhalten bleibt.

Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung: Hinweise auf das richtige Verhalten in der Natur. | Bild: Alisa Rathke