Menschen ohne Musik – geht das?
Laute Musik klingt durch meine Kopfhörer, während ich in der Küche am Kochen bin. Letzten Abend habe ich mal wieder Mamma Mia geschaut, also ist das Album auf Repeat. Amanda Seyfried, die Schauspielerin, singt mir beim Gemüseschneiden die Lieder vor und ich habe das Gefühl, auf der griechischen Insel zu sein. Mit ganzem Herzen singe ich mit, wohl wissend, dass ich keinen einzigen Ton treffe. Ich drehe mich um und – ah, meine Schwester steht vor mir! Wo kommt die denn her? Ich war doch allein zu Hause. „Du hast auch immer deine Kopfhörer im Ohr, oder? So viel Musik kann doch nicht gesund sein“, sagt sie durch die Lieder hindurch. Nebenher singt Amanda „Without a song or a dance, what are we?“, und genau das antworte ich meiner Schwester. Augenverdrehend läuft sie aus der Küche.
Die Lyrics des Songs „Thank You For The Music“ von ABBA bleiben bei mir hängen. Was sind Menschen ohne Musik? Heutzutage gibt es so viele verschiedene Musikrichtungen und Künstler, da ist für jeden etwas dabei. Wir alle finden unser Genre, unsere Alben und Lieder, die uns ansprechen und mit denen wir uns identifizieren können. Ein Teil unserer Persönlichkeit findet sich in unserem Musikgeschmack wieder.
In der Bahn, beim Autofahren, im Gym, egal wo man hinschaut, überall sind Menschen, die Kopfhörer in den Ohren haben. Ja, manche hören wohl doch Podcast, aber viele lassen sich von Musik begleiten. Wir haben Lieder, die wir hören, wenn wir fröhlich sind, Lieder, auf die wir zurückkommen, wenn wir niedergeschlagen sind und Lieder, die uns zur Ruhe kommen lassen.
Musik verbindet uns alle. Wir kommen zusammen, um sie gemeinsam zu spüren. Bei Konzerten, bei Festivals oder im Club. Es wird mitgesungen, wenn auch wie in meinem Fall nicht so gut, und es wird mitgetanzt. Bei jedem meiner Konzerte habe ich immer diesen einen Augenblick. Ich schaue mich in der Arena um. Reihen gefüllt mit Menschen, die ich noch nie gesehen habe. Vielleicht waren sie im bekannten Ticketmaster-War ja direkt vor mir. Ich weiß nichts über sie. Weder kenne ich ihre Namen noch weiß ich, wo sie herkommen. Aber diesen Moment, dieses Konzert, erleben wir gemeinsam. Und wenn sich unsere Wege am Ende der Nacht trennen, erinnern wir uns an dasselbe Erlebnis.
Für jeden bedeutet die Musik etwas ganz anderes, aber auf irgendeine Art und Weise versteht man sich dennoch. Und selbst wenn wir Lieder anhören, bei denen wir den Text nicht verstehen, ist das Gefühl, das die Musik vermittelt, trotzdem klar.
Alles ist Musik, Musik ist alles
ABBA – bei ihnen fangen doch alle an zu singen. Sobald Mamma Mia erklingt, sind alle wieder auf der Tanzfläche. Da schwingt auch meine Oma bei der Geburtstagsparty meines Onkels die Hüften. Jeder hat ein großes Grinsen auf dem Gesicht. „Thanks for all the joy they‘re bringing“ wird in „Thank You For The Music“ gesungen. Und ABBA-Lieder bringen uns auf jeden Fall Freude.
Aber nicht nur ABBA hat diesen Effekt auf uns. Ich könnte hier und jetzt gleich 5 verschiedene Künstler*innen aufzählen, die mich zum Mitsingen bewegen. Nicht dass dies bei mir sonderlich schwer ist … Na ja, ich bin der Überzeugung, dass jeder diese Laut-Stark-Mitsing-Künstler*innen hat. Und die bringen uns doch wirklich immer Freude! Denn, was wären wir wohl ohne Musik?
Dieser Beitrag ist Teil des Kolumnenformats „Der Sound unserer Zeit“. Weitere Folgen der Kolumne sind: