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Wassermanagement
In Augsburg fließt's!

Um die Trennung von Trink- und Brauchwasser zu sichern, wurde eine Wasserkreuzung am „Unteren Brunnenwerk“ errichtet. | Bild: Lina Quotschalla

Wassermanagement In Augsburg fließt's!

Um die Trennung von Trink- und Brauchwasser zu sichern, wurde eine Wasserkreuzung am „Unteren Brunnenwerk“ errichtet. | Bild: Lina Quotschalla
 

20 May 2021

Kanäle, Wasserwerke und mehr Brücken als Venedig – Augsburgs Wassermanagement-System versorgt die bayerische Stadt schon seit dem Mittelalter mit Trink- und Nutzwasser. Im Jahr 2019 wurde es sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Doch was macht es so einzigartig?

Lina Quotschalla

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2020
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Wasser ist und bleibt die wichtigste Ressource für den Menschen. Schon immer haben sich die Völker in der Nähe von fließenden Gewässern niedergelassen. So auch die Römer*innen, als sie Augsburg vor über 2000 Jahren an den Flüssen Lech und Wertach gründeten. Damals legten sie Kanäle an, um das Wasser in die Stadt umzuleiten. Seitdem hat sich die Wasserversorgung stetig weiterentwickelt. Augsburg wird heute aufgrund der zahlreichen Kanäle, Brunnen und Wasserwerke auch als „Stadt des Wassers“ bezeichnet.

Die Infografik zeigt verschiedene Zahlen und Fakten über das Wassermanagement-System von Augsburg. Augsburgs historisches Wassermanagement-System ist weltweit einzigartig. | Bild: Lina Quotschalla

Wasser marsch!

Die schriftlichen Belege des Wassermanagement-Systems reichen bis in das Mittelalter zurück. Bereits im Jahr 1346 wurde ein Stauwehr gebaut, um Lechwasser in die Stadt umzuleiten. Anfangs diente das Wasser im Stadtgraben zur Verteidigung und die Kanäle wurden als Transportwege für Flöße benutzt. Aber schon bald entstand Augsburgs Gewerbeindustrie, da sich Handwerker*innen an den Kanälen ansiedelten und ihre Mühlen mit Wasserkraft betrieben. Bis heute sind die Gassen im Lechviertel nach den damaligen Berufen benannt, wie das Schleifergäßchen. Mit dem Einsatz von Turbinen wurden während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert immer mehr Wasserwerke in und außerhalb der Stadt errichtet. Der Wasserreichtum lockte Fabriken an: die Textil- und Papierindustrie sowie der Maschinenbau boomte. Augsburg wurde zu einem der Wirtschaftszentren Europas.

Die technischen Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert zeigen die historischen Wassertürme des Wasserwerks. Brunnenmeister*innen waren damals für die technischen Zeichnungen und die Verteilung des Wassers innerhalb der Stadt zuständig. | Bild: Wasser Kunst Augsburg von Maximilian Museum, Walter 1754

Augsburgs Vorreiterrolle  

Im Jahr 1416 entstand am „Roten Tor“ das erste Wasserwerk der Stadt, um dem steigenden Bedarf an Trinkwasser nachzukommen. Es ist das älteste bestehende in Mitteleuropa und galt als Vorreiter für die Trennung von Trink- und Nutzwasser. Im Stadtwald fasste man mehrere Quellbäche als Brunnenbach zusammen und leitete diesen zum „Roten Tor“, wo das Prinzip der kommunizierenden Röhren zum Einsatz kam. Dazu wurde Wasser aus einem Sammelbecken in die Türme des Werks gepumpt und mit Rohren als kostenloses Trinkwasser in die öffentlichen Brunnen der Stadt geleitet. „Diese Technik war notwendig, um den Höhenunterschied zwischen dem Wasserwerk und der höhergelegenen Stadt zu überwinden“, erklärt Elisabeth Retsch. Sie gibt seit über 15 Jahren Führungen speziell zum Thema Wasser in Augsburg.

„Das Gesamte bildet das Wassermanagement, denn eins funktioniert nicht ohne das andere.“ – Elisabeth Retsch

Augsburg wird Welterbe

Die UNESCO ernannte das einzigartige Wassermanagement-System im Juli 2019 zum Weltkulturerbe. Ausgezeichnet wurden unter anderem die Lechkanäle, die drei Monumentalbrunnen aus dem 16. Jahrhundert und 14 historische Wasserwerke. Die „Stadtmetzg“, welche damals als modernste Schlachterei in Europa galt, zählt ebenfalls zu den Objekten. Sie wurde 1609 von dem Stadtbaumeister Elias Holl über einem Lechkanal gebaut, wodurch das Fleisch gekühlt und gleichzeitig Abfälle über den Kanal entsorgt werden konnten. Auch die Kanustrecke, welche extra für die Olympiade 1972 errichtet wurde, ist Teil des Kulturerbes. Sie ist die erste, künstlich angelegte Wildwasserstrecke der Welt und befindet sich im Eiskanal, welcher ursprünglich Treibeis von der Stadt fernhielt. Wasser-Expertin Retsch stellt fest: „Das Gesamte bildet das Wassermanagement, denn eins funktioniert nicht ohne das andere“.

Der Augustusbrunnen am Rathausplatz stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist einer der drei Monumentalbrunnen Augsburgs. | Bild: Lina Quotschalla
Die historischen Wassertürme am „Roten Tor“ gehören zum ältesten Wasserwerk in Mitteleuropa. | Bild: Lina Quotschalla
Um die Mühlen im Lechviertel anzutreiben, verwendete die Handwerksbranche Wasserräder. | Bild: Lina Quotschalla
Die „Stadtmetzg“ galt als modernste Schlachterei der damaligen Zeit, da sie Hygiene in der Fleischverarbeitung sicherstellte. | Bild: Lina Quotschalla
Noch heute werden auf der Kanustrecke im Eiskanal Wettbewerbe und Weltmeisterschaften ausgetragen. | Bild: Lina Quotschalla

Bedeutung des Wassers heute

Heute sorgen die Kanäle in der Altstadt für eine kühlende Atmosphäre und sind gleichzeitig ein Naturraum für verschiedene Pflanzen und Tiere, wie dem Eisvogel oder Biber. Das Trinkwasser für mehr als 300.000 Menschen wird bis heute aus dem Naturschutzgebiet des Stadtwaldes gewonnen. Umweltfreundlicher Strom für Augsburg und die Region Schwaben wird nach wie vor von den Lechwerken erzeugt und auch das Wasserwerk am Hochablass ist noch im Einsatz. Es versorgt rund 4000 Haushalte mit Ökostrom. Seit über 2000 Jahren heißt es: In Augsburg fließt's! Auch in Zukunft wird das Wassermanagement-System als positives Beispiel für andere Städte vorangehen, denn Nachhaltigkeit wird immer gefragter und das „blaue Gold“ immer knapper.