Bestseller-Autor KI
Hinweis:
Dieser Beitrag ist Teil eines Dossiers zum Thema "KI und Literatur".
Zum Dossier gehören auch folgende Beiträge:
KI-Schreibmaschine: Werden Autor*innen jetzt ersetzt? Über 90 Millionen junger Autor*innen schreiben auf Wattpad Geschichten, die weltweit bewegen. Doch was bleibt von ihrer Kreativität, wenn die KI beginnt mitzuhalten? Ein Brief.
Seelenlos oder revolutionär: Was KI in der Literatur auslöst Endlose Kreativität und doch ein leeres Blatt Papier? Was KI in diesem Prozess leisten kann, erfahrt ihr im Podcast.
Von Konzept und Verfassung über Redaktion bis hin zu Herstellung und Verkauf: das sind nur einige der vielen Schritte auf dem Weg zu einem fertigen Buch. Doch diese Prozesse stehen aktuell in einem Umbruch, die KI hinterlässt überall ihre Spuren. Bibliotheken, Verlage und Autor*innen sind mit maschinellen Texten konfrontiert. Ob die verfassten Bücher KI beinhalten, ist nicht direkt zu erkennen.
Dieses Problem kennen Bibliotheken, in denen KI-generierte Bücher bereits auftauchen, nur zu gut. Die Lektorratskoordinatorin der Stadtbibliothek Stuttgart stellt dabei die Schnittstelle dar. Und in Verlagen sieht es ähnlich aus: das wird zum Beispiel an der HdM deutlich, die unter anderem zukünftige Verlagsmitarbeitende ausbildet.
Die Bücher, die in den Bibliotheken landen, müssen aber zuerst geschrieben werden. Vor allem dieser erste Schritt zum fertigen Buch ist mit Künstlicher Intelligenz konfrontiert. Autor*innen stecken Zeit und Kreativität in ihre Geschichten, während Künstliche Intelligenz, die mit Werken anderer Autor*innen gefüttert wurde, innerhalb einiger Minuten einen Text verfasst hat. Ist die KI eine Kreativitätsbremse oder kann sie vielleicht doch ein gutes Hilfsmittel darstellen?
Wem gehört, was KI schreibt?
Eine Frage beschäftigt alle im Bezug auf KI generierte Texte: Das Urheberrecht. Dieses Thema gestaltet sich eher kompliziert, wie das Verbraucherportal Baden-Württemberg erklärt. Als eigenes Werk wird grundsätzlich etwas aus eigener geistiger Schöpfung Geschaffenes angesehen – KI generiertes Material gehört dieser Definition nach niemandem. KI-generierte Inhalte sind nicht automatisch geschützt, aber ihre Nutzung kann trotzdem Rechte Dritter verletzen. Wenn die KI mit einem urheberrechtlich geschützten Werk „gefüttert“ wurde und dann dieses Werk oder wesentliche Teile davon reproduziert oder ihnen zu ähnlich ist, dann kann es sich um eine Urheberrechtsverletzung handeln. Erkennbar ist das für Nutzende aber nur schwer. Deshalb kann dieser Verstoß oft unwissentlich vorkommen. Bei Werken, die KI nutzen, ist es also tatsächlich möglich, gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Rechtlich gesehen ist KI und Urheberrecht allerdings noch eine Grauzone.
Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle auch der AI Act der Europäischen Union (EU). Er soll dafür sorgen, dass es innerhalb der EU ein einheitliches Regelwerk für die Nutzung von KI gibt. Seine Ziele sind zum Beispiel, die Sicherheit und Umweltfreundlichkeit aller Systeme, die mit KI in Verbindung stehen, sicherzustellen. Seit August 2024 ist er nun gültig, die meisten Entscheidungen werden aber erst ab August 2026 umgesetzt. Die Regeln in diesem Act verbieten bestimmte Arbeitsweisen mit KI, um Harmonie auf den Märkten Europas zu schaffen. Zusätzlich enthält er auch Definitionen, beschreibt, für wen die Regeln gelten und legt Erwartungen und Verbote der KI-Nutzung fest. Für den Fall eines Verstoßes stehen ebenfalls Konsequenzen darin geschrieben. Ob diese Regeln bereits ausreichen, oder ob es weitergehende Beschlüsse braucht, steht dabei offen. „Was natürlich immer noch fehlt, ist diese vollständige Transparenz über die Werke, die tatsächlich hineingeflossen sind. Das hat ja der EU AI Act zum Beispiel nicht gefordert und es gibt immer noch keine Entwicklung von fairen Vergütungsregeln“, sagt Ines Witka, die seit 2009 als Autorin tätig ist.
In einem Zwiespalt
Womit es Autor*innen, Verlage und Bibliotheken zu tun haben und wie schwer es ist, menschlich geschriebene Texte von maschinellen zu unterscheiden, macht ein Selbst-Experiment deutlich: Mensch und Maschine haben mit denselben Anweisungen eine Kurzgeschichte verfasst. Die Auflösung, von wem welche Geschichte ist, findest du am Ende des Artikels.
Kein Autor und keine Autorin bleibt von dem neuen Mitstreiter KI verschont. Die Plattform Wattpad, auf der die Grenzen zwischen Autor*innen und Leser*innen verschwimmen, ist gleichermaßen von dem Thema betroffen. Hier ist es nahbar, eine Geschichte zu schreiben und doch erwecken die Versprechen der Maschine in vielen einen Zwiespalt. Hin und hergerissen zwischen literarischer Kreativität und KI – mehr dazu im Brief an die KI.
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Eines ist klar: KI ist bereits da und wird auch nicht wieder verschwinden. Die Maschine zu nutzen, ohne sich die Kreativität nehmen zu lassen, das ist die wahre Herausforderung. Der neue Schriftsteller KI, der in Windeseile ein Buch schreibt und sich in Bibliotheken unter menschlich verfasste Bücher schleicht, wirft die bisherigen Prozesse der Literaturbranche durcheinander. Und davon fühlen sich die Akteure der Bücherwelt bedroht.
Um das Selbstexperiment aufzulösen: Die Kurzgeschichte 2 wurde durch eine KI verfasst. Die erste Geschichte wurde von Menschenhand geschrieben. Habt ihr es erraten?
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