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Roadies bei der Arbeit. | Bild: Joe Hottinger

Innovation&Geld Veranstaltungen
Rettet die Roadies!

Roadies bei der Arbeit. | Bild: Joe Hottinger

22 Jul 2020

Geschäfte und Restaurants haben wieder geöffnet und der Sommer scheint Erholung für die Wirtschaft zu bringen. Nach wie vor leidet jedoch ein Sektor ganz besonders: die Veranstaltungsbranche. Sie musste als Erste schließen und wird als Letzte wieder öffnen.  

In diesen Zeiten denkt man zuerst an die Lieblingsband, wenn man sich Sorgen um die Musikbranche macht. Zwar verdienen diese ihr Geld hauptsächlich mit Touren und nicht mit dem Verkauf von Alben, trotzdem können sie diese Zeit nutzen, um neue Musik aufzunehmen. Veranstaltungshelfer*innen, sogenannte Roadies, sind jedoch komplett von Konzerten und Festivals abhängig. Oftmals werden die Einnahmen für das ganze Jahr über den Sommer erarbeitet. Wenn dieser Sommer dann von 100 Prozent auf null zusammenbricht und das innerhalb von ein paar Wochen, treibt das die Sorgenfalten auf die Stirn.  

Auffangmaßnahmen wie die Überbrückungshilfe der Bundesregierung sind zwar gut gemeint, doch gleicht das Ganze einer Gießkanne, die breit über alles hinweg verteilt, anstatt spezifisch zu helfen, wo es nötig ist. Denn die Regelungen für die Soforthilfe sind kompliziert: Ein Umsatzumbruch von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr muss nachgewiesen werden. Doch hierfür werden nur die Monate April und Mai herangezogen. Bei einem saisonal abhängigen Geschäft müsste der Bemessungszeitraum länger sein. Und leider sind auch diese Gelder begrenzt bis voraussichtlich September. Nicht einmal der größte Optimist kann sich vorstellen, dass Konzerte in normalem Umfang ab September wieder möglich sind. Zwar gibt es mittlerweile Drive-In-Konzerte, doch reichen diese bei Weitem nicht aus, eine komplette Branche finanziell aufzufangen.  

Der Deutsche Kulturrat sprach schon im März, als die Einschränkungen gerade erst begonnen hatten, von über 80.000 abgesagten Veranstaltungen. Dass diese zum Teil auch verschoben werden, ist nur ein kleiner Trost. Denn wenn sich die Veranstalter bis dahin nicht über Wasser halten können, nutzen auch keine Versprechen über Gutscheine und weiterhin gültige Tickets. Spezifischere Hilfe muss her, doch die Bürokratie lässt sich Zeit. Und so gibt es mittlerweile zahlreiche Initiativen und Hilfefonds für die Betroffenen. Die Initiative #handforahand der jungen Literaturvermittlung Köln hat bereits über 250.000 Euro für Betroffene gesammelt – ein Tropfen auf den heißen Stein. Fast eine Millionen Arbeitnehmer fragen sich, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Viele sind selbstständig und fallen durch sämtliche sozialen Auffangnetze.  

Wer also auch 2021 ein Festival besuchen möchte, sollte die helfenden Hände unterstützen. Die Band macht zwar die Musik, doch ohne eine Bühne, auf der sie spielen, ohne einen angeschlossenen Verstärker und ohne Licht wäre das nicht möglich.  

Die schwierige Situation von Veranstaltungshelfern im Jahr 2020.