Menü
Politik&Aktion

Serien
Sind Serien politische Meinungsmacher?

Serien können unsere Wahrnehmung im Hinblick auf die reale Politik beeinflussen. | Bild: Lisa-Marie Riffelt

Serien Sind Serien politische Meinungsmacher?

Serien können unsere Wahrnehmung im Hinblick auf die reale Politik beeinflussen. | Bild: Lisa-Marie Riffelt
 

03 Dec 2021

28 Prozent der Deutschen schauen täglich oder fast täglich Serien. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Splendid Research. Ja und? – Wissenschaftler*innen kommen zu dem Ergebnis, dass Serien unsere Meinung über die Politik und ihre Akteur*innen beeinflussen.

Lisa-Marie Riffelt

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2021

Zum Profil

Frank Underwood bahnt sich in der Serie „House of Cards“ Stück für Stück den Weg vom Fraktionsvorsitzenden zum Präsidenten der USA. Dabei manipuliert, trickst und hintergeht er sogar seine eigene Frau.

Eine in Deutschland durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass „House of Cards“ einen positiven Einfluss auf die politischen und persönlichen Qualitäten sowie das Vertrauen in die Person Donald Trump hat. Bei der Studie wurden „House of Cards“- und „Nicht-House of Cards“-Zuschauer*innen zu den Personen Barack Obama, Donald Trump und Hillary Clinton befragt. Zusätzlich dazu noch Frank Underwood bei den „House of Cards“-Konsument*innen. Beide Gruppen finden Trump nicht sonderlich gut, aber die Menschen, die „House of Cards“ angesehen haben, finden ihn in seinen politischen und persönlichen Qualitäten etwas besser als Menschen, die kein „House of Cards“ sehen.

Es ist also ein Unterschied zwischen Serienkonsument*innen und Nichtserienkonsument*innen zu erkennen und darauf zu schließen, dass Serien unser Bild auf die Politiker*innen in irgendeiner Weise beeinflussen. Woher genau diese Unterschiede kommen, darauf gibt die Studie keine Antwort.

In einem Interview von „profil“ mit der Regisseurin von „House of Cards“, Agniezka Holland, sagte diese: „Heute, nach „House of Cards“, denken die Menschen, dass Washington und die Politiker*innen zynischer Abschaum sind und dass sie ihnen weder vertrauen noch sie respektieren müssen.“ Sie glaubt, dass Barack Obama nie gewählt worden wäre, wenn es nicht schon in Fernsehserien schwarze Präsidenten gegeben hätte, wie etwa in der Serie „24“. Ihre eigene Serie „House of Cards“ bezeichnet Holland im Nachhinein als „gefährliche Schöpfung“.

Was denken Politiker*innen über Polit-Serien?

Wie sehen Politiker*innen selber politische Serien wie „House of Cards“? Dazu wurden verschiedene Politiker*innen kontaktiert und gefragt, ob sie Polit-Serien schauen und inwiefern junge Menschen von Serien etwas über Politik lernen können.

| Bild: Dennis Birnstock; erstellt von Lisa-Marie Riffelt
| Bild: Miguel Klauß; erstellt von Lisa-Marie Riffelt
| Bild: Daniel Meissner; erstellt von Lisa-Marie Riffelt
| Bild: Ye-One Rhie; erstellt von Lisa-Marie Riffelt
| Bild: © DOGMA 360° Communications; erstellt von Lisa-Marie Riffelt

Negative Politikbilder beeinflussen uns

Der Politikwissenschaftler Niko Switek bestätigt in einer wissenschaftlichen Arbeit, dass Serien unfreiwillig eine Funktion der politischen Bildung erfüllen würden, weil so viele Menschen Serien schauen würden. Dabei sei positiv, dass Serien das Interesse in die Politik wecken könnten. Allerdings bestünde die Gefahr darin, dass negative und zynische Politikbilder, wie zum Beispiel der Einsatz von Folter, die Zuschauer*innen negativ beeinflussen würden, so Switek weiter.

Als Osama Bin Laden, der ehemalige Anführer der Terror-Gruppe al-Qaida, von US-Spezialeinheiten ermordet wurde, haben viele Twitter-Nutzer*innen Jack Bauer zu seinem Erfolg gratuliert. Jack Bauer ist allerdings weder CIA-Mitglied noch US-Soldat, sondern die Hauptfigur der Serie „24“. In der Serie setzten amerikanische Staatsbedienstete, unter anderem der Protagonist Jack Bauer, Folter als Mittel der Informationsgewinnung bei Vernehmungen ein, um beispielsweise viele andere Menschenleben zu retten.

Zuschauer*innen, die regelmäßig solche Spionagefilme- und Serien schauen, würden eher Folter im Kampf gegen den Terror durch Geheimdienste zustimmen. Das zeigt eine 2012 durchgeführte Umfrage der amerikanischen Wissenschaftlerin Amy Zegart. Von den regelmäßigen Serienkonsument*innen finden 38 Prozent Waterboarding bei Terrorist*innen zur Folter als richtig. Von den Befragten, die solche Serien nicht schauen, empfinden 28 Prozent diese Art der Folter bei Terrorist*innen als richtig.

Serien hätten auf die Meinung der Zuschauer*innen gegenüber der Politik nur einen begrenzten Einfluss, erklärt der Medienwissenschaftler Andreas Dörner in einem Interview mit Deutschlandfunk. Sie könnten nicht die politischen Ansichten dauerhaft und tiefgreifend verändern. Aber sie würden die Themen der realen Politik durchaus beeinflussen, indem Zuschauer*innen Themen der Serien als wichtig empfänden und Politiker*innen diese dann öffentlich diskutieren und aufgreifen würden.