Um dem Krebs keine Chance zu geben, hat Theresa sich die Brüste entfernen lassen. (Symbolbild) | Bild: Julia Völker

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„Ich freue mich, wenn ich wieder beide Brüste habe“

Um dem Krebs keine Chance zu geben, hat Theresa sich die Brüste entfernen lassen. (Symbolbild) | Bild: Julia Völker

11 Dec 2019

Mit 25 Jahren hat Theresa erfahren, dass sie vom Brustkrebsgen BRCA2 betroffen ist. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, lag bei etwa 70%. Um dem Krebs keine Chance zu geben, hat sie sich ihre Brüste amputieren und aufbauen lassen. Ihre Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn nicht alles lief wie geplant. Doch schon jetzt kann sie eines mit Sicherheit sagen: Sie ist stärker als je zuvor.

Julia Völker

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2019
Gesellschaft

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Wie hat sich die Diagnose für dich angefühlt? 

Ich hatte Angst und war geschockt. Das waren so die ersten Gefühle. Ich glaube, ich war ein bisschen gefasster als meine Mutter. Sie ist in Tränen ausgebrochen, weil sie genau gewusst hat, was diese Genmutation bedeutet. 

Wie bist du auf das Thema Brustkrebs aufmerksam geworden?
 
Meine Familie mütterlicherseits ist direkt davon betroffen. Meine Mutter hatte bereits zwei Mal Brustkrebs und zwei ihrer Geschwister sind ebenfalls daran erkrankt. Mit 25 Jahren habe ich mich dann dazu entschlossen, den BRCA Genmutationstest an der Uniklinik Ulm zu machen. Dort wurde mir dann auch das Ergebnis mitgeteilt. Das hat allerdings einige Monate gedauert.  

Zahlen und Fakten zum BRCA-Gen | Bild: Julia Völker

Welche Optionen standen für dich nach der Diagnose zur Verfügung? 

Die eine Option waren regelmäßige großmaschige Untersuchung an der Uniklinik und auch der Ultraschall der Gebärmutter. Irgendwann wurde mir dann bei einem Arztgespräch geraten, meine Brüste prophylaktisch amputieren und aufbauen zu lassen.  

Wie ging es dir während der Entscheidungsphase?
 

Es war anstrengend, aber es war für mich nicht belastend. Im Leben geht’s weiter. Das Risiko an Krebs zu erkranken ist hoch. Aber das Risiko die Treppe runterzufallen oder von einem Auto erfasst zu werden, ist genauso da. Meine Brüste entfernen zu lassen, war für mich eine rationelle und logische Entscheidung. Ich glaube, meine ganze Geschichte war dadurch geprägt, dass ich einfach mehr Angst davor hatte, Krebs zu bekommen.

"Was dich nicht umbringt, macht dich stark." – Theresa

War es für dich also die richtige Entscheidung?

Die Operation ist ungefähr drei Jahre her und seitdem kämpfe ich darum, dass meine Brust eine Brust ist. Wäre die OP korrekt verlaufen, könnte ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Doch durch meine Geschichte steh ich dem noch etwas zwiegespalten gegenüber: Ich musste nach der OP das linke Implantat wieder entfernen lassen, weil eine sehr schlimme und starke Entzündung in der Brust entstanden ist. Das musste dann durch Eigenfettgewebe aufgebaut werden. Dann hatte ich Probleme mit der rechten Brust, die musste dann auch entfernt werden. 

Was hat diese Geschichte aus dir gemacht? 

Ich bin immer noch sehr viel mit mir in Diskussion und auch in psychischer Behandlung. Ich bin definitiv ein stärkerer und kritischerer Mensch geworden. Ich bin sehr dankbar für mein Leben. Ich weiß, dass es immer schlimmer geht. Was dich nicht umbringt, macht dich stark. Ich freue mich einfach auf den Moment, an dem ich wieder beide Brüste habe. Jeder schreibt seine Geschichte selbst. Und entweder man sieht es schwarz oder bunt, so wie ich.

„Jeder schreibt seine Geschichte selbst. Und entweder man sieht es schwarz oder bunt, so wie ich.“ – Theresa

Hast du einen Appell an die Mädels da draußen? 

Ja! Lasst euch regelmäßig untersuchen und seid damit nicht nachlässig. Wenn ihr das Gefühl habt, bei einem Arzt nicht gut aufgehoben zu sein, dann holt euch eine Zweit- oder auch Drittmeinung ein. Redet mit euren Eltern. Doch am Ende müsst ihr die Entscheidung für euch treffen, denn ihr müsst im Endeffekt auch damit leben.

Frauen ab 30 können einmal im Jahr zum Frauenarzt gehen, der Brust und Achselhöhlen abtastet und auf Veränderungen achtet. Für Frauen mit einem höheren Brustkrebsrisiko (bspw. durch familiäre Vorbelastungen) können die Untersuchungen angepasst werden. Je nach Situation beginnt man auch schon als jüngere Frau mit der Früherkennung. 

Der Krebsinformationsdienst bietet eine kostenlose Hotline bei Fragen: 0800 - 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr.

Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/frueherkennung.php
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