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Kolumne
Fünf gewinnt!

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Wir sind alle ziemlich unterschiedlich und doch irgendwie gleich. | Bild: Vanessa Stagen

Kolumne Fünf gewinnt!

Wir sind alle ziemlich unterschiedlich und doch irgendwie gleich. | Bild: Vanessa Stagen
 

02 Feb 2022

Mal mit herbem Nachgeschmack, mal süß wie die Schote einer Vanille: That’s life! Da gibt es Gedanken, die uns tagsüber müde machen und nachts wachhalten und solche, bei denen wir unser Grinsen kaum noch verstecken können. „Gedankengrütze mit Vanillesoße“ — eine Kolumne.

Vanessa Stagen

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2020
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Täglich schallen die „sanften“ Klänge einer Posaune durch die dünnen Wände unserer Wohnung. Döööö-döööö-duuuu. Mein eines Auge rollt sich nach oben, das andere schließt sich manchmal durchaus vergnügt (genau wie meine Tür). Hach ja. Ich liebe meine Fünfer-WG.

Still ist es hier nicht – und auch wenn das genau der Grund war, für mich früher alleine wohnen zu wollen, kann ich es mir gerade nicht mehr anders vorstellen. Ist doch irgendwie langweilig, wenn’s die ganze Zeit still ist, oder? Wenn niemand da ist, wenn man heimkommt oder niemand kommt, wenn man daheim ist. 

Niemals eine*r zu viel 

In den letzten zehn Corona-Monaten, die wir hier zusammenleben, hat sich herausgestellt, dass wir durchaus ein chaotischer Haufen sind. Hier kann schon mal der ein oder andere Feuermelder verschwinden und für panische Suchmanöver in der Papiertonne sorgen. Kleiner Tipp an dieser Stelle: Nicht für den Müll bestimmte Dinge sollten sich unter keinen Umständen in der Nähe eines Pizzakartons aufhalten!

Von außen erscheinen wir fünf zwar alle jung (und natürlich gutaussehend hehe), aber im Herzen sind wir definitiv eine Rentnergang. Das fällt vor allem dann auf, wenn wir plötzlich alle vormittags die Küche stürmen und uns fast um Topf und Pfanne prügeln, weil wir alle pünktlich um zwölf Uhr essen wollen. Es isch halt Zeit! Nicht selten schaffen wir es also, zusammen am Tisch zu sitzen und zu essen – wie eine richtige Familie. Dann kommt es schon mal vor, dass mein Mitbewohner C. sein gekauftes Kürbis-Curry mit meinem selbstgemachten vergleicht und mir erklärt, dass seines mehr „fröhlichfarbig“ aussieht. Süß, dieser Tscheche. 

Natürlich klappt das nicht immer. Es gibt auch Tage, an denen wir uns nur kurz im Flur unterhalten, während wir alle in Schlafoutfit vor unseren wild beklebten Türen stehen. Dann zieht der unter dem Spiegel verortete „WG-Labello“ noch einmal seine Runde über alle Lippen, bevor wir uns alle liebevoll eine Gute Nacht wünschen und in unseren Zimmern verschwinden. An dieser Stelle könnte durchaus das Jugendwort 2021 eingefügt werden. Criiiinge.

Corona sei Dank?!

In einer Pandemie mit mehreren Menschen zusammenzuwohnen ist in dieser Zeit für mich zum Privileg geworden und hat mir noch einmal mehr gezeigt, was Zusammenhalt eigentlich bedeutet. Gemeinsam zu lachen ist doch so viel schöner als allein! Wir überbrückten Ausgangs- und Kontaktsperren mit etlichen Runden Dart und vielleicht auch dem ein oder anderen Getränk. Wir verstehen uns oft blind, kennen die Macken des anderen fast besser als die eigenen. Und auch wenn der vor Fett triefende, qualmende Backofen und ein raschelndes Krümelmeer aus Brotresten auf dem Tisch nicht immer für Freudenschreie sorgen, ein bisschen bin ich sogar dankbar für die intensiven Momente, die wir ohne das Virus vermutlich so nicht zusammen erlebt hätten.

Stimmen dringen unter meiner Tür durch. „Ja ja, um kein Corona zu bekommen, musst du dich halt von innen desinfizieren.“ Was ist denn da schon wieder los? Grinsend springe ich von meinem Bett, schnappe mir in Windeseile mein Handy – im Flur wird Ouzo gegurgelt und ich mach die Videos!

Mehr Gedankengrütze findest du hier.