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„Gelbfieber“ gründet auf dem Bild der unterwürfigen asiatischen Frau und wird denjenigen zugeschrieben, die ausschließlich auf Asiatinnen stehen. | Bild: Eileen Wagner

Sex&Identität Rassismus
Über Gelbfieber und die Fetischisierung der asiatischen Frau

„Gelbfieber“ gründet auf dem Bild der unterwürfigen asiatischen Frau und wird denjenigen zugeschrieben, die ausschließlich auf Asiatinnen stehen. | Bild: Eileen Wagner

22 Jan 2021

Still, schüchtern und doch offen für alles - ein Stereotyp, mit dem Frauen asiatischer Herkunft fetischisiert werden. Es geht soweit, dass daraus ein amerikanischer Slang "Yellow Fever" entstanden ist.

Eileen Wagner

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2019
Journalismus

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Zur Aufklärung: Nein, es geht nicht um die Viruskrankheit Gelbfieber. Es geht um einen beleidigenden Stempel, der Männern aufgedrückt wird, die ausschließlich auf Asiatinnen stehen. „Yellow Fever“ oder „Gelbfieber“ gründet auf dem Bild der unterwürfigen asiatischen Frau und hat seinen Ursprung in der Prostitution südostasiatischer Länder. Damals diente das Gewerbe ausschließlich der „Rest and Relaxation“ US-amerikanischer Soldaten, während ihrer Kriege in Japan, Korea und Vietnam. Jahrzehntelang, bis heute, geht es um ein Machtspiel der Männer. Als Halb-Taiwanesin konnte ich mich mit den asiatischen Frauen identifizieren. Ich wollte und musste über dieses Thema schreiben. 

Fetischisiert zu werden, ist ein merkwürdiges Gefühl. Es ist immer ein schmaler Grat, zwischen einem Kompliment auf der einen Seite und der Pervertierung und Verallgemeinerung auf der anderen. Ich erinnere mich noch gut an letztes Jahr, als ich auf dem Oktoberfest von einem Mann angesprochen wurde, weil er annahm, asiatische Frauen wie ich seien gut im Bett. Oder Begegnungen, bei denen Männer „asiatisch“ von ihrer erotischen To-enjoy-Liste abhaken wollten. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Präferenzen. Ich denke auch, dass es beleidigend ist Männern vorzuwerfen, sie hätten „Gelbfieber“, nur weil sie asiatische Frauen schön finden. Schließlich gibt es auch Männer, die besonders auf Blondinen stehen und Frauen, die Südländer vorziehen. Aber wenn es so weit geht, dass Männer Unterwürfigkeit erwarten, asiatische Frauen in einen Topf werfen oder Gewalt ausüben, um ihre Dominanz zu beweisen, dann sprechen die Karten für sich: die vermeintlichen Vorlieben sind schlicht rassistisch.

Die Fetischisierung spiegelt sich auch in den hohen Klickzahlen der Pornokategorie „Asiatisch“ wider. Dort verlaufen die pornografischen Videos immer nach demselben Schema: Die Frau wird anfangs als unschuldig und jungfräulich dargestellt und am Ende ist sie bereit für jede sexuelle Fantasie. Vielmehr wirkt diese Vorstellung verzerrend, wodurch ein surreales Porträt der asiatischen Frau entsteht. Und auch die Filmindustrie klebt Asiatinnen dasselbe Etikett auf. Filme wie „La Geisha“ und „Last Samurai“ folgen diesem Klischee und stellen asiatisch aussehende Frauen als gehorsam, unterwürfig und exotisch dar. Es sind Stereotypen wie diese, zugeschrieben mit der Sexualität der asiatischen Frau, die Raum für Gewalt und Missbrauch schaffen. Meiner Meinung nach lassen sich diese Vorlieben nicht mit Begriffen wie „Gelbfieber“ verharmlosen. Der Begriff ist entmenschlichend und beleidigend. Schon allein, weil der Begriff die Vorliebe für asiatische Frauen mit einer Krankheit vergleicht.