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MEINUNG
Gendergerechte Sprache schließt jede Art der Ungleichbehandlung aus und versucht möglichst alle Menschen anzusprechen. | Bild: Vince Voltage

Sex&Identität Kolumne
Über die gendergerechte Sprache

Gendergerechte Sprache schließt jede Art der Ungleichbehandlung aus und versucht möglichst alle Menschen anzusprechen. | Bild: Vince Voltage

22 Jan 2021

Gendern nicht vergessen: Diesen Zuruf musste ich mir letztes Semester lange anhören. Für die einen ist es der Gender-Wahn, für die anderen ist es ein Ausgleich von einer toxischen Maskulinität: Wenn es um die gendergerechte Sprache geht, scheinen die Fronten verhärtet.

Eileen Wagner

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2019
Journalismus

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Heutzutage gibt es neben dem Gendersternchen oder dem Gendergap eine Vielzahl an Möglichkeiten, Sprache gendergerecht zu gestalten. Der Zweck hinter dieser Sprache ist die Wertschätzung gegenüber allen Menschen, unabhängig ihres Geschlechts. 

Das erste Mal, als mir die Wichtigkeit rund um das Gendern bewusst wurde, war in meiner ersten Stunde im Spanisch-Unterricht. Meine Professorin erzählte, dass es in Spanien für bestimmte Berufe keine weibliche Form gibt. So steht „el doctor“ für den Arzt aber auch die Ärztin. Eine „la doctor“ gibt es nicht – ein klassisches Beispiel für die männerdominierte spanische Sprache. Und auch bei Gruppen, erwähnt meine Professorin, reicht es aus, dass ein Mann dabei ist, um die ganze Gruppe als männlich zu kennzeichnen. Die Sprache tritt wortwörtlich unsere Rechte mit Füßen. Da kann ich den Vorwurf von Sexismus überaus verstehen. Aber wenn es im Deutschen heißt „Radfahrer bitte absteigen“, dann wird grammatikalisch gar kein Geschlecht angesprochen. Das ist generisch gemeint, ein beide Geschlechter umfassendes Maskulinum. 

Das kann ja nicht so schwer sein. Einfach ein Gendersternchen setzen und eine Benachteiligung der Identitäten ist ausgeschlossen. Bis man dann selbst hinter dem Schreibtisch sitzt und bei einem sechs Seiten langen Text auf die Gendersprache achten muss. Zu kompliziert, zu lang und einfach nicht effizient. Da platzt einem der Kragen. Manchmal starre ich eine gefühlte Ewigkeit auf einen Satz und zerbreche mir den Kopf, weil mir keine gendergerechte Umformulierung einfällt. Gendersprache schafft Fehler und Missverständnisse. Für mich ist das Ganze nachvollziehbar, aber umständlich.