„StaatKlar” für den Weg zur Einbürgerung
Ein Einbürgerungstest ist umfangreicher als man denkt: 33 von über 300 Fragen über Geschichte, Staat und Recht in Deutschland werden gestellt. 17 Antworten müssen richtig sein – keine leichte Aufgabe, wenn man sich in einem anderen Staat zurechtfinden muss.
Reines Auswendiglernen kann genügen, um den Test zu bestehen. Es geht aber nicht nur um das Bestehen eines Tests. Den Antragstellenden soll geholfen werden, das politische System, die Geschichte und die Gesellschaft in Deutschland zu verstehen. Doch wie kann man die Lernerfahrung so gestalten, dass dies gelingt? Genau dieser Frage haben sich drei Studierende der Hochschule der Medien Stuttgart gestellt.
Eine Lücke wird geschlossen
“Staatklar”. So nennt sich die Idee von Luca Stäb, Luisa Grunow und Selina Lehmann. Ziel der Web-App für Smartphone und Browser ist es, politische Inhalte einfach und ansprechend zugänglich zu machen. Ihre Inhalte basieren dabei auf den Fragen, die im Einbürgerungstest gestellt werden. Die App möchte ein grundlegendes Verständnis der Grundrechte und der deutschen Politik vermitteln. Der Inhalt der Fragen und ihre Bedeutung soll verstanden werden, um die Eingliederung in die deutsche Gesellschaft zu erleichtern. Die Übungen sind interaktiv; kategorisierte Fragen und das begleitende Adlermaskottchen „Anton“ unterstützen den Lernprozess.
Die Idee entstand nicht im luftleeren Raum, sondern aus der Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Entwicklungen. Anlass waren die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Bei der Betrachtung der Zusammensetzung der Wählerschaft stießen die Studierenden auf Daten zu Migration, Einbürgerung und politischer Teilhabe. Dadurch rückte das Thema Einbürgerung stärker in ihren Fokus. Als sie sich die Fragen des Einbürgerungstests näher ansahen, bemerkten sie, wie schwierig diese waren. „Manche konnten wir sogar mit Abitur nicht beantworten.“, sagt Lucas. Für Menschen ohne deutsche Schulbildung sei es sicherlich noch schwieriger. Daher wollten sie eine App entwickeln, die diese Lücke schließt. Menschen sollen bei der Vorbereitung auf den Test unterstützt werden und sich nachhaltig Wissen aneignen. Auch deutsche Staatsbürger können die App nutzen, um ihr Wissen aufzufrischen.
Alter Stoff, neuer Look
Im Gegensatz zu der bereits vorhandenen Website des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge werden die Fragen inhaltlich sinnvoll in zusammenhängende Themenabschnitte unterteilt. So gelingt es dem Lernenden den Inhalt in der Tiefe zu verstehen. Der bekannte Multiple Choice Test wird mit einem zeitgemäßen Layout kombiniert.
Dem Ganzen ging ein mehrstufiger Prozess voraus. Erst führten die Studierenden Interviews mit jungen MigrantInnen, die sich bereits eingebürgert haben oder dies anstreben. Anhand der Antworten und der beschriebenen Schwierigkeiten erstellte man eine sogenannte Persona, ein fiktives Profil eines durchschnittlichen Nutzers. Mithilfe dieser „Durchschnitts-Persönlichkeit“ wurde ein erster Prototyp erstellt. Dieser wurde in mehreren Phasen getestet und angepasst. Auch Gespräche mit Menschen, die im Bereich der Einbürgerung arbeiten, fanden statt.
Mit dem Semesterende rückt auch das vorgesehene Projektende immer näher. Die App soll auf der MediaNight der Hochschule der Medien präsentiert werden. Trotz Zeitdruck schauen die Studierenden aber alle sehr positiv auf das Projekt zurück. Alle hätten viel über Koordination und Projektmanagement gelernt. Alles habe sich „professioneller“ angefühlt als in vorherigen großen Projekten. Jeder konnte in Bereiche hineinsehen, die im eigenen Studiengang so nicht vorkommen, sei es Coding oder das Erstellen von Textinhalten.
Wie es für die App weitergeht? Erstmal bleibt es nur ein Semesterprojekt. Die Abgabe ist das Ziel, scherzt die Gruppe. Aktuell arbeiten die Studierenden daran, den Prototypen als Web-App umzusetzen. Die App ist im Moment nur lokal verfügbar. Ziel ist, diese später auf dem HdM-Server zur Verfügung stellen zu können. Eine Weiterentwicklung oder Kooperation ist bislang nicht geplant; man sei aber offen dafür, falls sich etwas ergeben sollte. Die Studierenden sind sich einig: „Es war ja viel Arbeit – es wäre schön, wenn sich das nicht ins Nichts verläuft.”