Umwelt&Wirtschaft

Fashion-Sharing
Meine, deine, unsere Kleidung

Haben wir nicht alle zu viele Kleider im Kleiderschrank? Zeit für Sharing. | Bild: Lea Schlaich

Fashion-Sharing Meine, deine, unsere Kleidung

Haben wir nicht alle zu viele Kleider im Kleiderschrank? Zeit für Sharing. | Bild: Lea Schlaich
 

03 Dec 2021

Deutsche Erwachsene kaufen 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Greenpeace-Studie. Fast die Hälfte der Kleidung verstaubt danach im Kleiderschrank. Diese Tatsache schreit nach einer Konsum-Alternative: Fashion-Sharing.

Stella Liebendörfer

Crossmedia Publishing & Management / Publishing M. A.
seit Wintersemester 2021
Fashion-Sharing

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Lea Schlaich

Crossmedia Publishing & Management (M.A.)
seit Wintersemester 2021

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Juliane Zens

Crossmedia Publishing & Management (M.A.)
seit Wintersemester 2021

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Fashion-Sharing hat seinen Ursprung in der Sharing-Economy, dies ist ein Sammelbegriff für die geteilte Nutzung von Gütern, Dienstleistungen und Informationen. Beim Leihen und Verleihen steht der Mensch im Vordergrund. „Wir“ statt „Ich“, „Gemeinschaft“ statt „Eigentum“, „lokal“ statt „global“. Wir dezentralisiersen uns und streben immer mehr nach der Idee des Teilens, die uns einen Mehrwert bietet. Eine der bekanntesten Plattformen hierbei ist das amerikanische Unternehmen „Airbnb“, ein Anbieter für Ferienwohnungen, der selbst allerdings keine Immobilien besitzt. Auch der weltweit größte Taxi-Verband „Uber“ setzt auf den Gedanken des Teilens und besitzt ebenfalls kein einziges Fahrzeug.

Gemeinsam nutzen statt allein besitzen

Diesen Weg schlägt nun auch die Mode-Branche ein. Durch das sogenannte Fashion-Sharing soll der ursprüngliche Zweck von Kleidung wieder in den Mittelpunkt gerückt werden: getragen zu werden – das aber zeitlich begrenzt. Dieser Trend wird immer beliebter und gilt zudem als besonders umweltfreundlich. Allerdings nur, wenn Modestücke, falls machbar, auch selbst abgeholt und so umweltschonend wie möglich gereinigt werden. Einige Plattformen bieten die Möglichkeit diesen Trend mitzugestalten. Im Gegensatz zum Fast-Fashion-Modell (kurzlebige Klamotten, für niedrige Preise produziert und konsumiert) baut das Konzept des Kleiderleihens auf dem des Second-Hand Handels auf. Die Kund*innen leihen Modestücke auf bestimmte Zeit und schicken diese anschließend wieder zurück. Auf diese Weise wollen die Plattformen die Gesellschaft wieder auf den Pfad des bewussteren Konsums lenken. Jedes Kleidungsstück, und damit auch dessen Produktion, sollte mit Wertschätzung betrachtet werden. Das Ziel dabei ist, den ökologischen Fußabdruck (Indikator für Nachhaltigkeit des Lebensstils einer Person) im Vergleich zum klassischen Fast-Fashion-Kauf, so gering wie möglich zu halten. Dieser Gedanke war auch der ausschlaggebende Punkt für die Gründerinnen von „CLOTHESfriends“.

„Wir konnten und wollten nicht mehr länger dabei zusehen, wie die Modeindustrie als eine der fünf am umweltbelastendsten Industrien jeden Tag einen noch größeren Einfluss auf den Klimawandel hat.“ – Sonja Wunderlich & Carmen Jenny, Gründerinnen der Fashion-Sharing App „CLOTHESfriends"
Kleidung und ihre Lebensdauer | Bild: Stella Liebendörfer, Lea Schlaich, Juliane Zens

Ein Schritt mehr in die Nachhaltigkeit

Die Idee der Fashion-Sharing-Plattformen ist simpel und innovativ: Getreu dem Motto „never-ending Kleiderschrank“ bieten diese wie bei einer Bücherei Kleidungsstücke, Accessoires und Schuhe zum Leihen an. Das ermöglicht Konsument*innen einen regelmäßigen Garderobenwechsel. Statt sich für den jahrelangen Besitz zu entscheiden, kann ein Traumstück für einen gewünschten Zeitraum in den eigenen Kleiderschrank einziehen. Modeinteressierte Menschen können dabei aus einem Sortiment exklusiver Designer*innen-Kooperationen, Basics und erstklassiger Vintage-Mode wählen.

Der Kölner Sharing-Service „Kleiderei“, der als Store-Konzept läuft, ergänzt seine Vintage-Mode mit Eco-Fashion-Labels. Dagegen kauft die Online-Plattform „CLOTHESfriends“ die Stücke nicht selbst, sondern setzt auf den Community-Gedanken: Jede*r kann Teile registrieren und diese anschließend vermieten. Auch das Fashion Start-Up „WeDress Collective“ baut auf dieses Konzept auf und möchte seinen Nutzer*innen die Slow-Fashion-Experience näher bringen. Die Gründerin Jasmin Huber sieht ihre Plattform als eine Art „Fashion-Airbnb“ und verfolgt das Ziel, Kund*innen für mehr Kreativität in ihrem Fashion-Alltag zu inspirieren.

Der Prozess auf den Fashion-Sharing-Plattformen ist immer der Gleiche: Kund*innen wählen ihr Lieblingsteil, legen danach den gewünschten Zeitraum fest und zahlen anschließend einen Geld-Betrag. Dabei variiert der Preis nach Wertigkeit und Nutzungsdauer. Einzelne Plattformen bieten darüber hinaus auch Leasing-Modelle an. So zum Beispiel „Unown“: Konsument*innen haben hier die Möglichkeit durch ein Zwei-Stufen-Modell ein Abonnement abzuschließen, bei welchem sie mehrere Teile, für einen Festpreis, pro Monat leihen können.

Die Kleiderei wurde von Inhaberin Lena Schröder gegründet, um eine Alternative zum Neukaufen anzubieten. In ihrem Laden haben Kund*innen die Möglichkeit für einen Monatsbeitrag von 29 Euro vier Kleidungsstücke auszuleihen und beliebig oft auszutauschen. | Bild: Kleiderei Köln
Unown ist ein Leasing Service für nachhaltige Mode. Kund*innen können im Onlineshop von Linda Ahrens und Tina Spießmacher Kleidung leasen statt sie zu kaufen und dabei flexibel zwischen ein bis vier Monaten wählen. | Bild: Unown/Carina Wendland
Mit CLOTHESfriends haben die Gründerinnen Carmen Jenny (links) und Sonja Wunderlich (rechts) eine App entwickelt, auf der Nutzer*innen ihre Kleidung zum Verleih oder Tausch anbieten können. | Bild: CLOTHESfriends/Moïse Youmba
WeDress Collective hat das Ziel, mehr Nachhaltigkeit in die Fashion Industrie zu bringen. Mit ihrer Plattform ermöglicht Gründerin Jasmin Huber (links; rechts: Model der Plattform), Kleidung zum Verleih anzubieten oder diese selbst zu mieten. | Bild: WeDress Collective

Fashion-Sharing als Zukunfts-Modell

Das Fashion-Sharing-Konzept wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Hierzu zählen beispielsweise das Internet, neue Technologien sowie die veränderten Lebensansichten der Generation Z. Diese Generation, welche permanent online und untereinander verbunden ist, verfolgt ein neues Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Laut Statistik steht sie dafür, das Leben in erster Linie zu genießen und Dinge nicht auf Dauer besitzen zu müssen. Der Minimalismus-Gedanke rückt dabei immer mehr in den Fokus – gegen den Shopping-Wahn, gegen den übermäßigen Besitz, gegen einen überfüllten Kleiderschrank.

Vor-und Nachteile von Fashion-Sharing Vor-und Nachteile des Megatrends Fashion-Sharing | Bild: Stella Liebendörfer, Lea Schlaich, Juliane Zens

Die Modeikone Vivienne Westwood hat es mit sieben Worten auf den Punkt gebracht: „Buy less, choose well, make it last. Buy less Slow Fashion statt Fast Fashion. Choose well – Lieblingsstücke bewusst wählen. Make it last nachhaltiges, respektvolles Handeln.

Am Ende des Tages wird die Zukunft von Mode wahrscheinlich längst nicht nur von einem Modell geprägt sein. Um den Kreislauf langfristig zu schließen, wird sich, laut Fashion-Sharing-Plattformen, voraussichtlich eine Kombination aus Fashion-Sharing und dem konventionellen Kleider-Konsum etablieren.