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Warum das Jurastudium an Bedeutung verliert

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Utensilien von Jurastudierenden ohne Hilfe der Digitalisierung. | Bild: Sessen Araia

Berufswelt Warum das Jurastudium an Bedeutung verliert

Utensilien von Jurastudierenden ohne Hilfe der Digitalisierung. | Bild: Sessen Araia
 

01 Dec 2021

Kannst du dich noch daran erinnern, wann du das letzte Mal im Reisebüro warst? Vermutlich nicht. Denn einige Berufe haben aufgrund der Digitalisierung an Bedeutung verloren – auch wenn es sie natürlich immer noch gibt. Dazu gehört auch der Beruf der Anwält*innen.

Sessen Araia

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2021

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Nach Abschluss des Jurastudiums, entscheiden sich die meisten Studierenden für das Berufsbild des Anwalts oder der Anwältin. Aufgrund der Digitalisierung haben sich juristische Suchmaschinen und Kanzleimanagementsoftware bemerkenswert weiterentwickelt. Werden Anwält*innen in der Zukunft also noch benötigt? Heutzutage erledigen Maschinen die Arbeit viel schneller als Menschen. Die meisten juristischen Arbeiten werden über „Legal Tech“ vollbracht. Das bietet sich auch an, da die Mehrheit der Gesellschaft viel Zeit an ihrem Smartphone verbringt.

Definition Legal Tech:

Das Wort "Legal Tech", setzt sich aus „legal services“ und „technology“ zusammen und bezeichnet die Digitalisierung der juristischen Arbeit. Dabei sollen einzelne Arbeitsprozesse, aber auch ganze Rechtsdienstleistungen, vermehrt automatisiert ablaufen, um eine Effizienz- und Qualitätssteigerung zu erzielen und somit auch Kosten einzusparen. Legal Tech zeichnet sich dabei nicht immer durch besonders anspruchsvolle oder hochentwickelte IT-Technologie aus. In der Praxis können auch „einfache“ Anwendungen (z. B. mit Microsoft-Excel) erste Ansätze für Legal Tech sein. Vielmehr steckt hinter dem Begriff Legal Tech auch eine spezifische Herangehensweise, bei der Rechtsberatung nicht mehr als individuelle Dienstleistung, sondern als (teilweise) skalierbares Produkt gesehen wird.

Quelle: Definition: Was ist Legal Tech? - legal-tech.de

Somit ist es für uns praktischer über Portale wie „Frag einen Anwalt“ unsere Informationen zu beschaffen. Man spart dadurch nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Denn ein persönlicher Besuch bei Jurist*innen kann zu hohen Kosten führen. Bei „Frag einen Anwalt“ bestimmen Fragesteller*innen den Preis selbst sollte sich also kein Anwalt oder keine Anwältin melden, kann man den Preis immer noch erhöhen. Zudem lässt sich die Frage privat oder öffentlich stellen. Entscheidet man sich für Letzteres, könnten andere von dem Rechtsproblem profitieren, ohne selbst zahlen zu müssen. Die Antwort auf die Frage wird nach zwei Stunden zur Verfügung gestellt.

Mit dieser Motivation beschäftigen sich Jurist*innen laut der "Großen Legal Tech-Umfrage 2020"mit Legal Tech. | Bild: Sessen Araia

Selbst für die Formulierung eines Testaments oder jeglicher Art von Vertrag ist ein privates Treffen mit Jurist*innen nicht mehr zwingend notwendig. Auf „Smartlaw“, einer von Anwält*innen mitentwickelten Webseite zur Erstellung von Verträgen und Dokumenten, findet man alles was man braucht. Smartlaw bietet Zugriff auf mehr als 190 dynamische Vorlagen. Mithilfe des Systems erstellt man darauf basierend sein persönliches Rechtsdokument. Gegliedert wird unter den Kategorien Business und Unternehmen, Vermieten und Immobilien und Familie und Privates. Es ist also für jeden etwas dabei. Die Preise variieren hierbei von null bis 79 Euro. Man spart in diesem Fall also auch noch Geld. Dies ist besonders für junge Leute, die ein Unternehmen gründen wollen sehr ansprechend, da sie oftmals über ein geringes Budget verfügen. Auch das Schleppen der Gesetzbücher können sich Jurastudent*innen und Jurist*innen dank der Digitalisierung ersparen und haben nun einen leichteren Zugang zu den Normen und Gesetzen. Doch wie gehen Anwält*innen mit der neuen Situation um?

In diesen Bereichen sehen Anwält*innen laut der "Großen Legal Tech-Umfrage 2020" die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung. | Bild: Sessen Araia

Leben ohne Anwält*innen?

Doch wenn es keine Anwält*innen geben würde, könnte dies natürlich auch Nachteile mit sich bringen. Schließlich ist es im Gerichtssaal von Vorteil Anwält*innen neben sich zu haben, die einen verteten, da ein Mensch für die Argumentation und Vertretung seiner Mandant*innen benötigt wird. Zudem werden sie darauf spezialisiert, ihre Mandant*innen zu verteidigen, somit können sie manchmal selbst die größten Straftäter*innen als unschuldig darstellen. Die Überzeugungskraft eines Menschen hat seine Vorteile, aber natürlich auch seine Nachteile. Denn der Freispruch von Straftäter*innen ist ungerecht und versetzt andere Menschen in Angst. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Fall von Casey Anthony. Die damals 22-jährige Amerikanerin wurde im Jahr 2008 verdächtigt, ihre zweijährige Tochter umgebracht zu haben. Obwohl es viele tatkräftige Beweise gegen sie gab und sich die Menschen sogar vor ihrem Haus versammelten, um zu protestieren, wurde sie freigesprochen. In der Dokumentation „Casey Anthony American Murder Mystery“ sieht man Teile des Gerichtsprozesses. Darüber hinaus ist es fraglich, ob Jurist*innen nicht besser darin sind, die Mandant*innen zu beraten, wobei man sagen muss, dass es digital viel praktischer ist.

Schlussfolgernd kann man also sagen, dass der Beruf der Anwält*innen sich verändert hat und ein persönlicher Besuch bei Ihnen nicht mehr in jedem Fall notwendig ist. Die Digitalisierung bringt deutliche Vorteile mit sich und hat Jurist*innen viele Aufgaben erleichtert, die der Gesellschaft das Leben vereinfachen und die Kosten sparen. Dadurch dass die Digitalisierung sich immer mehr weiterentwickeln und durchsetzen wird, werden mutmaßlich weitere Tätigkeiten übernommen, doch ein Leben ganz ohne Anwält*innen ist auch nicht vorstellbar.