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Eine Kolumne mit Migrationshintergrund
"Gehst du auch damit duschen?"

MEINUNG
Jetzt mal im Ernst: sieht das richtig aus? | Bild: Kübra Kilic

Eine Kolumne mit Migrationshintergrund "Gehst du auch damit duschen?"

Jetzt mal im Ernst: sieht das richtig aus? | Bild: Kübra Kilic
 

16 May 2021

Mehr als 5,5 Millionen Muslim*innen leben in Deutschland. Damit gehören auch kopftuchtragende Frauen zur kulturellen Vielfalt in diesem Land. Dennoch müssen sich Hijab tragende Frauen immer wieder die gleichen Fragen anhören.

Kübra Kilic

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020

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„Duschst du mit deinem Kopftuch?“ Man möchte es kaum glauben, aber diese Frage wird gefragt. Immer wieder. Sie ist laut kopftuchtragender Frauen ein Klassiker, der dummen Fragen. Hier mal ein mühsamer Aufklärungsversuch: Natürlich springt keine Frau der Welt mit einer Kopfbedeckung unter die Dusche. Ziel des Duschens ist es, wie allemal bekannt sein sollte, seinen Körper zu waschen. Auch die Haare kommen nicht drumherum. Eine kleine Waschanleitung: Das Kopftuch kann man wie jedes andere Kleidungsstück auch, je nach Stoff, bei 30-40-60 Grad problemlos in die Wäsche geben. Damit werden Kopf und Tuch unabhängig voneinander sauber. Juhu!

Die Frage „Gehst du überhaupt zum Friseur? Sieht doch eh keiner.“ gehört ebenso zu den Spitzenreitern. Ja, tatsächlich gehen auch Hijab tragende Frauen zum Friseur. Erstens möchten sicher die wenigsten Frauen, dass ihre Haare ähnlich wie bei Rapunzel unkontrollierbar und kilometerweit bis in die nächste Stadt wachsen. Zweitens muss ein neuer Haarschnitt nicht zwingend dazu dienen, ihn der ganzen Welt zu präsentieren. Man kann doch auch einfach mal etwas Nettes für sich selbst tun. Das kommt nämlich gleichzeitig auch dem eigenen Selbstwertgefühl zugute.

Der Begriff "Hijabi" hat in den letzten Jahren verstärkt Einzug in unsere Sprache gehalten. Auf sozialen Plattformen wie Instagram stolpert man immer häufiger über dieses Wort. Für die Noch-Laien unter uns: Mit "Hijabi" bezeichnen sich immer mehr Frauen untereinander, die ein Kopftuch oder eben auf Arabisch ein „Hijab“ tragen. Der Begriff ist jedoch etwas umstritten. Da sich manche Hijab tragende Frauen dadurch nur auf ihre Kopfbedeckung reduziert fühlen, verzichte ich in diesem Beitrag auf die Verwendung dieses Begriffs.

Der Sommer ist eigentlich die Zeit des Sonnenscheins, der Freude und der langen Abende mit Freund*innen. Für Hijab tragende Frauen wiederum die Zeit der Frage aller Fragen: „Wie hältst du es bei der Hitze aus?“ Doch zugegeben, diese Frage ist gar nicht mal so verkehrt. Je weniger Stoff, desto passender zu sommerlichen Temperaturen – denkt man zumindest. So ganz stimmt das aber nicht, denn es kommt auch auf Material und Farbe an. Für wärmere Tage eignen sich gerade lockere Kleidungsstücke aus Naturfasern wie Leinen oder Baumwolle. Helle Farben absorbieren weniger Sonnenstrahlen und mehr Stoff kann den einen oder anderen Sonnenbrand verhindern.

„Und warum?“ Wie wäre es an dieser Stelle mit einer einfachen Gegenfrage: Sollte eine Frau nicht einfach das tragen können, worauf sie Lust hat? Ob Hotpants oder eben Hijab, es sollte doch langsam wirklich keine Rolle mehr spielen. Wie wäre es also damit, ungefragte Kommentare endlich beiseitezulegen und stattdessen Komplimente an ALLE Menschen zu verteilen? Zwei nette Beispiele: "Dein Hijab passt wunderbar zu deinem Kleid!" oder "Die Farbe deines Shirts lassen deine Augen richtig funkeln!"

Eine weitere Folge von "Eine Kolumne mit Migrationshintergrund" findest du hier.