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Die Aufmerksamkeit lässt zu wünschen übrig, im Kino wäre das ganz anders. | Bild: Kübra Kilic

Kunst&Kultur Kino vs. Streaming
Ein Liebesbrief ans Kino

Die Aufmerksamkeit lässt zu wünschen übrig, im Kino wäre das ganz anders. | Bild: Kübra Kilic

04 Feb 2021

Netflix und Co. sind Erzfeinde des Kinos. Jetzt bietet auch noch Warner Bros. Filme auf dem eigenen Streamingportal an – und das gleichzeitig mit den Kinostarts. Wer braucht denn so etwas? Eine Glosse.

Dilara Colak

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020
CR

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Kübra Kilic

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020

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Liebes Kino, wir betreten dich und schon begrüßt uns der süße Duft von Popcorn. Die Blicke wandern zur Kasse, bis es dann endlich zum Sitzplatz-Deal mit dem*der Verkäufer*in kommt. Noch ein paar Naschereien ergattert, geht es weiter in den Saal. Unbeholfen stolpern wir im Dunkeln zu unseren Plätzen, kommt auch schon die nächste Überlegung: Das Eis gönnen oder nicht? Dann fängt der Film auch endlich an. Schöne Vorstellung, nicht wahr? Leider bleibt es aktuell auch nur bei dieser Vorstellung.

Was ist mit dem magischen Moment?

Liebes Kino, als ob deine Schließung schon nicht genug wäre, geht dir dein jahrelanger Partner Warner Bros. auch noch fremd: Der Kinoriese will plötzlich gar kein Kinoriese mehr sein. Sie gehen der Supererfindung nach, die eigenen Filme zeitgleich auf einer Streamingplattform anzubieten. Wie unoriginell. Was wird dann aus dem magischen Moment, einen Film bei einer Kinopremiere vor allen anderen zu sehen?

Wir alle wissen, wie ein „Netflix-Abend“ mit dem*der Partner*in verläuft: Zunächst einmal geht es an die ewig lange Filmsuche, schließlich muss er beiden gefallen – und es ist gar nicht mal so leicht, DEN passenden Film zu finden. Endlich etwas Akzeptables gefunden, pennt der*die Partner*in in den nächsten fünf Minuten schon ein. Was ein toller Heimkino-Abend! Und mit den Warner Bros.-Filmen im Stream wird es nicht anders laufen.

126 Jahre Kultur sollen weg?

Liebes Kino, dich gibt es nun schon seit 126 Jahren und mindestens genauso lang soll es dich auch weiterhin geben. Wir erinnern uns so gerne an unseren aufregenden ersten Kinobesuch mit den Eltern, Jahre später an unser erstes Date im Kino.

„Ein Kinobesuch ist ein Erlebnis, Streaming hingegen ist nichts Besonderes mehr.“ – Enes Deveci, ein Filmliebhaber aus Pforzheim

Du bist ein wichtiger Teil der Kultur und bietest uns ein ganz anderes Wahrnehmungsgefühl. Die riesige Leinwand, der perfekte Sound und die hohe Bildauflösung verleihen uns schon fast das Gefühl, mitten im Film zu sein. Für dich verzichten wir sogar gerne darauf, ständig die Nachrichten auf unserem Smartphone zu checken – du ziehst uns in deinen Bann. Im Grunde besitzt du sogar die Macht, dass wir Besucher*innen uns für dich schick machen, obwohl wir doch die ganze Zeit über im Dunklen sitzen.

Sind Kinokarten bald nur noch im Museum zu sehen? | Bild: Kübra Kilic

Ach ja und zu Warner Bros.: Wollen die dich allen Ernstes im Stich lassen? Sie gaben zwar an, nach der Pandemie zurück zu dir zu kommen, allerdings sind sie sich dabei selbst nicht so sicher. Wir verstehen den Willen, Filme während der Schließung der Kinos trotzdem zu zeigen. So sollen sie gefälligst auch bei diesem Ein-Jahres-Plan bleiben! Sonst schadet Warner Bros. einem riesigen Kulturgut, sehen die das denn nicht? Was wird außerdem jetzt mit den ganzen ersten Dates oder den abendlichen Gruppentreffen mit den Freunden?

Romantik auf der Couch?

Zwar hat dir Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht und du bist gezwungen, eine Pause einzulegen, doch wir vermissen dich weiterhin sehr und möchten dich bald wieder besuchen. Streamingdienste sind ab und zu vielleicht nicht schlecht, doch niemals ein Vergleich zu einem persönlichen Besuch bei dir. Und sind wir ehrlich: Die Romantik auf der Couch geht beim Streamen schneller verloren, als uns lieb ist.