Media Night 3 Minuten

Kaffee auf Rädern

Der Telepräsenzroboter temi bei der Auslieferung.
Der Telepräsenzroboter temi bei der Auslieferung. | Quelle: Georg Bühler und Mateo de Frenne
29. Juni 2026

Ein Roboter, der Heißgetränke in der Cafeteria automatisiert ausliefert und gleichzeitig die Wartezeit reduziert? Was futuristisch klingt, wollen zwei Master-Studenten von der Hochschule der Medien umsetzen – doch es gibt einen Haken.

Großes Gedränge, kurze Pause und hektischer Betrieb: Die Schlange an der Cafeteria kann zu einem echten Geduldsspiel werden. Wer nur schnell einen Kaffee holen will, steht oft nicht nur hinter den Bestellenden, sondern auch hinter jenen, die bereits bezahlt haben und nun auf ihr Getränk warten. Genau dieses Durcheinander wollen Georg Bühler und Mateo de Frenne bei der Media Night am 02.07. entzerren.

Autonom durch die Sendepause

Im Rahmen des Masterstudiengangs Computer Science and Media entwickeln die beiden Studenten eine Android-App für den Telepräsenzroboter temi. Die Grundidee: Nach dem Bezahlen warten die Gäste nicht mehr direkt an der Theke, sondern gehen in einen abgetrennten Wartebereich. Der Kaffee kommt anschließend auf Rädern hinterher.

temi ist eigentlich kein Gastronomieroboter. Er kann fahren, verfügt über ein Display, Sensoren und Kameras. Außerdem kann er sich im Raum orientieren und theoretisch sprechen. Für die Cafeteria erhält der Roboter nun eine neue Aufgabe: Er soll Getränke von der Theke zu den wartenden Gästen bringen.

Am gewöhnlichen Ablauf ändert sich zunächst wenig. Bestellt und bezahlt wird weiterhin wie gewohnt an der Cafeteria. Da Bühler und de Frenne keinen Zugriff auf das bestehende Kassensystem haben, werden die Bestellungen über ein zusätzliches Display an den Roboter weitergeleitet. Dort können die Mitarbeitenden mit wenigen Klicks eintragen, welche Getränke zubereitet wurden. Anschließend werden die Becher auf den Roboter gestellt. Für den Transport haben die Studenten eigens einen Aufsatz aus dem 3D-Drucker entwickelt, in den vier Becher passen. 

Sobald die Getränke vom Personal bestätigt sind, setzt sich temi in Bewegung. Zuvor haben Bühler und de Frenne die Cafeteria vermessen und dem Roboter seine Route beigebracht. Wie ein Staubsaugroboter merkt er sich sein Arbeitsgebiet. Durch festgelegte Sperrzonen fährt er nicht quer durch den Raum, sondern hinter den Kühlschränken entlang zum Wartebereich. Dort können die Gäste ihre Getränke entnehmen und die Ausgabe bestätigen. Danach fährt temi selbständig zurück zur Theke und wartet auf die nächste Lieferung. 

„Die Route ist hinter den Kühlschränken, da haben wir einen kleinen Weg, wo er durchfahren kann, ohne dass er auf Menschen trifft.“
Mateo de Frenne

Doch das Projekt soll mehr leisten als Kaffee von A nach B zu bringen. Es soll auch darum gehen, wie Menschen mit einem Roboter im Alltag umgehen. Auf dem Display wird angezeigt, welches Getränk an welcher Position steht. Der Ablauf soll verständlich bleiben, das Personal möglichst wenig zusätzlich belasten und zugleich einen gewissen Reiz entfalten. Ein Roboter, der mit Kaffeebechern durch die Cafeteria fährt, dürfte schließlich kaum unbemerkt bleiben.

Von links nach rechts: Georg Bühler und Mateo de Frenne
Von links nach rechts: Georg Bühler und Mateo de Frenne
Quelle: Nicolas Bläse

Die Umsetzung stößt an ihre Grenzen

Der Haken liegt in der Praxis. Ursprünglich sollte der Prozess noch stärker automatisiert werden: Ein QR-Code auf dem Kassenbeleg sollte die Bestellung direkt ins System des Roboters übertragen. Das funktionierte nicht zuverlässig genug, weil die Belege wichtige Unterscheidungen, etwa zwischen normaler Milch und Hafermilch, nicht eindeutig abbildeten. Damit temi dauerhaft sinnvoll eingesetzt werden könnte, müsste außerdem das Kassensystem der Cafeteria angepasst werden. Solange ein zusätzliches Tablet nötig ist, entsteht für das Personal ein weiterer Arbeitsschritt. Bis dahin bleibt der Kaffee auf Rädern ein realistischer Testlauf.