Interwoven 4 Minuten

Wenn die Menschheit Antwort aus dem All erhält

Die Kapsel aus dem All.
An der Hochschule der Medien entsteht eine außerirdische Erfahrung. | Quelle: Luis Pérez Schneider
29. Juni 2026

Eine mysteriöse Raumkapsel, 16.000 LEDs und viel Teamwork: Wie eine Studioproduktion an der Hochschule der Medien Stuttgart Science-Fiction zum Leben erweckt.

Was wäre, wenn die „Golden Record“ der Voyager-Mission aus den 70ern nicht nur durchs All treiben würde, sondern tatsächlich eine Antwort von Außerirdischen zurück käme? Genau mit diesem Gedanken spielt „Interwoven“, ein semesterübergreifendes Projekt mehrerer Studiengänge der Hochschule der Medien (HdM). In der Geschichte haben Außerirdische die Schallplatte mit Informationen über die Menschheit gefunden, die in den 70ern ins All geschickt wurde und schicken nun eine eigene Botschaft zurück. Die Gruppe baute in diesem Rahmen eine begehbare Raumkapsel, die bei der MediaNight zum Leben erwacht.

Voyager & die „Golden Record”

1977 schickte die NASA zwei Voyager-Sonden ins All. An Bord: die „Golden Record” – eine vergoldete Schallplatte mit Klängen, Musik und Grüßen in 55 Sprachen, als Botschaft an mögliches außerirdisches Leben. Eine Antwort kam nie. Genau hier setzt „Interwoven” an.

Doch wer die Kapsel betritt, beobachtet nicht bloß. Die Besucher*innen übernehmen die Rolle von Forschenden, die ein unbekanntes Objekt untersuchen. Statt eines klassischen Spiels um Punkte entsteht eine immersive Erfahrung, die auf Neugier, Atmosphäre und Interaktion aufbaut. Im Zentrum steht hier weniger das Lösen möglichst vieler Rätsel, sondern das Gefühl, selbst Teil einer ersten Begegnung mit etwas Außerirdischem zu werden.

Die Kapsel - Raumschiff oder Organismus?

Auch optisch lebt „Interwoven“ von Gegensätzen. Außen erinnert die Kapsel an ein technisches Objekt, im inneren sieht sie hingegen organischer aus. Kristalle, abstrakte Pflanzen und ein Netz reaktiver „Adern” aus LEDs lassen die Installation eher wie einen fremden Organismus wirken. Hinter der Erzeugung dieser Illusion steckt das volle technische und kreative Engagement des Teams.

Ein zentrales Element ist der Scanner, mit dem alle Forscher*innen ausgestattet werden. Mithilfe von Lighthouse-Tracking erkennt er die Position der Nutzenden im Raum und ermöglicht Interaktionen mit verschiedenen Objekten und Bereichen der Kapsel. Das optische Highlight ist der Chandelier. Ein Netzwerk aus 290 LED-Streifen mit etwa 16.000 LEDs, das im Raum wie ein Hologramm wirkt. 

Der Inneraum während des Aufbaus
Die sechs Meter hohe Kapsel mitten im Bau. | Quelle: Luis Pérez Schneider
Das Team bei der Entwicklung und Planung
Die Planung und Entwicklung findet im Lab direkt nebenan statt. | Quelle: Luis Pérez Schneider
Ein erster Miniatur-Prototyp der Kapsel
So sah der erste Miniatur-Prototyp der Kapsel aus. | Quelle: Luis Pérez Schneider

Neben diesen visuellen Elementen spielt auch der Sound eine entscheidende Rolle. Atmosphärische Geräusche, Explosionen und eine Synchronsprecherin, die durch das Erlebnis führt, ziehen die Besucher*innen noch tiefer in die Story hinein. Ermöglicht wird das durch einen Ring aus Stahlträgern mit zahlreichen Lautsprechern, welcher einen beeindruckenden Surround-Sound erzeugt. So wird aus einer Idee zwischen Science-Fiction und Escape Room ein Projekt, das nicht nur gesehen, sondern in Echtzeit erlebt werden kann.

Wenn Visionen auf eine Deadline treffen

„Von Problemen gibt es immer eine Menge“, erklärt Teammitglied Jona, der für die Medientechnik zuständig ist. Beispielsweise waren die Ansprüche an das Storytelling zu Beginn sehr hoch angesetzt. Zudem stellte sich die Koordination der rund 20 Studierenden sowie der weiteren Mitwirkenden als schwierig heraus. Insgesamt waren 35 Personen an dem Projekt beteiligt. Aufgrund dieser organisatorischen Herausforderungen und des Zeitmangels mussten im Verlauf des Projekts viele ursprüngliche Ideen verworfen werden.

„Kill your Darlings“
Jona Preising, Medientechniker des Projekts

„Kill your Darlings“, kommentierte Jona die nicht verwirklichten Visionen. Diese Aussage verdeutlicht die enge Verbundenheit und Leidenschaft, mit der die Studierenden dem Projekt begegneten. Das spiegelt sich auch in ihrer Arbeitseinstellung wider: Um die gesetzten Anforderungen zu erfüllen und das gewünschte Ergebnis zu erreichen, arbeiten sie teilweise bis spät in die Abendstunden oder sogar an Wochenenden, um das Erlebnis fertigzustellen.

„Interwoven“ nimmt Kurs auf neue Galaxien

Das Projekt wird auch nach der MediaNight weiterleben. Hierfür erstellt das Team einen sogenannten „Starschnitt“ – ein Video mit Voice-Over, das die fertige Produktion sowie ihre interaktiven Elemente dokumentiert und präsentiert.

Darüber hinaus plant das Team, „Interwoven“ bei verschiedenen Wettbewerben einzureichen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Art Directors Club (ADC), dem größten Kreativwettbewerb dieser Art in Deutschland. Studienproduktionen der HdM konnten dort in der Vergangenheit regelmäßig Auszeichnungen in Gold, Silber oder Bronze gewinnen.

Wann und Wo?

Besucher*innen können das Projekt am 2. Juli 2026 vor Beginn der MediaNight 
sowie vom 3. bis 4. Juli 2026 im Hauptgebäude (Raum U53) der HdM finden.

Tickets

Kostenlose Tickets und die Buchung eines Zeitslots gibt es hier.

Noch nicht genug?

Weitere Einblicke in den Projektalltag gibt es auf dem Instagram-Kanal hdm.eventmedia.