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Ausschnitt aus dem Film-Poster von „Blind“: Goldfisch Franz und Darsteller Ernst schauen sich tief in die Augen. | Bild: Film „Blind“

Film Schuldiger gesucht

Ausschnitt aus dem Film-Poster von „Blind“: Goldfisch Franz und Darsteller Ernst schauen sich tief in die Augen. | Bild: Film „Blind“

05 Feb 2021

Corona ist eine Verschwörung, den Klimawandel gibt es nicht und Bidens Wahlsieg war Betrug, da sind sich manche sicher. Der Kurzfilm „Blind“ von Studierenden der Hochschule der Medien, ist ein Einblick in das Leben eines gutmütigen jungen Mannes, der in seine eigene, skurrile Realität flüchtet.

Paul Weinbrenner

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
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Für die Viertsemester des Studiengangs Audiovisuelle Medien ist Blind mehr als ein Projekt fürs Studium. Das 31-köpfige Team hat vom Set über die Story bis hin zum Acting richtig was aufgefahren.

Schon mit seiner ersten Einstellung hat Blind mich eingefangen. Daran sind Amelie Irouschek und Katja Rieger schuld. Denn dieses Dream-Team hat Ebay-Kleinanzeigen und Omas Wohnung durchforstet und mit dem, was sie dort fanden, ein Set geschaffen, das mit seiner urigen Atmosphäre besticht. Holzvertäfelte Wand, Röhrenfernseher und Spitzendeckchen – man kann sich gut vorstellen, dass hier ein gutmütiger Mensch namens Ernst lebt, der gerne puzzelt und sich mit seinem Goldfisch unterhält.

Ein einfacher Mensch eben, dem Darsteller Dennis Wilkesmann Leben einhaucht. Dieser ist studierter Schauspieler für die Bühne und das merkt man auch. Seine betonte Aussprache würde man manchmal eher im Theater erwarten als im Film, allerdings lebt dieser auch vom vollen Einsatz des Darstellers. Vor allem, als Goldfisch Franz an seinem eigenen Geburtstag verstirbt und Ernst in eine Abwärtsspirale des mentalen Verfalls gerät, ist das Acting filmreif.

„Das Set haben wir von Amelies Oma geklaut.“ – Katja Rieger

In seinen zwölf Minuten greift Blind das Thema der Realitätsverweigerung eindrücklich und zeitweise humorvoll auf. Genau wie Ernst verfallen immer mehr Menschen Verschwörungstheorien, die mit klaren Feindbildern und einfachen Rechtfertigungen des eigenen Handelns locken. In Zeiten von Klimawandel und Corona oder eben nach dem Tod der einzigen Bezugsperson kann man das gut nachvollziehen. Ich selbst werde zum Realitätsverweigerer, wenn ich wieder mal mein Lieblings-Paar Socken nicht finden kann. Dann bin ich mir sicher, eine höhere Macht oder zumindest meine Freundin muss schuld sein. Befreit von jeglicher Eigenverantwortung laufe ich fluchend durchs Haus, anstatt nach meinen Socken zu suchen.

Insgesamt hat Blind für mich technisch sowie inhaltlich alles gehalten, was die Filmstills versprechen. Wer das Vorab-Screening im Rahmen der diesjährigen Media Night verpasst hat, kann sich auf der Seite des Projekts den Trailer und ein Making-of ansehen. Außerdem ist der komplette Film noch für kurze Zeit online. Danach muss man sich noch etwas bis zur voraussichtlichen Premiere im Sommer 2022 gedulden.

Hier geht es zur Blind-Seite in der HdM-Mediathek.

Ernst schaut wie hypnotisiert in seinen Röhrenmonitor. So nah am Bildschirm, das ist sicher nicht gut für die Augen. | Bild: Film „Blind“
Ernst starrt entgeistert auf eine Zeitung. Oft kann man es einfach nicht fassen. | Bild: Film „Blind“
Holzvertäfelte Wand, Teppichboden und Spitzendecke, die 50er- und 60er-Jahre sind zwar nicht jedermanns Geschmack, aber atmosphärisch ist das Set auf jeden Fall. | Bild: Film „Blind“
Während sich Darsteller Dennis Wilkesmann komplett auf seine Rolle konzentriert, arbeiten Alexander Birzele und Benedikt Kaiser zusammen, um alles in den Kasten zu bekommen. | Bild: Film „Blind“
Johannes Nobis (ganz hinten) und Ruben Jentschke (mitte, links) sind für den Kamerafokus und die Klappe zuständig. Den Ton übernimmt Jens Kothe. Regisseurin Anna Smirnov und Assistent Samuel Ramm (vorne) sorgen für das reibungslose Zusammenspiel. | Bild: Film „Blind“