Kartenlegerin und Schamanin Karin Kristan verhilft ihren Kunden zu Klarheit. | Bild: Annie Spratt (Unsplash); Karin Kristan

Interviews Kartenlegen
Die Zukunft liegt in ihren Händen

Kartenlegerin und Schamanin Karin Kristan verhilft ihren Kunden zu Klarheit. | Bild: Annie Spratt (Unsplash); Karin Kristan

23 Apr 2020

Kartenlegerin und Schamanin Karin Kristan hat sich entschieden. Sie will anderen Menschen helfen, einen klaren Blick auf zukünftige Ereignisse zu bekommen. Aber welche Rolle spielen dabei Bibi Blocksberg und eine Packung Schrimps? Ich frage nach und stelle fest: jeder kann die Zukunft deuten.

Celina Arnemann

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2018
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Wie antworten Sie, wenn andere Sie nach Ihrem Beruf fragen?

Dann stelle ich mich als spirituelle Lebensberaterin und Kartenlegerin vor. Ich arbeite aber auch in Heilsessions mit schamanischen traditionellen Heiltechniken.

Aber Sie würden sich nie als Hellseherin bezeichnen?

Niemals! Ich nehme zum Beispiel immer Hilfsmittel dazu, wie die Karten oder das Pendel. Eine reine Hellseherin nimmt keine Hilfsmittel, so würde ich das sagen. 

Das sind dann die “hellen Sinne”?

Genau.

Gibt es auch ein dunkles Pendant dazu?

Natürlich gibt es in der Dualität immer einen Gegenpol. Zum Beispiel ein Gegenüber, das die hellen Sinne nicht akzeptiert, sondern vielleicht ablehnt, blockiert. Das kann ja unterschiedliche Ursachen haben. Jeder hat eine Einstellung dazu, die vielleicht auch negativ ist und der Zugang verschüttet oder blockiert sein kann. 

Wie fühlen Sie dann eine Antwort? Wie ein Film? Eine Intuition? 

Ja, man kann schon sagen, dass es eine starke Intuition ist. Es drückt sich auch in Gefühlen aus. Ob jetzt eine Antwort richtig oder falsch ist, merke ich vielmehr hier (deutet auf Bauch) im Solar Plexus, wenn das Gefühl eher “reindrückt” oder aufgeht.

Kann das jeder lernen?

Ich denke, jeder Mensch ist damit ausgestattet diese Fähigkeiten zu entwickeln. Der eine eben mehr, der andere eher weniger. Man kann sagen „jeder hat zwei Beine“, theoretisch könnte damit jeder Weltmeister im Stabhochsprung werden - aber das schafft auch nicht jeder. Also kommt es auf das Level an. Aber Intuition, Bauchgefühl, eine eigene innere Einschätzung, hat im Grunde genommen schon jeder. Das ist auch ein ganz starker Instinkt, lebensnotwendig, wird aber nicht immer trainiert. 

Ist es eine Art „Berufung“, ein Aufwachen wie aus Trance?

Ein ganz einfaches Beispiel: die meisten haben schon mal eine Vorahnung gehabt zu einem bestimmten Ereignis und hinterher kam es dann tatsächlich so. „Ah, hab‘ ich es doch vorher gewusst!“ und dann ist man wahrscheinlich eher dem Verstand gefolgt als dieser spontanen Eingebung, die ja zu Beginn schon da war. 

Aber Sie haben diese Intuition schon recht früh bemerkt und verorten können. Wie war das Gefühl, als Ihnen das zum ersten Mal bewusst geworden ist? 

Also das Bewusstsein war schon so in meiner Kindheit da, dass mich Geister- und Hexengeschichten wie magisch angezogen haben. Die einen sind zu Biene Maja eingeschlafen und ich habe aber…

…Bibi Blocksberg gehört.

Nein, die gab es da noch nicht (lacht), aber es gab andere Geschichten, zu denen ich eingeschlafen bin. Auch Orakeltechniken haben mich schon früh interessiert. Ich habe sogar schon mit Zwölf angefangen zu pendeln.

Und nach der Schule waren Sie Rechtsanwaltsfachangestellte.

Ja, ich habe einen sehr bodenständigen Beruf gelernt. Nach der Schule, muss man halt irgendwas lernen und so ganz ein klares Bild hatte ich damals einfach noch nicht. 

Was war dann der Punkt, an dem Sie für sich gesagt haben: “So, jetzt war’s schön, aber jetzt mache ich dann doch das, wohin mich mein Innerstes zieht”? 

Das war bei mir eher ein fließender Prozess. Ich habe sehr lange Karten für mich allein gelegt und als ich mit 25 in einer eigenen persönlichen Krise gesteckt habe, habe ich zum ersten Mal selbst den Rat einer Kartenlegerin eingeholt. Und dann saß ich vor ihr und sie meinte “du kannst das auch”. Dann hatte ich bei einer anderen Kartenlegerin professionellen Einzelunterricht . Das war für mich der Startschuss.

Wie kann ich mir so eine Ausbildung vorstellen? 

Man bekommt unterschiedliche Legetechniken gezeigt. Aber am einfachsten ist es, man stellt es sich wie eine neue Sprache vor, die man lernen möchte. Die Karten haben alle eine Bildersprache. Jedes Bild hat alleine und im Kontext mit anderen Karten, eine Bedeutung. Je nachdem welche Karten zusammenliegen, ergibt das eben eine Geschichte. Das Schiff steht dann zum Beispiel für Aufbruch, Reise, Sehnsüchte, aber auch für Wünsche und Hoffnungen. Ein Ring steht für Verpflichtungen, Ehe, Partnerschaft. Im Zusammenhang mit der Karte des Schiffs, würde das eben für eine Wunschbeziehung stehen. 

Worauf kommt es denn an wenn Sie arbeiten? 

Gut, die Anbindung zur geistigen Ebene ist natürlich das A und O, ob man jetzt spirituell oder schamanisch arbeitet. Auch mit den Karten muss man eben seine geistige Ebene trainieren. 

Sind Sie auf Ihr Gegenüber angewiesen, ob derjenige sich öffnet, um Zugriff zu dieser Quelle zu erlangen?

Im Grunde genommen braucht man natürlich auch das Einverständnis. Ich habe auch kein Interesse daran, in jeden hineinzuschauen. Wenn mich jemand darum bittet etwas herauszufinden, dann ja, aber ich gehe jetzt nicht von mir aus auf jeden zu oder sage „du musst jetzt das und das tun”. 

Und was passiert, wenn jemand mit einer moralisch verwerflichen Frage zu Ihnen kommt und Sie etwas Grenzwertiges fragt, kann es dann sein, dass Ihnen vom Gefühl dieser Zugang verweigert wird?

Es kommt natürlich vor, dass ethisch unkorrekte Fragen gestellt werden, die beantworte ich dann nicht. Das sage ich auch klar, dass ich aus den und den Gründen die Frage nicht beantworten werde. Damit ich antworte, muss es schon direkt mit der Person zu tun haben, die die Frage stellt und es darf nicht zum Nachteil einer anderen Person sein. 

Also gibt es Tabufragen? 

Wenn mich jemand nach seinem Todestag fragt zum Beispiel, dann beantworte ich diese Frage nicht. Die Antwort würde sich in jedem Fall in das Gedächtnis des Fragenden einbrennen. 

Wenn Sie sich in alltäglichen Situationen befinden, können Sie dann schon etwas über diese Fremden herausfinden oder müssen Sie dafür konkret befragt werden? 

Ich habe schon eine sehr starke Wahrnehmung und dann kann es vorkommen, dass auch ohne vorherige Fragestellung Informationen kommen. 

Kommt es darauf an, wie rum ich die Karten ziehe? 

Nein, weil ich die Karten immer selbst lege und nicht ziehen lasse. Wenn mal eine falsch herum liegt, dann liegt das daran, dass ich die Karten einfach nur falsch herum gemischt habe. 

Kann man als Kunde beim Kartenlegen schummeln? 

Nein, das geht nicht!

Warum nicht? Kann man sich nicht manipulieren? 

Man bekommt nur auf eine konkrete Frage auch eine konkrete Antwort. Die Karten werden trotzdem immer so gedeutet, wie sie gelegt werden. Wenn sich jemand gegen eine konkrete Frage entscheidet, dann kann ich das auch nicht konkret beantworten. Um ein gutes Ergebnis zu bekommen, ist es mir sehr wichtig, dass auch die Frage gut gestellt ist. 

Bei welchen Fragen kommt ein Pendel zum Einsatz? 

Ich habe verschiedene Pendeltechniken für verschiedene Anlässe. Eine Antwort ist nicht immer “ja” oder “Nein”. Ich kann mit dem Pendel aber prozentual die Tendenz der Antwort bestimmen.

Wenn jetzt eine Schwangere kommt und das Geschlecht wissen will? 

Da würde ich dann wieder die Karten nehmen. Aber das ist so eine Erfahrung, die ich einfach gemacht habe. Wenn aber zum Beispiel ein Banker zu mir kommt und wissen will, wie der Quartalsumsatz wird, nehme ich das Pendel und pendel den Betrag aus. 

Und die Ergebnisse stimmen dann?

Nicht bei allen, aber bei mir halt (lacht). Aber ich würde niemals mit “100 Prozent Trefferquote” werben. Das ist ja auch überhaupt nicht möglich! Ich habe nie von 100 Prozent der Beratungen, ein 100 prozentiges Feedback. Wie kann man da von einer 100 prozentigen Quote ausgehen? Da müsste ja jeder meiner Kunden, bei jedem kleinen Bisschen sagen, ob das nun zugetroffen hat oder nicht. 

Wie hat das denn mit dem Pendeln angefangen? 

Das war ziemlich lustig! Eine Freundin hat mich nämlich einfach gefragt, ob ich jetzt auspendeln könnte, wie viele Schrimps in der Packung sind.

Und? 

Ich habe dann gependelt und gesagt “in der Packung sind 19 Stück drin”. Sie hat nachgezählt und es waren 19 drin. Und so ist es entstanden, dass ich dann bei Zahlen das Pendel eingesetzt habe. 

Wie kann ich mir eigentlich Weihnachten bei Ihnen vorstellen? Was sagt ihre Familie dazu?

Die wissen natürlich davon und sind dem auch nicht abgeneigt. Ich wurde auch schon innerhalb der Familie befragt. Ansonsten ist Weihnachten wie bei jeder anderen Familie auch, bei uns wird nicht gependelt, was in den Geschenken ist - wir schenken uns aber mal abgesehen davon auch nichts. 

Vielen Dank für das Interview.