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In Dänemark sterben Millionen Nerze. Was sollten wir daraus lernen? | Bild: Elena Grunow

Politik&Aktion Kommentar
Wird Luxus zur Gefahr

In Dänemark sterben Millionen Nerze. Was sollten wir daraus lernen? | Bild: Elena Grunow

16 Jan 2021

In vielen europäischen Ländern werden Millionen Nerze getötet, weil das Coronavirus in den Pelzfarmen mutiert ist. Warum lernen wir nicht aus unseren Fehlern?

Elena Grunow


seit Wintersemester 2019
WissenschaftInnovation

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Mit seinen kleinen Pfoten tapst er durch sein Gehege, ganz unschuldig und nur dazu bestimmt, am Ende seines Lebens sein Fell Menschen zur Verfügung zu stellen. Die 63-jährige Gundula trägt ihn nach seinem Ableben gerne um den Hals, weil nur er ihr im Winter wirklich Wärme spenden kann. Ach, was würden die Europäer ohne ihre Nerze tun. Aber womit sie auf keinen Fall gerechnet haben: Dass diese Tiere ihnen großen Ärger einhandeln könnten.

In vielen Ländern Europas werden große Farmen mit Pelztieren betrieben, zum Beispiel in Dänemark. Bereits im Juni 2020 sind dort, wie auch in sechs anderen europäischen Ländern, Infektionen bei Nerzen mit SARS-CoV-2 aufgetreten. Daraufhin ist das Virus bei diesen Tieren mutiert und Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt. Wir hatten doch vor einem Jahr dieselbe Situation, in China, in Wuhan. Auf einem Markt, auf dem lebende Tiere gehandelt wurden. Damals ist das Corona-Virus vom Tier auf den Menschen übergesprungen, eine Zoonose nennt man das. Schon 1918 hat sich die spanische Grippe im Westen der Vereinigten Staaten aufgrund einer zu geringen Distanz zwischen Mensch und Tier ausgebreitet. Lernen wir nicht aus unseren Fehlern?

Wenn Menschen und Tiere zu nah aufeinander leben oder wenn der Mensch in den Lebensraum von wildlebenden Tieren eindringt, nur weil er über diesen Bereich des Planeten herrschen möchte, dann sind immer wieder neue Pandemiewellen im Anmarsch. Das alles führt dann dazu, dass die Wirtschaft stillsteht, Menschen ausschließlich Klopapier und Dosensuppen kaufen, Existenzen am Abgrund stehen und tausende Menschen an einem Virus sterben, für dessen Ausbreitung der Mensch selbst eine Teilschuld trägt.

Quelle: Statistics Denmark

Dies sieht man vor allem in Dänemark anscheinend nicht so. Dort züchten Bauern auf Farmen Millionen Nerze auf engstem Raum, zu tierunwürdigen Bedingungen. Zwar geht die Anzahl der gezüchteten Tiere zurück, aber warum sind sie überhaupt notwendig? Weil die 63-jährige Gundula auf ihrem Mantel unbedingt einen echten Nerz tragen möchte. Und wie ist man mit der Situation umgegangen? Allein in Dänemark wurden bis zu 17 Millionen Tiere gekeult. In Deutschland ist es seit April 2019 verboten, Nerze in Farmen zu züchten, um Pelze zu erzeugen. Warum gibt es dafür in anderen EU-Ländern wie Dänemark oder Spanien keine Regulierungen oder Verbote?

Realistisch betrachtet werden wir die herkömmliche Tierzucht nicht generell verbieten können, da sich laut der Veganz Ernährungsstudie immer noch knapp 70 Prozent der Deutschen auch von Tierprodukten ernähren. Dennoch sollte man unterscheiden, ob Tiere zum Zweck der Ernährung der Bevölkerung gezüchtet werden oder ob der einzige Antrieb der Tierzüchter ist, dass wir uns ein Luxusprodukt um den Hals hängen. Es ist Zeit, den Missständen in der Luxustierzucht Taten folgen zu lassen und sie europaweit zu verbieten. Sonst müssen wir, zusätzlich zu den unvermeidbaren Mutationen aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika, auch mit Mutationen aus dem Tierreich rechnen. Und so tapst der kleine Nerz bald nicht mehr durch sein Gehege, sondern liegt mit seinen vielen Kumpels gekeult auf einem Haufen. Hat es sich in Europa bald ausgenerzt?