Eine Trott-war-Verkäuferin auf der Stuttgarter Königsstraße. | Bild: Noa Siebert, Leah Haupenthal

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Von der Straße zum Verkäufer

Eine Trott-war-Verkäuferin auf der Stuttgarter Königsstraße. | Bild: Noa Siebert, Leah Haupenthal

30 Jun 2019

Keiner weiß, wer sie sind, und trotzdem kennt sie jeder. Die Straßenverkäufer von Trott-war. Ehemalige Obdachlose, Migranten und Suchtkranke bekommen eine zweite Chance im Leben. Egal ob freier Verkäufer oder Festangestellter, hier haben sie die Möglichkeit neue Bekanntschaften zu schließen, etwas Geld dazuzuverdienen und den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden.

Jeder kennt das Gefühl, man läuft über die Stuttgarter Königsstraße und sieht von weitem einen Spendensammler, jemanden der einem etwas über Jesus erzählen will, oder einen Straßenverkäufer. Der erste Instinkt ist es, hektisch nach unten zu schauen und einen großen Bogen um besagte Leute zu machen. Im Großraum Stuttgart tragen viele dieser Straßenverkäufer rote Westen mit schwarzem Aufdruck.

Wojtek Kökeny beim Zeitungen verkaufen in Stuttgart. Ein Trott-war-Verkäufer in der U-Bahn-Station Rotebühlplatz. | Bild: Noa Siebert, Leah Haupenthal

Seit 1994 gibt es trott-war e. V. in Stuttgart. Bekannt sind sie größtenteils durch die gleichnamige Straßenzeitung, die von sozial benachteiligten Menschen verkauft wird. Auch eine Pfandflascheninitiative und alternative Stadtführungen gehören zum Konzept des Vereins. Mehr als 150 Menschen bekommen aktuell durch trott-war die Chance, wieder für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Unter anderem durch den Verkauf von Kunst in der Trott-art Galerie können sie finanziell unabhängig handeln. Im Hauptsitz von trott-war, der gleichzeitig als Ausstellungsraum dient, entdeckt man Gemälde, professionelle Fotografien und auch Skulpturen.

Geschäftsführer und Kunstliebhaber Helmut Schmid ist sehr stolz auf jedes Einzelstück im Redaktionsraum. Entweder gespendet durch wohltätige Künstler oder aber eigens gemalt von verschiedenen trott-war Mitarbeitern. Mit ihrer Kunst stellen sie die aktuelle Gesellschaft dar, kritisieren und verarbeiten dabei ihre eigene Vergangenheit. Sei es ein plötzlicher Jobverlust, Todesfälle oder der Wunsch einiger Osteuropäer in Deutschland ein besseres Leben zu führen.

Um den Menschen die (Re-)Integration in die deutsche Gesellschaft möglichst einfach zu machen, bietet Trott-war verpflichtende Deutschkurse oder Hilfsprogramme für Suchtkranke. Außerdem steht ihnen für jegliche Art von Problemen ein Sozialarbeiter zur Seite.

Aber wie fühlen sich die Straßenverkäufer?

Sowohl Geschäftsführer und Mitbegründer Helmut Schmid als auch langjähriger Verkäufer und freier Mitarbeiter John Martin Stärk berichten von ihren Erlebnissen. Beide sind schon viele Jahre bei trott-war und haben sowohl positive als auch negative Erfahrungen gesammelt.

Die Re-Integration von sozial Benachteiligten in die Gesellschaft.

Mehr Informationen zu trott-war e. V. findet ihr unter https://www.trottwar.de/