Individuell sieht irgendwie auch anders aus! Studenten der HdM | Bild: Dana Schneider

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„Hey, ich gehöre auch dazu!“

Individuell sieht irgendwie auch anders aus! Studenten der HdM | Bild: Dana Schneider

17 May 2019

Wie wir durch Kleidung uns immer noch an unsere Freunde klammern. Wenn die Verbindung in der Gruppe zum Einheitsbrei wird. Sind Peer Groups immer noch aktuell? Oder sind wir mit unserem Aussehen unabhängig geworden von unseren Freunden? Peergroups in Zeiten der Mittzwanziger.

Tausende weiße Sneaker an der Uni, schwedische Rucksäcke soweit das Auge reicht. Individualität sieht irgendwie auch anders aus? Waren es früher die blauen Rucksäcke von der Marke mit dem ...pak am Ende, so sind es heute die Jesuslatschen. Die Bauchtasche ist irgendwie auch nicht mehr wegzudenken von den Schultern. Das Phänomen dieses angepassten Äußeren lässt sich vor allem in den einzelnen Freundesgruppen beobachten. Rechts die schicken Girls, links nebenan die Hipstergruppe mit den weißen Tennissocken. Doch haben wir uns nicht weiterentwickelt, sind wir immer noch gefangen in unserer Jugendzeit, von Peer Groups und dem Druck gleich auszusehen?

Peer Groups

Peer Groups – was ist das eigentlich? Umgangssprachlich wird diese Zusammensetzung Clique genannt. Doch das Phänomen im Jugendalter wird schon lange unter dem Namen Peer Group erforscht. „Peer“ kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „gleichrangig“, „Group“ kann als Gruppe übersetzt werden. Es handelt sich hierbei also um eine Gruppe Gleichgestellter bzw. Gleichaltriger. Vor allem in Bildungseinrichtungen entwickeln sich diese Freundesgruppen und entwickeln ihren Höhepunkt im Jugendalter.

Maßgeblich tragen sie zur Entwicklung und Übermittlung von Identität, Selbstvertrauen und Werten bei. Eine „wichtige orientierungsgebende Instanz in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, berichtet Simone Stephan Kinder- und Jugendpsychologin.

Aber auch auf das Äußere haben sie einen Einfluss, der nicht zu übersehen ist. Über den ständigen Austausch bilden sich Dynamiken in der Gruppe, die festlegen was „in“ ist.

 

„Warum passsen wir uns an?“ – Zitat Umfrage unter Studierenden

Konformität ist etwas, das in uns fest angelegt ist. Der Mensch ist ein Sozialwesen, wir sind darauf gepolt uns in einer Gemeinschaft der Mehrheitsmeinung anzupassen, erklärt Simone Stephan. Das Phänomen der Konformität, der Anpassung in der Gruppe wird als Druck, der durch mehrere Personen unbewusst oder bewusst auf einen ausgeübt wird, bezeichnet. Unterschieden wird hierbei in der Psychologie zwischen Majoritäts- und Autoritätsdruck. Bei einem Majoritätsdruck wird der Druck nicht durch eine Person, eine Autorität ausgeübt, sondern entsteht durch unser Sozialverhalten. Diese Anpassung liefert uns Sicherheit und Richtigkeit, ein Platz in der Gruppe, in der wir sozialen Halt erfahren.

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Gründe für Konformität in der Gruppe | Bild: Pädagogik / Psychologie für die gymnasiale Oberstufe von Thomas Sturm

Konform oder nur zufällig ähnlich?

Dass dieses Phänomen kein Zufall sein kann, bestätigte bereits Solomon Ash. Er untersuchte schon im Jahr 1951 dieses Phänomen. In seinem Experiment sollte eine Versuchsperson die Größe von einzelnen Linien einordnen. Doch trotz deutlich sichtbarer Unterschiede passten sich die Probanden der falschen Mehrheitsmeinung an. 75 Prozent der untersuchten Probanden passten sich mindestens einmal der Mehrheitsmeinung an. Alleinig 25 Prozent der Befragten erkannten das Experiment und durchschauten die gefälschte Beeinflussung. Unter den Befragten kam es in 50 Prozent der Fälle selbst nach mehrmaligen Nachfragen dazu, dass die Probanden die fälschliche Mehrheitsmeinung weiterhin beibehielten.

Sind wir dafür nicht langsam zu alt?

Peer Groups sind in der Jugend aktuell, da sich hier der Abnabelungsprozess von den Eltern abspielt. Waren wir vorher super gerne acht Wochen im Sommerfamilienurlaub an der Ostsee, wurden wir gerne von Mama mit neuen Tops vom Discounter beglückt. Ändert sich dies, man wird eigenständig, Freunde werden wichtiger. Die Clique bestimmt den Style. Doch hat sich daran nichts geändert? Sind wir nicht aus der eigenen Findungsphase so langsam raus? Haben wir uns nicht selbst und unseren eigenen, unabhängigen Style gefunden? Simone Stephan Jugend- und Kinderpsychologin erklärt, die Jugendphase habe sich ihrer Meinung nach verlängert. Weiterhin schweben wir, die Mittzwanziger, in unserem Moratorium der Orientierungslosigkeit, in der wir uns durch unsere Clique Halt und Orientierung geben. „Dieser Halt ist etwas, den wir ein Leben lang auch in unterschiedlicher Ausprägung brauchen werden“, so Simone Stephan.

„Selbst wenn wir irgendwann älter sind, will man oft mit seinem Äußeren sagen: Hey, ich gehöre auch dazu!“ – Simone Stephan Kinder- und Jugendpsychologin

Vielleicht ist deswegen der Campus immer noch gepflastert von Cliquen, die nicht nur Freunde sind, sondern dazu noch die gleichen Rucksäcke, Schuhe oder Mützen tragen. Dieser unterschwellige Druck habe sich zwar laut Simone Stephan und meiner Umfrage von Studenten verringert, doch ganz verschwunden sei er noch nicht. „Oftmals ist doch auch anders sein anstrengend“, Simone Stephan zum Mut bewusst anders zu sein.

Stimmen der HdM | Bild: Dana Schneider
Stimmen der HdM | Bild: Dana Schneider
Stimmen der HdM | Bild: Dana Schneider
Stimmen der HdM | Bild: Dana Schneider

Nonkonformität

Einfach auch mal anders sein. Warum Nonkonformität uns weiterbringen kann. Bisher wurde in Expertenkreisen angenommen, ein Herausfallen aus Konventionen sei mit einem negativen Eindruck behaftet. Doch Studien ergaben, einem unkonventionell Gekleideten spricht man oftmals eine höhere Kompetenz zu. Also raus mit den schrillen Socken und einfach mal wieder anders sein. Vielleicht mal den Fjäll Raven Rucksack in Pink anstatt in Grau. Und wer will denn nicht mit zwei neuen flippigen Socken wie der neue Einstein wirken?

Doch wie man sich vielleicht den herrschenden Druck in der Gruppe nicht zu sehr an sich heranlässt, dazu Simone Stephan: