Das Smartphone ist heute immer mit dabei – auch auf dem Nachhauseweg. | Bild: Kathrin Lehner

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Gegen die Angst auf dem Heimweg

Das Smartphone ist heute immer mit dabei – auch auf dem Nachhauseweg. | Bild: Kathrin Lehner

18 Dec 2017

Allein unterwegs im Dunkeln? Ein unheimliches Geräusch oder eine finstere Gasse und schon kommen uns erschreckende Schlagzeilen in den Sinn: Das mulmige Gefühl auf dem nächtlichen Heimweg kennen viele. Doch was tun, wenn man sich unsicher fühlt?

 

Dunkel und kalt ist es in der Unterführung hinter dem Hauptbahnhof. Kein Mensch weit und breit. Nur die 24-jährige Studentin Anna, die auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier ist. Eigentlich ist sie ungern allein unterwegs, doch heute konnte keiner ihrer Freunde sie nach Hause begleiten. Auf einmal hört Anna Schritte hinter sich und beginnt schneller zu gehen. Sie versucht unauffällig nach hinten zu sehen und erhascht einen Blick auf die Umrisse eines großen Mannes. Die Schritte kommen näher. Und Anna hat Angst.

Gut gewappnet

Ob Pfefferspray oder Mini-Alarmanlage für den Schlüsselbund – es gibt jede Menge Hilfsmittel, um das eigene Sicherheitsgefühl zu verbessern. Viele ihrer Freundinnen hätten solche Helfer immer in der Handtasche dabei, erzählt Anna. „Ich habe eigentlich keinen langen Heimweg von der Stadt“, sagt sie. „Aber wenn abends kaum noch Leute unterwegs sind, fühle ich mich manchmal trotzdem ziemlich unwohl.“ Um der Panik entgegenzuwirken, benutze sie in solchen Situationen am liebsten ihr Smartphone, um ihren Freund anzurufen.

„Wenn ich mit jemandem spreche, lenkt mich das ab und gibt mir ein gutes Gefühl. Dann weiß ich, dass jemand für mich da ist.“ – Anna Ott

Außerdem wisse sie dann, dass jemand Hilfe rufen würde, sollte ihr wirklich mal etwas passieren. Und wenn ihr Freund mal nicht rangeht? Was dann?

Nie mehr ohne Begleitung

Mittlerweile gibt es jede Menge professionelle Angebote und Möglichkeiten, sich am Telefon begleiten zu lassen – auch von Fremden! Seit 2011 gibt es in Deutschland die Initiative des Heimwegtelefons. Wer sich unsicher fühlt, kann eine Hotline anrufen und sich von ehrenamtlichen Helfern am Telefon begleiten lassen. In den vergangenen zwei Jahren haben sich Apps herausgebildet, die diese Idee weiterentwickelten.

Anna weiß, dass es nicht mehr weit bis zur S-Bahn-Station ist. „Dort sind bestimmt wieder mehr Leute“, denkt sie sich. Trotzdem greift sie nach dem Smartphone in ihrer Jackentasche und öffnet ihre Heimweg-App. WayGuard heißt die Plattform, auf die Anna seit kurzem zurückgreift. Wenn ihr Freund, so wie jetzt, nicht erreichbar ist, lässt sie sich mit der Telefonzentrale der App verbinden. „Hi, hier ist Torsten von Wayguard. Wie kann ich dir helfen, Anna?“, meldet sich der Mitarbeiter am Telefon freundlich. Über die App kann er Annas Standort sehen und fragt, wo sie hinmöchte. „Wenn du aus der Unterführung kommst, kannst du rechts abbiegen. Das ist etwas kürzer und die Straße ist dort besser beleuchtet“, empfiehlt er ihr. Anna nimmt den Rat dankbar an. So erreicht sie innerhalb weniger Minuten die S-Bahn-Station. An ihr schlechtes Gefühl hat sie dabei dank Torstens Stimme kaum noch gedacht.

Beschützer auf Knopfdruck?

Die von der Versicherungsgesellschaft AXA entwickelte App WayGuard gibt es seit Oktober 2016 kostenlos für iOS und Android. Neben WayGuard gibt es auch andere Anbieter wie KommGutHeim, Vivatar oder Companion, die ebenfalls Unterstützung bis vor die Haustür versprechen. Warum Anna gerade diese App nutzt? „An WayGuard finde ich toll, dass AXA die Plattform gemeinsam mit der Polizei entwickelt hat. Die kennen sich schließlich wirklich mit dem Thema aus,“ begründet sie ihre Entscheidung für den virtuellen Helfer.

Anja Kroll, Pressesprecherin der AXA, erklärt, wie das Ganze funktioniert: „Nutzer unserer App haben die Wahl: Sie können eigene, ebenfalls registrierte Kontakte anrufen oder sich von einem unserer professionellen Mitarbeiter begleiten lassen.“ Rund 40 Prozent der Begleitungen würden über einen privaten Kontakt erfolgen.„Aber auch unsere Telefonzentrale ist rund um die Uhr besetzt. Sobald jemand anruft, können wir die Person per Gespräch am Telefon, per Chat und vor allem über die integrierte Standortfreigabe bis nach Hause begleiten.“ Auch einen Button für den offiziellen 110-Notruf gibt es in der Anwendung. Für dieses Konzept wurde WayGuard 2017 vom Wirtschaftsministerium als Finalist des Deutschen Innovationspreises ausgezeichnet. Auch das Feedback der Kunden, die zu mehr als zwei Dritteln weiblich sind, sei positiv: „Mittlerweile sind fast 100.000 Nutzer registriert – ein riesiger Erfolg!“, betont Kroll. Allerdings sind die Kapazitäten der Telefonzentrale bei so vielen Anwendern beschränkt: Nach maximal 15 Minuten wird das Begleitgespräch beendet und sollte ein Notruf eingehen, kann die Verbindung sofort unterbrochen werden.

„Zuerst hatte ich auch ein bisschen Sorge, was mit meinen Daten passiert, wenn ich die App nutze“, bemerkt Anna. Doch die AXA verspricht, immer nur den letzten Standort ihrer Anrufer zu speichern und nach Ende der Begleitung alle Daten zu löschen. „Schön fände ich außerdem, wenn nicht nur Kontakte zur Auswahl stehen würden, die ebenfalls die App heruntergeladen haben. Am liebsten hätte ich Zugriff auf mein ganzes Telefonbuch, wenn ich einen Begleiter brauche“, stellt Anna fest.

 

Mit Sicherheit zu Hause ankommen

Das Bedürfnis nach mehr Schutz ist nicht ohne Grund so groß: Die Zahl der Gewaltstraftaten in Deutschland hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Besonders drastisch stieg die Häufigkeit der sexuellen Übergriffe, vor allem auf Frauen. Deshalb ist es wichtig, auf dem Heimweg kein unnötiges Risiko einzugehen. Davon ist auch Anna überzeugt: „Ich glaube, dass es am wichtigsten ist, auf sein Bauchgefühl zu hören und sich Hilfe zu holen, bevor etwas passieren kann.“ Sie hat ihr Ziel erreicht und beendet das Gespräch über die App. Sie drückt erleichtert den grünen „Bin angekommen“-Button auf dem Smartphone und schließt die Tür zu ihrer Wohnung auf – mit einem sicheren Gefühl.

Sicher allein nach Hause? So könnte der Heimweg mit WayGuard aussehen ... | Bild: Kathrin Lehner

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