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Sozialbeziehungen
Vergleichen macht unglücklich

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Wir vergleichen uns jeden Tag mit anderen, vor allem in Liebesbeziehungen vergleichen wir uns mit anderen. Warum ist das so? | Bild: Ann-Sophie Bauer

Sozialbeziehungen Vergleichen macht unglücklich

Wir vergleichen uns jeden Tag mit anderen, vor allem in Liebesbeziehungen vergleichen wir uns mit anderen. Warum ist das so? | Bild: Ann-Sophie Bauer
 

01 Apr 2022

Ob in einer Freundschaft oder in einer Partnerschaft, wo Sozialbeziehungen sind, gibt es auch Vergleiche. Im Alltag vergleichen wir uns ziemlich oft mit Anderen, aber warum ist das so? Vor allem die „Instagram-Couples“ führen dazu, dass unsere Vorstellungen nicht perfekt sind.

Ann-Sophie Bauer

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2021
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Zusammen mit meinen Freundinnen sitze ich beim Mädels-Abend und schon wird über das letzte Erlebnis mit dem Freund erzählt (als ob es tatsächlich keine anderen Themen gäbe). Wie romantisch er ist oder was für tolle Urlaube und Momente sie mit ihm teilt und dann bringt er ihr auch noch einfach so, ganz spontan einen Strauß Rosen mit (warum macht meiner das nicht?) wir alle finden diese Geste super süß. Der Abend verläuft weiter lustig und ausgelassen, aber der Gedanke „warum ist deren Beziehung besser als meine?“ sitz mir im Hinterkopf (und nicht nur mir!). Der Mädels-Abend ist vorbei und ich fahre nach Hause mit einer Freundin. Im Auto reden wir über den Abend und wir kommen auf das Thema mit dem Rosenstrauß. Als sie mir sagte, dass auch bei ihr Zweifel aufkamen, war ich verwirrt. Sie hatte genau den gleichen Gedanken wie ich! Also bin ich wohl nicht die Einzige, die in der Vergleichsspirale versinkt?

Und dann sind da noch die Instagram-Couples

Wenn ich durch Instagram scrolle, werde ich erschlagen von den gutaussehenden Instagram-Couples, die ein ach so tolles Leben, in ihrer ach so tollen Beziehung, in ihrer ach so tollen Traumwelt führen, in der sie tolle Orte bereisen, sich nie streiten oder nie Auseinandersetzungen haben #mydreamworld.

Viele wollen diesem Trend nachgehen, obwohl wir gar nicht wissen, wie die echte Beziehung der Instagram-Couples aussieht. Wenn ich diese gestellten Bilder sehe, auf denen sich die Paare in total ungemütlichen und unnatürlichen Posen vor der Kamera rekeln und mit Hashtags wie #bestboyfriend oder #happiestgirlfriendintheworld profilieren, wird mir klar, dass dies ganz bestimmt nicht die perfekte Beziehung ist und auch ganz bestimmt nicht der Realität entspricht. Doch bei dem ganzen Kitsch-Quark vergessen wir, was wirklich wichtig ist in einer Partnerschaft.

Beziehung bedeutet auch, ungeschminkt, im Schlabberlook auf der Couch gemeinsam einen Film anzusehen, nicht immer glücklich und ausgelassen zu sein, sich zu streiten und wieder zu versöhnen. Eben all das unsexy Zeug, was eine Beziehung ebenso ausmacht. Das wirkliche Leben eben.

Ein Gutes haben die Instagram-Couple Bilder dennoch. Sie erinnern uns daran, dass wenn unsere unsexy Momente überwiegen, wir nicht vergessen sollten, uns auch hübsch zu machen und uns an die Zärtlichkeiten erinnern, die im Alltag doch so wichtig sind, nur eben ohne dieses unreale Posieren vor der Kamera, ohne Show, einfach nur real und ehrlich. Also wenn ich meine Zeit mal wieder auf Instagram (ver)scrolle, werde ich mich daran erinnern, was ich im wirklichen Leben, sprich in meiner wirklichen Beziehung habe.

Weshalb also der Stress?

Ist das Gras dann doch nicht immer grüner auf der anderen Seite? Mein Fazit: Es ist dort grün, wo man es wässert. Am Ende sind die tollen Instagram-Couples doch keine „Couple Goals“ und auch nur Paare, bei denen es ganz bestimmt Unstimmigkeiten gibt. Wir sollten nicht zwanghaft die Nadel im Heuhaufen suchen. Vergleichen ist auch mal okay, denn ganz abstellen können wir das Vergleichen nicht, wäre irgendwie auch langweilig.

Hier eine weitere Kolumne "Beste Freunde für immer?", die auf Kindheitsfreunde eingeht.