Umwelt&Wirtschaft

Foodsharing
Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Foodsharing rettet Lebensmittel vor der Tonne. | Bild: Rebecca Vetter

Foodsharing Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Foodsharing rettet Lebensmittel vor der Tonne. | Bild: Rebecca Vetter
 

03 Dec 2021

Immer mehr Essen landet im Müll. Dabei ist nicht von ein paar Gramm die Rede, sondern von Millionen Tonnen. Die Organisation foodsharing kämpft dagegen an. Doch wie funktioniert das genau? Und kann es die Lebensmittelverschwendung tatsächlich eindämmen?

Rebecca Vetter

Unternehmenskommunikation
seit Wintersemester 2021
UmweltLebensmittelverschwendung

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Foodsharing ist eine gemeinnützige Organisation mit über 100.000 registrierten Menschen, sogenannte Foodsaver. Auch Annika zählt zu ihnen. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Lebensmittelrettung und ist Botschafterin für foodsharing. Dafür tätig zu sein sei laut ihr nicht unbedingt ein Hobby, sondern auch eine Lebenseinstellung. Die Organisation heißt jede Person willkommen, die Lebensmittel vor der Tonne retten möchte. Dabei spiele es keine Rolle, ob sie einmal im Monat in Betrieben abhole oder gleich sechsmal am Tag, sagt Annika. Es gibt genug zu tun: Laut einer Studie des WWFs landeten 2015 im Groß- und Einzelhandel rund 2,5 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Gründe dafür betreffen weniger gesundheitliche Risiken, sondern vielmehr die Erwartungen der Konsument*innen an Optik, Textur, Frische und Verfügbarkeit. Die Paprika soll auch an einem Samstagabend noch genauso knackig und frisch aussehen wie direkt nachdem sie geliefert wurde. Frank Guzek, Filialleiter eines Supermarktes in Rohr, sagt: „Wir versuchen so effizient wie möglich zu bestellen, allerdings wissen wir ja vorher nicht, was dann tatsächlich gekauft wird. Es ist wie in der Lotterie.“ Seine Filiale gehört zu den über 10.000 Betrieben, die mit foodsharing kooperieren.

Auswirkungen der Lebensmittelverschwendung innerhalb eines Jahres auf die Umwelt in Deutschland. | Bild: Rebecca Vetter

Bei Abholungen wird die sortierte Nahrung unter den Ehrenamtlichen aufgeteilt. Ob sie die Lebensmittel selbst mit nach Hause nehmen, weitergeben oder zu einem Fairteiler bringen, ist ihnen selbst überlassen. In erster Linie geht es bei foodsharing darum Lebensmittel zu retten, so ist es auch in den Grundsätzen der Organisation verankert. Damit leisten sie ihren Beitrag, um den Klimafußabdruck zu verringern. Wirft man Lebensmittel in den Müll, waren damit auch die verbrauchten Ressourcen für die Tonne. Laut der Studie des WWFs machen Fleisch-, Milch- und Getreideerzeugnisse den größten Unterschied, wenn sich diese Verluste vermeiden lassen.

„Foodsharing ist nicht unbedingt ein Hobby, sondern auch einfach eine Lebenseinstellung.“ – Annika, Foodsaver und Botschafterin von foodsharing

Ohne Zuverlässigkeit funktioniert es nicht

Ricca, ebenfalls Foodsaver, achtet bei neuen Mitgliedern darauf, wie diese mit Lebensmitteln umgehen. Gerade bei Schimmel müsse man vorsichtig sein und diese Nahrungsmittel abseits der Kiste sortieren, damit sie anderes Essen nicht kontaminieren, sagt sie. Außerdem ist es für Betriebe aufwendiger, die Lebensmittel zu sortieren und für foodsharing bereitzustellen, als sie direkt zu entsorgen. Deswegen ist die Verärgerung groß, wenn Foodsaver nicht auftauchen. Es komme vor, dass Personen ihre Zeitslots vergessen, erzählt Annika. Aus diesem Grund gibt es in der Gruppe Betriebsverantwortliche, die sich darum kümmern, dass alle Beteiligten zufrieden mit der Kooperation sind.

Bringt foodsharing überhaupt etwas?

Der WWF untersuchte die Lebensmittelverschwendung in verschiedenen Jahren in Deutschland. 2015 wurden rund 10 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Drei Jahre später stieg die Zahl bereits auf 18 Millionen Tonnen. Foodsharing kann mithilfe der ehrenamtlichen Helfer*innen noch einiges vor der Mülltonne retten, das Konsumverhalten der Bevölkerung lässt sich dadurch jedoch nicht beeinflussen.

„Am schönsten wäre es, wenn es uns als foodsharing nicht mehr geben müsste, wenn wir einfach nicht mehr benötigt würden.“ – Annika, Foodsaver und Botschafterin von foodsharing

Annika engagiert sich auch mit Blick auf die nächste Generation, denn sie hat einen kleinen Sohn. Sie hofft, dass es die Organisation nicht mehr geben müsse und sie nicht mehr benötigt würden, wenn er volljährig sei. Dazu müssen laut WWF unter anderem Verbraucher*innen ihr Konsumverhalten ändern, achtsamer mit Lebensmitteln umgehen und Politiker*innen eingreifen. In Deutschland werden nur Empfehlungen ausgesprochen. In Frankreich beispielsweise gibt es Gesetze, die Lebensmittelverschwendung eindämmen, so das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz. Deutschland ist als Mitglied der Vereinten Nationen Mitunterzeichner der 17 Sustainable Development Goals. Damit steht es wie die anderen Nationen in der Pflicht, das unterschriebene Ziel einzuhalten, bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung auf Handels- und Konsumentenebene zu halbieren. Bis es aber so weit ist, wird sich foodsharing weiterhin gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen.

Die Foodsaver melden sich an und Mitarbeitende des Supermarkts bringen die Lebensmittel aus dem Lager. | Bild: Rebecca Vetter
Auch tierische Produkte bleiben übrig. | Bild: Rebecca Vetter
Das ist auch das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung. | Bild: Rebecca Vetter
Jetzt wird sortiert und genau hingeschaut, was noch genießbar ist. | Bild: Rebecca Vetter
Oft ist Schimmel ein Grund, dass Lebensmittel weggeschmissen werden müssen. | Bild: Rebecca Vetter
Diese Lebensmittel sind übrig und können gerettet werden. | Bild: Rebecca Vetter
Ein anderer Betrieb hatte deutlich mehr Lebensmittel übrig, die noch genießbar sind. | Bild: Rebecca Vetter
Das Bild rechts zeigt den Fairteiler nach einer halben Stunde – Brötchen und süßes Gebäck sind besonders beliebt und werden gerne mitgenommen. | Bild: Rebecca Vetter