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Wildbienen wie die dunkle Erdhummel sind wichtig für die Pflanzenvielfalt. | Bild: Bianca List

Artenschutz
Insektensterben: Was wir dagegen tun können

Wildbienen wie die dunkle Erdhummel sind wichtig für die Pflanzenvielfalt. | Bild: Bianca List

30 Jul 2020

Insekten sind essentiell für die Balance unseres Ökosystems. Jedoch nehmen in den letzten Jahrzehnten die Bestände der Insekten immer weiter ab. Woran liegt das? Warum sind Insekten so wichtig für unser Ökosystem? Und wie können wir ihnen helfen?

Bianca List

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Im Zeitraum von 1989 bis 2016 verzeichnete die Krefelder Studie einen Rückgang von durchschnittlich 76 Prozent der Biomasse an Fluginsekten in Deutschland. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen Artengemeinschaften und Lebensräumen belegen ebenfalls einen Rückgang der Insektenvielfalt. Dazu zählen beispielsweise die Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Deutschlands vom Bundesamt für Naturschutz. Insgesamt sind dort 42 Prozent der bisher bewerteten Insektenarten als bestandsgefährdet, extrem selten, bereits ausgestorben oder verschollen verzeichnet.

Warum sind Insekten vom Aussterben bedroht?

Die Ursachen für den Insektenrückgang sind sehr vielfältig. Die Lebensräume und Nahrungsquellen von Insekten werden stetig weniger. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Landwirtschaft. Mehr als die Hälfte der Fläche in Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt. Durch Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden geht diese als Lebensraum für Insekten jedoch verloren. Weitere Einschränkungen erfolgen durch die zunehmende Urbanisierung. Aber auch der Klimawandel stelle eine Gefahr für die Lebensgrundlage der Insekten dar, meint Andreas Haselböck, Wissenschaftler am Naturkundemuseum Stuttgart: „Die Wiesen sind durch die Dürren der letzten drei bis vier Jahre ausgetrocknet, es blüht nichts mehr. Bienen oder auch andere Insekten, die sich von Nektar ernähren, finden nicht mehr genügend Nahrung und dadurch gibt es auch weniger Nachwuchs.“

Schmetterling sitzt auf einer Blume Das Große Ochsenauge fühlt sich auf violetten Blüten besonders wohl. | Bild: Bianca List

Insekten sind Nutztiere

Viele fliegende Insekten sind wichtige Bestäuber unserer Kultur- und Wildpflanzen: Ein Drittel unserer Lebensmittel wächst nur nach der Bestäubung durch Bienen. Zudem führen Insekten dem Boden wichtige Nährstoffe zu und helfen bei der Zersetzung und Verwesung von Tieren und Pflanzen. Nicht zu vergessen, dass sie für viele Tiere die Nahrungsgrundlage und somit das Fundament der Nahrungskette bilden. Fehlen einzelne Insektenarten, bedroht das auch andere Tier- und Pflanzenarten.

Biene auf Majoran Wildbienen profitieren am meisten von heimischen Pflanzen, hier: Majoran. | Bild: Annegret Leichte

Wie wir Insekten schützen können

Eine gute Möglichkeit, den Insekten wieder Lebensraum und Nahrungsquellen zu bieten, sind Blühstreifen an Feldrändern. Zusätzlich wird die Insektenvielfalt durch den landwirtschaftlichen Anbau in Mischkulturen und in ungemähten Teilbereichen im Grünland begünstigt. Außerdem kann der Ökolandbau unterstützend wirken, da hier weniger Pestizide und Insektizide eingesetzt werden.

Aber auch im eigenen Garten kann jeder etwas für die Insektenvielfalt tun. Nisthilfen für Wildbienen sind zum Beispiel schnell gebaut. Diese werden am besten im Februar aufgehängt. „Bienen gehen im März auf Nest-Suche. Aber nicht nur die Bienen werden euch dankbar sein, andere Insekten bewohnen auch gerne Nisthilfen“, meint Haselböck. Der Bau von Nisthügeln oder offene Bodenstellen sollen sogar eine noch größere Hilfe für Wildbienen bieten: „Fast 70 Prozent unserer heimischen Wildbienen nisten im Boden.“

Eine Nisthilfe ist im Baum befestigt. Eine Bau-Anleitung für eine Nisthilfe findet ihr auf dem Instagram-Account des Naturkundemuseum Stuttgart. | Bild: Bianca List

Doch Insekten profitieren nicht nur von Nisthilfen: Möchte man seinen Garten insektenfreundlich gestalten, hilft es, einen Teil wild wachsen zu lassen. Ansonsten bilden auch verschiedene Arten von Sträuchern, Blumen und Bäumen wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen. Hier ist allerdings zu beachten, dass Insekten am meisten von heimischen Pflanzenarten profitieren. (Weitere Tipps findet ihr im Beitrag „Bienenfreundliches Gartenparadies“.)

Haselböck betont: „Bienen holen sich zwar den Nektar von den exotischen Pflanzen. Jedoch geben diese Pflanzen nicht die Pollen, die die Bienen für ihren Nachwuchs benötigen.“ Die heimische Flora bietet allerlei Insekten Nahrung. Natternkopf, Hornklee, Schmetterlingsblütler, Dill, Petersilie, Wicke oder Kamille sind laut Haselböck hervorragende Pflanzen für viele Insektenarten. Der Forscher rät: „Macht lieber etwas Kleines, wenn ihr was für die Insekten tun möchtet, statt gar nichts.“

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Naturkundemuseum Stuttgart, das im Rahmen eines Sommerspecials auch Beiträge von uns auf seinem Instagram-Kanal @naturkundemuseumstuttgart veröffentlicht. Dort haben wir mit der fachlichen Unterstützung der Experten tolle Mitmach-Challenges rund um das Thema Artenschutz erstellt. Schaut doch mal vorbei!

Weitere Beiträge aus unserem Special #natürlichdabei findet ihr hier.