Auch Unverpacktläden produzieren Plastikmüll. | Bild: Alina Braun

Politik&Aktion Unverpacktläden
Unverpackt ungleich unverpackt

Auch Unverpacktläden produzieren Plastikmüll. | Bild: Alina Braun

15 Jul 2020

In Folie geschweißte Gurken und mit Kunststoff umwickelte Paprika sind kein ungewöhnliches Bild in Supermärkten. Unverpacktläden scheinen eine plastikfreie Alternative gegenüber dem Verpackungswahn zu sein. Doch auch sie produzieren durch Anlieferungen Plastikmüll. Aber wie viel? 

Alina Braun

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2019
Gesellschaft SportGesundheit

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„In einer einzigen Woche kommen wir auf fünf große 500 Liter Müllsäcke voll Plastikverpackung“, erklärt ein Mitarbeiter einer Edeka-Filiale. Das sind umgerechnet ungefähr 42 herkömmliche gelbe Säcke wöchentlich. Unverpacktläden scheinen auf den ersten Blick eine verpackungsfreie Lösung zu sein. Doch auch hinter dem „Zero Waste“-Ladenkonzept verbergen sich mit Folie umwickelte Paletten und Produkte, die in Plastik verpackt sind. 

Das Erklärvideo zeigt, wie Unverpacktläden Plastik einsparen. | Bild: Alina Braun

Jonas von „Unverpacktes Gießen“ erklärt, dass Nahrung wie Müsli in Plastik geliefert wird, damit die knusprige Konsistenz erhalten bleibt. „Auch bei Produkten mit hohen Warenwert wie Pistazien oder Paranüsse macht eine Plastikverpackung Sinn.“ Ganz ohne Plastik kommen also auch Unverpacktläden nicht aus. Dennoch produzieren sie laut einer Unverpacktstudie der Hochschule Eberswalde 84 Prozent weniger Plastikmüll im Gegensatz zu herkömmlichen Supermärkten oder sogar Bioläden. Pfandsysteme sind eine Möglichkeit, um Verpackungsmüll zu umgehen. Samira und Franziska der „Nachfüllbar Kassel“ bekommen einen Teil ihrer Ware in Gläsern oder Eimern geliefert. 

„Bei jeder Lieferung von unserem lokalen Kaffeeröster tauschen wir die Eimer.“  – Samira und Franziska, „Nachfüllbar Kassel“

Mehl, Getreide, Reis und Nudeln kommen im „Unverpackt Reitlingen“ in zehn bis 25 Kilo Papiersäcken an. Denn auch für Papier gilt: Je weniger Packung desto besser. Statt kleine Verpackungen zu kaufen, wie sie im Supermarkt zu finden sind, bestellen Unverpacktläden ihre Ware bei dem Hersteller in sogenannten Großgebinde. „Das Volumen an Papier ist geringer im 25 Kilo Sack, als bei fünf kleinen fünf Kilo Säcken“, so Hannah vom Unverpacktladen „Frau Lose“. Alle befragten Unverpacktläden bestätigen, dass der größte Anteil von Verpackungsmüll Papier und Pappe ausmacht. Die beste Möglichkeit, um auf jegliche Verpackungen zu verzichten, sind regionale Lieferanten und die damit verbundenen kurzen Lieferwege.

„Gemüse und Obst bekommen wir lose in Kisten vom Bauern aus der Region geliefert.“ – Nils, „Unverpackt Reitlingen“

Wenn man den gesamten Abfall betrachtet, machen Plasikverpackungen rund zehn Prozent aus. Damit gehen viele Läden kreativ um. „Die Plastikfolien benutzen wir zum Abdecken von Pflanzen oder als Hundekotbeutel“, erklärt Hannah. Dem eigentlichen Müll wird dadurch einen Sinn gegeben. Dennoch versuchen viele Geschäftsführer von Unverpacktläden es gar nicht erst zu Plastikmüll kommen zu lassen. Sie treten in ein direktes Gespräch mit den Herstellern, um diese auf die überflüssigen Plastikpackungen hinzuweisen. Mit Erfolg: „Es gibt bereits Lieferanten, die an Alternativen arbeiten. Diese wollen in Zukunft ihre Waren beim Transport mit Mehrwegnetzen sichern, statt Paletten mit Plastik zu umwickeln“, so Nils.

Durchschnittlich ein gelber Sack voller Plastikverpackung fällt pro Woche bei einem Unverpacktladen an, bestätigen mehrere Geschäftsführer. Ganz ohne Plastik kommt man also auch als Unverpacktladen (noch) nicht aus. Dennoch ist ein gelber Sack, im Gegensatz zu 42, ein guter Ansatz, um die Welt ein wenig plastikfreier zu machen.