Auch in Sicherheit sind die Hunde immer noch von ihren Erlebnissen gezeichnet. | Bild: Raphael Hertkorn

edit.Yourope Ehrenamtliche Tierschützer
Tierschutz ohne Grenzen

Auch in Sicherheit sind die Hunde immer noch von ihren Erlebnissen gezeichnet. | Bild: Raphael Hertkorn

15 May 2018

In vielen europäischen Ländern hat Tierschutz nur eine geringe Bedeutung. Vor allem in wirtschaftlich schwachen Staaten befinden sich Hunde oft in einer unwürdigen Lebenssituation. Doch es gibt Hoffnung: Ehrenamtliche Tierschützer engagieren sich, um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern.

Videos auf Facebook, in denen Hunde brutal und scheinbar ungestraft geschlagen und misshandelt werden, sind schockierend anzusehen. Auch Cleo hat dieses Schicksal getroffen. In Bulgarien wurde der junge Hund fast zu Tode geprügelt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hunden hatte er Glück, denn er wurde von Tierschützern gerettet und hat überlebt. Die Schläge haben jedoch ihre Spuren hinterlassen. Er war nicht mehr in der Lage selbstständig zu fressen oder zu trinken, geschweige denn zu laufen. Cleo ist kein Einzelfall – unzählige Tiere erleiden dasselbe Schicksal. 

Training für traumatisierte Hunde

Tina Knapp ist bereits seit 20 Jahren im Tierschutz aktiv. Sie betreibt eine Pflegestelle, in der sie sich um Hunde aus dem europäischen Ausland kümmert. Früher ist sie noch selbst in die Problemländer gereist. Sie transportierte Sachspenden, leistete Aufklärungsarbeit vor Ort und rettete Hunde aus Tötungsstationen. Heute trainiert Knapp traumatisierte Hunde, damit diese in einer normalen Umgebung leben und an neue Besitzer weitervermittelt werden können. Dies ist ein langwieriger Prozess. Einfache Grundkommandos oder das Laufen an der Leine sind für viele Hunde zu Beginn unmöglich. Manche haben unvorstellbare Qualen erlebt. Beim Anblick von Männern zittern die Hunde, beginnen zu heulen oder werden hochaggressiv. Andere versuchen sich verängstigt von der Leine loszureißen.

Die verstörten Hunde benötigen eine individuelle Betreuung. | Bild: Raphael Hertkorn
In der Pflegestation führen die Hunde ein glückliches Leben. | Bild: Raphael Hertkorn
Der Tierschutz ist ihre größte Leidenschaft. | Bild: Raphael Hertkorn
Tina Knapp liegt vor allem die Zukunft der Tiere am Herzen. | Bild: Raphael Hertkorn

Der Tierschutzverein Fellnasen

Während Tina Knapp ihre Problemhunde alleine therapiert, sind die meisten Tierschützer in gemeinnützigen Vereinen organisiert. Einer davon ist der Verein „Fellnasen“ aus Stuttgart. Er vermittelt Hunde aus Bulgarien, Kroatien, Italien und Griechenland an Halter in Deutschland.

Ihre Partnerorganisationen im Ausland sind kleinere Vereine, die Hunde von der Straße aufgreifen. Hunde, die für eine Vermittlung geeignet sind, erhalten auf der Website der Fellnasen ein Profil mit Bild und Charakterbeschreibung. Viele der Hunde leben jedoch schon länger auf der Straße und können nicht mehr als Haustiere gehalten werden. Sie werden nach einer Kastration wieder freigelassen. Wenn sich die Fellnasen für einen geeigneten Halter entschieden haben, wird der Tiertransport über das TRACES-System angemeldet. Nach ihrer Ankunft in Deutschland verbleiben die Tiere zunächst in einer Pflegestelle. Durch die Pflegestelle kann der potenzielle Halter seinen Hund näher kennenlernen und anschließend entscheiden, ob er das Tier endgültig aufnehmen möchte.

TRACES (TRAde Control and Expert System) ist eine zentrale Datenbank, mit der Tiertransporte innerhalb der EU verfolgt werden können. Jeder Tiertransport muss über TRACES bei den zuständigen Veterinärämtern angemeldet werden. 

Bestandteile des Systems sind die TRACES Dokumente, die für jeden Hund beim Transport beiliegen müssen. Folgende Informationen müssen angegeben werden:

  • Wo wurde der Hund gefunden?
  • Von wo wird er transportiert?
  • Wo ist der Bestimmungsort?
  • Wer ist der Empfänger?

Zweck des Systems:

  • Vermeidung und Bekämpfung von Tierseuchung, wie z. B. der Maul- und Klauenseuche
  • Umfang und Qualität der Informationen über den Transport von Tieren verbessern

Seriöse Tierschutzvereine, wie die Fellnasen, betreiben ihr Engagement nicht, um sich ein Nebeneinkommen zu verschaffen. Für sie ist es eine Herzensangelegenheit, die Hunde aus einer schwierigen und manchmal ausweglosen Lebenssituation zu befreien. In Spanien und Bulgarien gibt es so viele Straßenhunde, dass die Behörden die Tiere lieber systematisch töten, als versuchen zu versorgen. Ähnlich problematisch ist die Situation in Rumänien. Iris und Carina von den Fellnasen berichten von ihren Erfahrungen.

Fehlende Kastration und Armut

Es gibt vor allem deswegen zu viele Straßenhunde, weil zu wenig flächendeckend kastriert wird. So werden in touristischen Gebieten die Hunde zwar konsequent eingefangen und kastriert, aber in ländlichen Gebieten vermehren sich die Tiere unkontrolliert. Für die Fellnasen hat die fehlende Kastration in südlichen Ländern tieferliegende Gründe.

Neben der unzureichenden Kastration ist Armut ein weiterer Problemfaktor. Besonders in den ländlichen Gebieten Bulgariens und Rumäniens herrscht eine große Armut, sodass die Menschen in erster Linie damit beschäftigt sind, sich selbst zu versorgen. Die Kastration von Straßenhunden hat keine Prioriät und kostet Geld, das chronisch knapp ist.

Schwierige EU-Gesetzgebung

In der Theorie besitzen die angesprochenen Länder zwar eigene Tierschutzgesetze, aber in der Praxis kontrolliert niemand deren Einhaltung. Das liegt auch daran, dass das Thema Tierschutz generell keinen hohen Stellenwert hat. Auf europäischer Ebene ist es schwierig, strengere Tierschutzgesetze durchzusetzen, da 27 Mitgliedstaaten mit der Gesetzgebung einverstanden sein müssen. Dadurch muss man sich gezwungenermaßen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, der für keine Verbesserungen beim Tierschutz sorgt und nur für ein minimales Tierschutzniveau steht.

Was getan werden muss 

Um den Tierschutz in Europa zu verbessern, müssen grundlegende Probleme gelöst werden. Die Regierungen müssen den Tierschutz finanziell unterstützen. Gleichzeitig sollten Tierschutzgesetze härter durchgesetzt und Vergehen bestraft werden. Um die unkontrollierte Vermehrung der Hunde einzudämmen, führt kein Weg an Kastrationsprogrammen vorbei.

„Die Mentalität der Menschen muss sich ändern“ – Carina Amler von den Fellnasen

Hier kann schon in der Schule angefangen werden, indem durch Vorträge die Einstellung der Schüler positiv beeinflusst wird. Wenn sich das Bewusstsein der Menschen ändert, werden Schicksale wie das von Cleo eine Ausnahme und nicht die Regel sein. In seinem Fall war der Einsatz der Tierschützer dafür verantwortlich, dass seine Geschichte ein glückliches Ende genommen hat. 

Happy End für Cleo

Nach monatelangem Kampf ist es Tina Knapp gelungen, Cleo nach Deutschland zu bringen. Sein Zustand war ernster als ursprünglich angenommen. Die Schädeldecke und der Rücken waren stark verletzt. Tina Knapp entschied sich für das Leben des Hundes und gegen den leichten Weg, den Hund einschläfern zu lassen. Heute führt Cleo ein glückliches Leben bei seiner neuen Besitzerin. Die alten Wunden sind mittlerweile verheilt und er kann wieder rennen und spielen. 

So sieht Cleo heute aus. | Bild: Tina Knapp