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Politik&Aktion

Skandal
Hausdurchsuchung wegen P-Wort

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Vor allem in den sozialen Medien stehen Beleidigungen an der Tagesordnung. | Bild: Lina Quotschalla

Skandal Hausdurchsuchung wegen P-Wort

Vor allem in den sozialen Medien stehen Beleidigungen an der Tagesordnung. | Bild: Lina Quotschalla
 

02 Feb 2022

Politiker*innen haben oft mit Anfeindungen zu kämpfen. Besonders schlimm traf es jedoch Hamburgs Innensenator Andy Grote. Was genau ihm passiert ist, erfahrt ihr hier im zweiten Teil der Kolumne „Politics at its best“.

Lina Quotschalla

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2020
KulturGesellschaft

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Können wir mal bitte kurz Themen wie die Klimakrise, Corona oder Inflation vergessen und über Wichtigeres reden? Zum Beispiel darüber, dass der Innensenator Andy Grote aus Hamburg als Pimmel beschimpft wurde! Nach Watergate kommt jetzt also „Pimmelgate“. Doch erst mal ganz von vorn.

Es ist Mittwoch, der 30. Mai, 2021. Andy Grote kann seinen Augen kaum trauen, als er unter seinem kritischen Tweet über feiernde Menschen trotz Pandemie einen höchst beleidigenden Kommentar findet. Aber Moment, war Grote 2020 nicht selbst wegen Verstoß gegen die Corona-Verordnung heftig in Kritik geraten? Naja, egal. Jedenfalls hat ein Twitter-User einen Satz geschrieben, den man kaum auszusprechen wagt: „Andy, Du bist so 1 Pimmel“. Nein! Hat er nicht gesagt?! Doch. 

Daraufhin stellte der SPD-Politiker einen Strafantrag. Fair enough. Aber das genügt noch nicht: Insgesamt sechs Polizist*innen werden darauf angesetzt, bei der Ex-Freundin des Tatverdächtigen eine Hausdurchsuchung zu vollziehen. Ziel ist es, das Handy zu finden, mit dem die Schandtat vollbracht wurde. Das nenne ich mal einen Einsatz für die Gerechtigkeit. Blöd nur, dass der Täter nicht mehr bei der Frau und Mutter von zwei kleinen Kindern wohnt und sie auch keine Ahnung hatte, um was es überhaupt geht. Schon etwas weniger fair enough.

Das ging wohl nach hinten los. 

Dieser Move verbreitete sich medial wie ein Lauffeuer und kam bei der Bevölkerung eher semi-gut an. Von Hausdurchsuchungen hört man schließlich nicht oft, wenn beispielsweise Rassismus oder Rechtsextremismus in den sozialen Medien verbreitet werden. Anfang Oktober letzen Jahres tauchten dann plötzlich Aufkleber mit dem Skandal-Kommentar als Motiv in ganz Hamburg auf. Die Polizei – von welcher nach der Durchsuchungs-Aktion vermutlich bereits einige an ihrer Berufswahl zweifelten – durfte wieder ausrücken. Diesmal, um die Aufkleber per Hand von Laternenpfosten und Stromkästen zu kratzen. Aber auch das hatte ein Nachspiel: Im Hamburger Schanzenviertel war kurz darauf ein großes Plakat mit naja, ihr könnt euch ja denken welchem Spruch, aufzufinden. Nach zweimaligem Übermalen (und womöglich der ein oder anderen Kündigung) der fleißigen Hamburger Polizei beschloss die Stadt, und auch Andy, den Provokationen nicht weiter nachzugehen. 

„Innensenator Grote beweist wenig Größe“ (NDR), „Andy, du bist so 1 Held“ (spiegel.de) oder „Wer hat den größten Pinsel?“ (Hamburger Morgenpost) sind nur ein paar Schlagzeilen, die die „Pimmelgate“-Affäre nach sich zog. Zuletzt tauchten in Hamburg weitere Plakate mit der Aufschrift „Mensch Andy, sei doch nicht so steif!“ auf. Das ging wohl nach hinten los. Aber immerhin hat der Innensenator die Weichen für zukünftige Opfer gestellt. Jetzt können wir uns eigentlich alle sicher sein, dass in Zukunft jede Art von Beleidigung richtig ernst genommen wird. Fest steht: Andy hat in letzter Zeit auf jeden Fall seine wahre Größe gezeigt.

Den ersten Teil der Kolumne „Politics at its best“ findest du hier