"Good night, good night"
Inhaltswarnung für Leser*innen:
Dieser Artikel kann Themen enthalten, die als sensibel empfunden werden könnten, darunter psychische Erkrankungen, Verlust und Suizid. Bitte sei dir dessen bewusst und lies den Artikel entsprechend deiner persönlichen Sensibilität. Unsere Absicht ist es, respektvoll und einfühlsam zu berichten, um die Würde der betroffenen Personen zu wahren. Wenn du Unterstützung benötigst, kannst du dich jederzeit kostenlos und anonym an die Telefonseelsorge wenden: 0800 1110111
Robin Williams war Psychologe, lebendig gewordene Museumsstatue, Vater, Nanny und Radiomoderator. Für mich war er aber vor allem der Lehrer Keating aus Dead Poets Society. Mit seinem mitreißenden Monolog überzeugte er nicht nur seine Schüler, sondern auch mich von der Poesie. Das war einer dieser wenigen Filme, die mich wirklich bewegten und etwas in mir veränderten. Mit meinen 15 Jahren fing ich an meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Mal mehr, mal weniger poetisch. Was ich mit 15 nicht wusste: Robin Williams hatte sich sieben Jahre zuvor das Leben genommen. Er litt an Depressionen und Parkinson. Ausgerechnet der Mann, der so vielen beibrachte, das Leben auszukosten, trug einen Kampf in sich, den die meisten nie sahen. Am Abend vor seinem Tod sagte er zu seiner Frau nur: „Good night, good night". Sie dachte, es ginge ihm besser.
Ein Einbrecher, der dir raubt, wer du bist
Ich habe keine Ahnung, wie man über Suizid schreibt. Ich habe diesen Absatz viermal gelöscht. Das hier ist Versuch fünf. Er ist wahrscheinlich auch falsch.
Robin Williams wurde im Mai 2014, drei Monate vor seinem Tod, mit Parkinson diagnostiziert. Parkinson. Das klingt fast harmlos, wie der Bärenbruder von Paddington. Ist es aber nicht. Es ist ein Einbrecher, der dir Stück für Stück raubt, wer du bist. Für Robin Williams bedeutete es womöglich auch die Angst, genau das zu verlieren, was ihn ausmachte. Seine Stimme. Seine Schlagfertigkeit. Seine Fähigkeit, Menschen zum Lachen zu bringen. Und mit diesem Verlust wächst oft noch etwas anderes: Hoffnungslosigkeit. Parkinson gehört zu den Krankheiten, die das Suizidrisiko erhöhen. Ein Identitätsdieb, gegen den Williams ankämpfte. Mit allem, was er hatte. Suchtklinik. Psychologische Behandlung. Verschiedene Therapieansätze. Nichts davon hat geholfen. Und genau das ist die bittere Wahrheit, die so hart zu akzeptieren ist: Manchmal reicht es nicht. Nicht die Therapie, nicht die Klinik, nicht die Menschen, die einen lieben. Das bedeutet nicht, dass Hilfe sinnlos ist – im Gegenteil. Es bedeutet, dass psychische Erkrankungen tödlich sein können, auch wenn Betroffene alles "richtig" machen. Williams' Tod ist kein Beweis dafür, dass Hilfe nicht funktioniert. Er zeigt, wie ernst wir diese Krankheiten nehmen müssen.
Es fühlt sich schrecklich an, schreiben zu müssen, dass man manchen Menschen vielleicht nicht helfen kann. Ich kenne selbst das Gefühl, wie aussichtslos ein Leben mit Depressionen erscheinen kann. Viele Betroffene glauben in solchen Momenten, sie seien genau die Ausnahme, der niemand helfen kann. Und trotzdem berichten viele Menschen, die diese Zeit überwunden haben, später, dass es nicht so war. Dass Hilfe möglich war, auch wenn sie es damals nicht glauben konnten. Ich gehöre heute selbst zu diesen Menschen.
Reach out to someone
“If you’re that depressed, reach out to someone. And remember, suicide is a permanent solution to temporary problems.” Das sagt Robin Williams in World’s Greatest Dad. Fünf Jahre später war er tot. Und ich sitze hier und soll jetzt den Teil schreiben, der in jedem Artikel über Suizid steht: Holt euch Hilfe. Telefonseelsorge, Therapeut, Freunde. Es stimmt ja auch. Aber ich merke, wie ich das tippe und gleichzeitig denke: Als würde das immer reichen. Als wären psychische Erkrankungen ein IKEA-Regal und man braucht nur die richtige Anleitung.
Ich werde jetzt nicht schreiben, dass wir alle Leben retten können. Das klingt gut und ist oft wahr, aber manchmal eben nicht. Was ich stattdessen schreibe: Wenn jemand in deinem Leben gerade kämpft – sieh nicht weg, schau hin, frag nach. Und wenn du selbst kämpfst: Du musst niemandem beweisen, dass es schlimm genug ist. Es reicht, dass es sich so anfühlt.
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„Ich habe Gott und die Menschheit beleidigt, weil mein Werk nicht die Qualität erreichte”