Glitzermomente und der Aufräumtrupp
Mit Bauchkrämpfen vor Lachen sitze ich am Tisch. Tränen bilden sich in meinen Augen und ich schaue den Tisch entlang. Links und rechts von mir sitzen meine Freundinnen. Auch sie müssen mit einem Lachanfall kämpfen. Draußen ist es schon lange dunkel. Es ist kurz vor Mitternacht. Genauso lebt es sich doch am besten. Girlsnight mit Pasta – Penne natürlich – und dem ein oder anderen Aperol. Und dann: lachen bis die Bäuche weh tun.
Während ich an dem Tisch entlang schaue, kommen mir, wie soll es als Swiftie auch anders sein, Taylors Lyrics in den Kopf. „Please don’t ever become a stranger“ von ihrem Song „New Year‘s Day“. Und ja, denke ich mir, ich wünsche mir, dass meine Freunde bitte niemals Fremde für mich werden.
Wenn man das Lied anhört, wird klar, dass es sich um ein Liebeslied handelt. Doch jedes Mal, wenn das Lied läuft, kann ich nicht anders als an meine Freundinnen zu denken. Taylor schreibt in dem Lied davon, dass sie nicht möchte, dass sie und ihr Partner sich auseinanderleben und Fremde werden. Fremde, die aber alles über einen wissen. Und ist das nicht auch so mit unseren Engsten?
From Strangers to Friends to Strangers again?
Freund*innen. Beste Freund*innen. Die sind irgendwie einfach da. Am Anfang kennt man sich nicht wirklich – ist sich fremd. Doch vom einen auf den anderen Moment, zack, ist es so, als hätte man sich schon immer gekannt. Die Worte „Whose laugh I could recognize anywhere“ sind so zutreffend. Ich bin mir sicher, ich könnte das Lachen meiner Vertrauten überall wiedererkennen. Und das ist doch etwas Wunderbares. Freund*innen zu haben, die man überall erkennen und in jeder Menschenmenge finden könnte. Hoffentlich werden sie immer an meiner Seite bleiben.
Wenn ich die Strophe höre, spielt sich so etwas in meinem Kopf ab: Zehn Jahre sind vergangen und ich habe keinen Kontakt mehr zu meiner jetzigen Freundesgruppe. Auseinandergelebt. Ohne Streit oder Schwierigkeiten. Einfach das normale Leben. Zufälligerweise sind wir auf dem gleichen Event, wissen aber nichts davon. Und dann höre ich es – die Lache, die ich immer noch kenne. Ich drehe mich um und sehe jemanden, der mir nicht länger bekannt ist, sondern nur noch jemand, den ich einst kannte … Der erste Blickkontakt, ein schmales Lächeln auf den Lippen. Und dann: das erste Gespräch seit langem. „Hey! Na, wie geht es dir?“ und „Ah, ich wusste gar nicht, dass du auch hier bist“, doch in mir schreit diese Stimme: „Small-Talk, ernsthaft? Wir konnten das doch so viel besser.“ Ein Schaudern läuft mir den Rücken herunter und ich verspüre das Gefühl von Traurigkeit. Eine Sehnsucht nach dieser alten Vertrautheit breitet sich in mir aus – Nein! So kann es auf keinen Fall kommen.
Weiter im Song schreibt Taylor „I want your midnights but I’ll be cleaning up bottles with you on New Year’s Day“. Erzählt wird von einem besonderen Moment: Mitternacht an Silvester. Genau solche Momente verbringen wir am liebsten mit unseren Engsten. Momente, die uns wichtig sind und uns etwas bedeuten. Doch bei wahren Freund*innen, denen die wir nicht vergessen möchten, da bleiben wir auch noch länger. Wir gehen nicht, wenn der Moment vorbei ist, sondern wir helfen auch bei den unschönen Sachen, wie Flaschen aufsammeln und dem Putzen nach der Party.
Diese Freund*innen, die in solchen Momenten bei uns bleiben, mit denen wir Lachanfälle mit Bauchkrämpfen bekommen, die sollen doch bitte nie Fremde werden, deren Lachen wir überall erkennen.
Dieser Beitrag ist Teil des Kolumnenformats „Der Sound unserer Zeit“. Weitere Folgen der Kolumne sind: