Radiomoderator 4 Minuten

Die Stimme für den Feierabend

Sebastian Pauls ist seit über 20 Jahren Moderator bei Radio 7. | Quelle: Sebastian Pauls
08. Dez. 2023
Feierabend. Es geht nachhause. Schnell ins Auto steigen, den Motor und das Radio anschalten. Sebastian Pauls wünscht mit fröhlicher Stimme einen schönen Nachmittag. Im Interview erzählt er vom Einstieg ins Radio, vom Umzug ins Schwabenland und von Sendungen mit Kassettenrekorder.

Kannst du dich noch daran erinnern, was du früher werden wolltest?

Ich kann mich nur an Radiomoderator erinnern. Auch als ich zehn oder zwölf war, habe ich bereits Radiosendungen mit dem Kassettenrekorder zu Hause aufgenommen, wie das viele vor dem digitalen Zeitalter machten. Der Berufswunsch des Radiomoderators hat sich nie geändert.

Der WDR hat ein Büro bei uns zuhause in der Stadt Kleve. Man muss dazu sagen, dass das kein richtiges Studio ist, sondern eher ein Büro mit einem kleinen Tonstudio drin. Mein Stiefvater ist mit mir dort mal einfach vorbeigegangen und wir haben uns das angeschaut. Nach dem Tag war ich noch begeisterter für den Job des Radiomoderators.

Was war dein erster Schritt in Richtung Traumberuf?

1992 hat der Lokalradiosender bei uns zuhause eröffnet. Ich habe mich einfach bei denen gemeldet. Mir war egal welcher Job. Es war dann schlussendlich ein Schülerjob, die Aufgaben waren sowas wie der Telefondienst, das Zeitungsarchiv und eben alles andere, was so angefallen ist.

Wie hast du es dann von einem kleinen Lokalsender zu einem der größten Privatradiosender in Baden-Württemberg geschafft?

Zuerst habe ich in Bonn gewohnt, weil ich dort mein Studium begonnen habe. Währenddessen habe ich nebenher beim dortigen Lokalradio gearbeitet. Ein bisschen später bin ich dann aber zum Radio nach Aachen, weil es da ein spannendes Projekt gab, bei dem ich gerne dabei sein wollte. Das Problem war, dass ich mich irgendwann öfter in Radiostudios als in der Universität aufgehalten habe. Das war dann auch der Grund, warum ich das mit dem Studieren nach circa der Hälfte des Magister-Studiengangs gelassen habe. In Aachen war ich seit der Jahrhundertwende bis 2004 und seitdem bin ich hier in Ulm bei Radio 7.

Was war das für ein Projekt in Aachen?

In Nordrhein-Westfalen bilden eigentlich alle Lokalradios einen Verbund mit einem gemeinsamen Rahmenprogramm. Die einzelnen Sender schalten sich dabei nur stundenweise lokal auseinander. Aachen war eine von zwei Städten, die es ausprobieren wollte, ohne diesen Verbund inklusive Rahmenprogramm zu senden. Ich wollte dabei sein, wenn der eigene Sender durchgehend das Programm festlegt und sendet. Dieses Projekt ist aber mittlerweile Geschichte.

Wie war da die Umstellung für dich als du ins Schwabenland gezogen bist?

Dabei hatte ich keine Probleme. Ich bin glaube ich ein Typ, dem sowas nichts ausmacht. Außerdem bin ich nicht so der typische Rheinländer, dass es mir dann besonders schwergefallen wäre, mich an die Schwaben zu gewöhnen. Ich habe das Glück, dass ich mit meiner Persönlichkeit offen auf alles und jeden zugehen kann.

Das einzige Probleme, das ich hatte, war mit der Sprache halt bissl. Das dauerte eine Weile, bis ich zum Beispiel verstanden habe, was „dahanna” bedeutet. Oftmals ging es aber gar nicht darum, dass man die Sprache nicht versteht, sondern dass komische Wörter verwendet wurden, die ich nicht gewohnt war. Bis ich hierhin gezogen bin, habe ich mein ganzes Leben lang „Portmonee” gesagt zu dem Ding, bei dem man eben sein Geld reinpackt. Inzwischen ist es so, dass mir das fremd vorkommt, wenn das jemand sagt, weil hier alle Leute „Geldbeutel” sagen und ich es auch so übernommen habe. Aber ansonsten ist mir die Umstellung nicht schwergefallen.

Was für verschiedene Sendungsformate hast du schon moderiert?

Alles. Ich habe wirklich alles moderiert außer regelmäßige Nachtsendungen. Ich war bereits einige Zeit in der Morningshow tätig, habe aber auch den Vormittag, Mittag, Nachmittag, und Abend moderiert. Ich habe sogar eine Zeit lang mal standardmäßig am Wochenende gearbeitet. Nur die Nachtschicht fehlt mir noch.

Gibt es denn Unterschiede zwischen den Sendungen, was Ablauf und Moderation betrifft?

Natürlich gibt es da Unterschiede. Eine Morningshow ist schon was ganz anderes als eine Mittags- oder Abendsendung. Die Morningshow ist das Flaggschiff des Senders, das nach eigenen Regeln funktioniert und in das normalerweise alle Manpower und Geld investiert wird. Während du am Mittag oder so zum Teil eher auf dich allein gestellt bist. Die Anforderungen an dich persönlich sind natürlich auch größer, wenn du eine Sendung moderierst, die zu einer Hörer-starken Zeit läuft, als am Abend.

Welches Format moderierst du am liebsten?

Inhaltlich sicher die Morningshow, aber das ist halt auch mit Abstand das Schlimmste, was die Arbeitszeiten angeht und alles, was daraus resultiert. Deswegen würde ich das nicht nochmal machen wollen, auch wenn es innerlich am meisten Spaß macht, weil du in der Regel eine doppelte oder dreifache Moderation hast. Damit hat man eine ganz andere Atmosphäre im Studio, man kann sich Bälle hin- und herspielen, die ganzen geilen Aktionen, Themen und Gewinnspiele werden in deine Sendung gepackt. Du bist irgendwie das Aushängeschild des Senders, denn man ist auf den Plakaten in der Stadt und auf den Veranstaltungen. Das ist sicherlich am abwechslungsreichsten und am spaßigsten, aber eben auch am intensivsten und am schlimmsten von den Arbeitszeiten. Es zerstört dein Sozialleben.

„Es zerstört dein Sozialleben.”

Sebastian Pauls

Wie hat sich das Radio-Machen im Laufe der Jahre verändert?

Oh, sehr viel. Das ist hauptsächlich durch den Wandel in der Medienlandschaft gekommen. Als ich meine erste Sendung gemacht habe, 1996, da gab es lineares Radio und lineares Fernsehen – das wars. Heute hast du Mediatheken aus der ganzen Welt, Audio- und Videostreaming, Social Media und so weiter. Damit muss man als Radiosender konkurrieren können. Wenn du früher zur Arbeit gefahren bist, dann hattest du die Wahl zwischen Radio hören oder einer Kassette. Heute kannst du alles Mögliche streamen, egal ob Musik, Podcasts oder irgendwelche Shows. Außerdem konkurrierst du jetzt nicht mehr ausschließlich mit den Radiosendern aus deinem Sendegebiet, sondern auch mit Radiosendern auf der ganzen Welt, die man durch alle möglichen Apps hören kann. Das beeinflusst natürlich, wie du Radio machst, weil du die Leute überzeugen musst, dich einzuschalten und nicht den Sender aus einem ganz anderen Land.

Die größte Veränderung im Radio ist aber die Sendetechnik. Mit ein paar Klicks kannst du den Computer die nächsten zwei oder drei Titel selbst abspielen lassen und währenddessen mit einem Hörer am Telefon in Ruhe quatschen. Die Sendungsvorbereitung ist auch einfacher geworden, weil man über das Internet selbstverständlich schneller an Informationen kommt.

Wie findest du diese Entwicklung?

Die Entwicklung finde ich, wenn dann aus nostalgischen Gründen schlecht. Jeder hat ab und zu einen „früher war alles besser”-Anfall. Das war schon cool mit den Tonbändern und CDs – eigentlich würde ich gerne mal aus Spaß eine Sendung wie früher machen, das fände ich lustig. Für den alltäglichen Betrieb ist die Technik von damals nur hinderlich.

 

Der Redakteur steht in freundschaftlicher Beziehung zum Protagonisten.