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Basketball
Leistungsdruck als ständiger Begleiter

Durch Verletzungen kann eine Karriere schneller enden als man denkt. | Bild: Felix Steiner

Basketball Leistungsdruck als ständiger Begleiter

Durch Verletzungen kann eine Karriere schneller enden als man denkt. | Bild: Felix Steiner
 

21 Jan 2023

Mit seinen 21 Jahren steht Julius Ferber kurz vor dem Durchbruch in die Basketball Bundesliga. Nach zwei Verletzungen in kurzem Zeitraum stand seine Karriere bereits auf der Kippe. Welchen Leistungsdruck dabei Spieler und Ärztin erfahren, erzählen die Beiden selbst.

Fabian Krienen

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2022

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Julius Ferber ist bei einem Auswärtsspiel in München im Zweikampf um den Ball mit dem Knie nach innen geknickt. Vor Schmerzen schreiend, liegt er auf dem Boden. Auch die Ärzte können vom Spielfeldrand meist nur erahnen, ob es sich um eine schwere Verletzung handelt.

Auf ein Zeichen der Schiedsrichter dürfen sie das Spielfeld betreten und eilen zu Kapitän Ferber hin. Britta Baier erklärt, dass man in solchen Situationen erst versucht mit dem Spieler zu sprechen. „Meistens schaffen es die Spieler auch nach kurzer Zeit wieder aufzustehen“, meint die Ärztin. Doch bei der ersten Behandlung wird schnell klar, dass er nicht aufstehen kann.

Die Diagnose

Sanitäter bringen den 1,94 Meter großen Mann ein paar Minuten später mit einer Trage in die Kabine. Zusammen mit einem Arzt der Münchner Mannschaft und verschiedenen Beinbewegungen wird analysiert, was am Knie verletzt sein könnte. Als erstes heißt es Entwarnung für Julius Ferber, denn das Kreuzband scheint nicht gerissen zu sein.

In Ulm wird zur Sicherheit ein MRT vom Knie gemacht. „Der härteste Moment war dann, als mir der Arzt sagt, dass das Kreuzband durch ist.“ Verletzungen am Knie sind laut des VBG-Sportreports 2021 mit 13,5 Prozent die häufigste Verletzung nach dem Sprunggelenk. Das kann vielen Spielern den Stammplatz in der Mannschaft kosten. Sportartübergreifend kommen nur 44 bis 55 Prozent der Profisportler drei Jahre nach ihrer Verletzung wieder an ihr altes Leistungsniveau. Da die Ausfallzeit bei 8 bis 9 Monaten liegt, war somit eine Rückkehr ins Team während der laufenden Saison ohnehin nicht möglich. Für Julius bedeutete es genug Zeit, um wieder fit zu werden.

Julius Ferber im Training & während dem Spiel schaut er von der Bank aus zu. Julius Ferber während dem Training – beim Spiel unterstützt er die Mannschaft noch von der Bank aus. | Bild: Jule Niemeyer & Fabian Krienen

Druck für Spieler und Ärztin

„Trotzdem ist man in den ersten Tagen und Wochen nach der Verletzung erstmal psychisch down“, sagt Julius Ferber. Seine Mannschaft OrangeAcademy Ulm spielt aktuell in der 2. Bundesliga „ProB“. Aber der Leistungsdruck für Spieler und Ärztin war dennoch gegeben – das Ziel der Spieler ist der Aufstieg in die Erstligamannschaft Ratiopharm Ulm. Britta Baier, die eine eigene Praxis für Unfallchirurgie leitet, ist mit dem Manager und Sportvorstand des Vereins in ständigem Austausch über die Gesundheit der Basketballer. Die Ärztin der Ulmer Basketballer lässt eigentlich gerne ihre zu behandelnden Spieler wieder früher spielen und versucht es zu vermeiden, dass sie länger als nötig auf der Bank sitzen.

Ich mache einfach meinen Job. – Dr. Britta Baier

Dennoch wird von Trainer und Manager oft bei der 44-jährigen Ärztin nachgefragt, ob denn die Verletzungspause wirklich so lange andauern muss. Auch eine Studie der Universität Kiel ergab, dass bei 71 Prozent der befragten Ärzte im professionellen Leistungssport die Entscheidung durch Dritte infrage gestellt wurde. „Ich mache aber einfach meinen Job, deshalb kann ich mit Druck von den Coaches gut umgehen“, stellt Britta Baier klar. Da sie dem Verein lediglich den Zeitraum der Verletzung angeben kann, wandert der Druck auf die Physiotherapeut*innen weiter, die für die Rehabilitation zuständig sind.

Auch während der Auszeit ist Britta Baier (schwarzes Shirt) beim Team. | Bild: Fabian Krienen
Britta Baier (rechts) freut sich über einen Korberfolg. | Bild: Fabian Krienen
Ein Spieler klatscht sich nach einer Auswechslung mit der Mannschaftsärztin ab. | Bild: Fabian Krienen
Ärztin und Physiotherapeuten verfolgen das Spiel. | Bild: Fabian Krienen
Der Druck nervt schon, man will ja natürlich auch spielen. – Julius Ferber

Zwischen Patientenwohl und Leistungsdruck

Einen nicht vollständig auskurierten Spieler unter Schmerzmittel zu stellen, nur damit Management und Coach zufrieden sind, kommt für die Mannschaftsärztin, die Humanmedizin studierte, auf keinen Fall infrage. Viele Spieler verzichten laut Britta Baier von sich aus bei schwereren Verletzungen auf Schmerzmittel, da der Heilungsprozess im Vordergrund steht. Wenn es heißt, dass man unbedingt im Spiel gebraucht wird, hat aber auch Julius Ferber bei Kleinigkeiten schon zur Tablette gegriffen. Als einer der wichtigen Spieler der Mannschaft wird er durchgehend gefragt, ob und wann er wieder bereit ist, am Spieltag mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen, da macht auch Julius Ferber als erfahrener Basketballer sich Gedanken. Hinzu kommt, dass er selbst das Verlangen hat, wieder Basketball zu spielen, um das Ziel Bundesliga zu erreichen. „Der Druck nervt schon, man will ja natürlich auch spielen. Irgendwie muss man aber Geduld finden, um diesen Druck auszuhalten.“ Dennoch können Julius Ferber und Britta Baier etwas Positives aus dem ganzen Druck ziehen, denn beide werden von außen angespornt nicht weniger als 100 Prozent zu geben.