Keine Nahrung und keine Wasser-Zufuhr. Kann das eine gesunde Fasten-Methode sein? | Bild: Nina Franzen

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Ausgetrocknet

Keine Nahrung und keine Wasser-Zufuhr. Kann das eine gesunde Fasten-Methode sein? | Bild: Nina Franzen

31 Jan 2019

Bis zu fünf Tage ohne jegliche Wasserzufuhr überleben, das hört sich nicht nur gefährlich, sondern auch verrückt an. Aber es gibt Menschen, die dies freiwillig und gerne tun. Seit wenigen Jahren ist eine neue Fastenmethode in Erscheinung getreten, doch die wenigsten haben bereits davon gehört. Ich werde mich heranwagen.

Zunächst bin ich skeptisch: Wie kann Fasten ohne jegliche Wasserzufuhr gesund oder in irgendeiner Weise reizvoll sein? Auf YouTube begebe ich mich auf die Suche nach Erfahrungsberichten und kann nach einigen Videos den Reiz an dieser Art des Fastens verstehen. Man braucht weniger Schlaf, der Körper wird gereinigt und der Bauch fühlt sich flacher an.

Aber kann das alles wirklich sein?

Um mich näher mit dem Thema zu beschäftigen, kontaktiere ich einige Ernährungsmediziner, die mir alle die gleiche Antwort geben: Ich habe noch nicht mit dieser Methode gearbeitet oder von ihr gehört. Das macht mich stutzig und ich frage weiter nach. Herr Dr. Friese, Ernährungsmediziner aus Gießen, erklärt sich schließlich bereit, mir Antworten auf meine Fragen zu geben, sodass ich vorbereitet in meinen Selbstversuch starten kann.

Trockenfasten ist eine Fastenart, bei der man weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich nimmt. Trocken fasten kann in zwei Varianten durchgeführt werden: Zum einen die strenge Version, bei dieser wird komplett auf Kontakt mit Wasser verzichtet. Das bedeutet: Kein Duschen oder Händewaschen. Bei der weniger extremen Variante kann dieser Kontakt stattfinden.

Donnerstag, 16:30 Uhr 

Ich trinke meinen letzten Schluck Wasser und weiß, dass ich meine Wasserflasche für die nächsten Stunden nicht mehr benötige. Meine Kommilitonen sind eher geschockt über mein Vorhaben und ständig kommt die Frage: „Ist das nicht gefährlich?“ Und genau das möchte ich von Dr. Friese wissen. 

Trotz der Warnung und der Einstufung, dass dieser Selbstversuch gefährlich sei, möchte ich meine erste Skepsis überprüfen und es aber unbedingt ausprobieren. Dr. Friese rät mir, das Trockenfasten nicht länger als einen Tag auszuprobieren. 

Der Rest des Tages ist für mich überhaupt kein Problem und sogar die Gerüche von Essen lassen mich kalt. Nur meine Routine lässt mich einige Male fast scheitern, denn Trinken gehört einfach zu meinem Alltag dazu. Trotzdem habe ich keinen Durst, was vielleicht damit zu tun hat, dass ich auch sonst nicht sehr viel Wasser zu mir nehme. Was ein gesunder junger Erwachsener am Tag zu sich nehmen sollte, kann mir Dr. Friese schildern. 

Bedarf an Kalorien und Wasser pro Tag für einen jungen Erwachsenen. Dies sind nur Faustregeln! Je nach körperlicher Aktivität und Verfassung variieren diese Zahlen. | Bild: Dr. Friese & Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

Freitagmorgen 

In einigen der Selbstversuche wurde von einer erhöhten Energie und einer gewissen Entspannung geschwärmt, die das Fasten mit sich bringen würde. Ich fühle mich zwar ausgeruht und fit, jedoch bin ich nicht mit mehr Energie geladen als sonst. Ich kann den ganzen Tag wirklich konzentriert arbeiten und dem typischen Mittagstief entgehen, obwohl ich immer wieder von kleineren Hungerattacken heimgesucht werde. Von Durst hingegen fehlte jede Spur.

Aber was bedeuten Hunger und Durst eigentlich? Sollte ich immer auf diese beiden hören und Nahrung oder Flüssigkeit zu mir nehmen? Dr. Friese konnte mir diese Frage beantworten:

Freitag, 22:00 Uhr 

Nach knapp 30 Stunden ohne einen Schluck Wasser oder einen Happen zu Essen, entschließe ich mich dazu, meinen Selbstversuch abzubrechen. Nach anderen Erfahrungsberichten ist diese Zeit für den ersten Versuch schon sehr lang. Geübte „Trockenfaster“ können dies nach eigenen Angaben bis zu fünf Tage praktizieren. Der Hauptgrund dafür sind Kopfschmerzen, die sich im Laufe des Abends entwickelt haben und immer stärker werden. Dies sei nur eines der Zeichen, die auf einen gestörten Wasserhaushalt hinweisen, erklärt mir Dr. Friese. Er empfiehlt mir zum Fasten brechen „eher flüssige Nahrung oder Breikost, Milchreis und Grießbrei, aber auf keinen Fall Ballaststoffe, wie Salat, Gemüse oder Vollkornprodukte, da diese schwer zu verdauen sind.“

Mit einem einzigen Schluck Wasser breche ich das Fasten und es fühlt sich wirklich gut an. In den nächsten 40 Minuten teile ich mir ein ganzes Wasserglas ein. Dies reicht mir auch für’s erste und eine Stunde später nehme ich eine Gemüsebrühe zu mir, die zirka einen halben Liter Wasser enthält. Danach bin ich total gesättigt und mein Bauch fühlt sich gut gefüllt an. Am nächsten Morgen probiere ich mich an Grießbrei und auch diesen vertrage ich wirklich gut. 

Viele der, von anderen Selbstversuchen angepriesenen, Vorteile konnte ich während meines Versuchs nicht wahrnehmen. Ich fühlte mich nicht gereinigt von giftigen Stoffen, noch fühlte sich mein Bauch flacher an. Ich konnte einen Gewichtsverlust von 0,1 Kilogramm feststellen und auch Dr. Friese ist der Meinung, dass diese Fasten-Methode nicht zu einem langfristigen Gewichtsverlust beitragen kann. Ich werde diese Fasten-Methode nicht noch einmal praktizieren, da der Flüssigkeitsmangel nicht gesund für den Körper ist und mir persönlich die zwei Tage ohne jegliche Nahrung nicht dabei geholfen haben, mich gesünder zu fühlen.